Nachbericht

Die erfolgreichste Benefiz-Auktion aller Zeiten

Von Lisa Zeitz, New York

Zeigt die Welt hinter den Bildern: Banksys Leinwand „Keept it spotless” aus dem Jahr 2007 brachte 1,7 Millionen Dollar (Taxe 250.000/350.000 Dollar).

Zeigt die Welt hinter den Bildern: Banksys Leinwand „Keept it spotless” aus dem Jahr 2007 brachte 1,7 Millionen Dollar (Taxe 250.000/350.000 Dollar).

21. Februar 2008 Es war eine Auktion wie keine andere, das war schon von der Straße aus zu sehen. Die Sotheby's-Zentrale in New York war an diesem Valentinstag blutrot angestrahlt, und in der Lobby war ein veritabler roter Teppich ausgerollt, um all die Prominenz mit Blitzlichtgewitter zu empfangen: Am Abend des Valentinstags lud der Künstler Damien Hirst zusammen mit Bono, dem Sänger der irischen Rockband U2, zur Benefizauktion RED, um den Global Fund der United Nations im Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria in Afrika zu unterstützen. Kurz bevor es losging, brachte der Superstar Bono neben dem Auktionspult ein Ständchen, um das Publikum in die richtige Stimmung zu bringen: Er sang ohne Begleitung den Beatles-Klassiker „All you need is love“, bis das gerührte Publikum mit einstimmte: „Love is all you need“. Andauernder Applaus begleitete dann fast jedes der 83 Lose, die an diesem Abend aufgerufen wurden.

Das Publikum war gespickt mit bekannten Gesichtern: Das Fotomodell Christy Turlington plauderte mit dem Regisseur und Schauspieler Ed Burns, Dennis Hopper saß neben seinem Freund, dem Galeristen Tony Shafrazi, der Künstler Takashi Murakami, Michael Stipe von der Rockband REM, Königin Noor und die Schauspielerin Helena Christensen waren in den Reihen des Auktionssaales zu entdecken. Bono selbst ließ sich in der ersten Reihe nieder und feuerte die Bietgefechte durch viele eigene Gebote an: So wurde die obere Gesamttaxe von 29 Millionen Dollar schnell weit zurückgelassen, denn nur ein Los blieb unverkauft. Mehr als 42 Millionen Dollar spielte die erfolgreichste Benefiz-Auktion aller Zeiten ein. Sotheby's berechnete nur zehn Prozent Kommission. Nahezu die Hälfte des Umsatzes war den sieben Werken zuzuschreiben, die Damien Hirst selbst gestiftet hatte.

Medizinschrank à la Hirst

Hybridwesen: Michael Joos Skulptur “Improved Rack“ (Elk #11) mit einer Spannweite von gut zwei Metern wurde bei 1,7 Millionen Dollar zugeschlagen (von 2007; Taxe 30.000/40.000 Dollar)

Hybridwesen: Michael Joos Skulptur "Improved Rack" (Elk #11) mit einer Spannweite von gut zwei Metern wurde bei 1,7 Millionen Dollar zugeschlagen (von 2007; Taxe 30.000/40.000 Dollar)

Er hatte sie eigens für den Anlass geschaffen: „Love You“, eine tiefrot lackierte, rund 180 mal 275 Zentimeter messende Leinwand mit blauen Schmetterlingen aus dem Jahr 2007, war dem Londoner Kunsthändler Ivor Braka drei Millionen Dollar wert (Taxe 1/1,5 Millionen Dollar). Das teuerste Stück der Auktion wurde wie erwartet „Where There's A Will, There's A Way“, ebenfalls von Damien Hirst. Der fast drei Meter breite Pillenschrank mit Hunderten von Tagesrationen antiretroviraler Aids-Medikamente brachte 6,5 Millionen Dollar (5/7 Millionen). Den Zuschlag erhielt eine junge Dame mit Mobiltelefon, die auch sonst kräftig einkaufte. Sie bewilligte mit 130.000 Dollar (30.000/40.000) einen Rekordpreis für Michael Joos durch Metallglieder verlängertes Hirschgeweih und sensationelle 1,7 Millionen Dollar (250.000/350.000) für Banksys „Keep it Spotless“, die originelle Leinwand, auf der Banksy ein Spot Painting von Damien Hirst in ein zeitgenössisches Trompe-l'oeuil verwandelt. Insgesamt wurden siebzehn neue Künstlerrekorde verzeichnet, darunter Sir Peter Blake, Marc Quinn, Yinka Shonibare, Malick Sidibe, Seydou Keita und Heim Steinbach.

Auch Carsten Höllers Skulptur eines pinkfarbenen Nilpferdbabys brachte mit 180.000 Dollar (100.000/150.000) einen neuen Höchstpreis für den Künstler. Die meisten Lose ließen ihre Schätzungen hinter sich: Der Ex-Tennisspieler John McEnroe, der schon lange als ernsthafter Kunstsammler bekannt ist, bemühte sich um Hiroshi Sugimotos minimalistische Schwarzweißfotografie „Red Sea, Safaga“ (250.000/350.000), unterlag aber einem unbekannten Telefonbieter bei einem Gebot von 550.000 Dollar. Christy Turlington freute sich über Francesco Clementes Aquarell „Red Flower on Scorched Earth“, für das sie 155.000 Dollar bewilligte (50.000/70.000). Im Anschluss an die Auktion wurde in die Galerieräume in den zehnten Stock geladen: Wo sonst in gediegener Atmosphäre Gemälde und Skulpturen ausgestellt sind, leuchtete jetzt alles in blutrotem Disco-Licht. Zu dröhnender Musik wurde mit Champagner und herzförmigen Pralinen das unglaubliche Ergebnis gefeiert.

Text: F.A.Z., 16.02.2008, Nr. 40 / Seite 44
Bildmaterial: Carsten Höller/Gagosian Gallery, Sotheby's

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