Von Thomas W. Kuhn

Das Tafelbild ''Kalvarienberg'' ist Barend van Orley zugeschrieben und bei Lempertz auf 1,2 bis 1,4 Millionen Euro taxiert.
17. November 2008 Parallel zur Cologne Fine Art & Antiques versteigern die beiden Kölner Auktionshäuser Lempertz (vom 20. bis zum 22. November) und Van Ham (am 21. und 22. November) Alte Kunst und Kunstgewerbe und ergänzen damit das Angebot für die zugereisten Sammler. Das Spitzenlos bei Lempertz ist ein Altarbild von Barend van Orley: Das Bild zeigt dramatische Szenen auf dem Kalvarienberg.
Es stammt wohl aus der 1817 abgerissenen Kölner Stiftskirche St. Maria ad Gradus und soll zu zwei Altarflügeln gehören, die in einem Kölner Priesterseminar aufbewahrt werden. Infolge der Säkularisation kam das Bild in den Handel und wurde von Johann Baptist Ciolina-Zanoli erworben, einem Fabrikanten für Kölnisch Wasser; jetzt liegt die Schätzung bei einer bis 1,4 Millionen Euro.
Blicke nach Italien
Beschaulich ist Jacob Philipp Hackerts Blick auf Mulina im Tal von La Cava (Taxe 200.000/250.000 Euro). Auch Jean-Honoré Fragonard befriedigt Italien-Sehnsucht mit einer Rötelzeichnung, die 1931 aus dem Besitz der Eremitage von der Sowjetunion bei C. G. Boerner in Leipzig versteigert wurde (200.000/ 250.000). Zwei Bilder Jan van Goyens kommen zum Aufruf, ein Seestück mit Fischerbooten und Kriegsschiff von 1654 (90.000/110.000) und eine Landschaft mit Bauern aus dem Jahr 1642 (80.000/90.000). Mythologisches bietet Jan Brueghel d. J. mit Venus, Amor, Diana und deren Nymphen beim Bade, nach 1640 gemalt (100.000/120.000).
Die Zuschreibung hat Klaus Ertz bestätigt. Gemeinsam mit Hendrik van Balen malte Jan Brueghel d. J. eine Allegorie des Frühlings, die zuletzt 2002 bei Sotheby's versteigert wurde (70.000/90.000). Eine Winterlandschaft mit schwarz-blauer Wolkenfront wählt Abraham Beerstraeten als Motiv für ein kontrastreiches Spiel mit dem Licht auf kahlen schneebedeckten Ästen und Häusern (35.000/40.000).
Wölfe als Geschenk für den Bruder
Caspar David Friedrich schenkte einst seinem Bruder Johann Samuel das düstere Gemälde Wölfe im Wald vor einer Höhle; die Tiere nagen genüsslich an Skeletten (100.000/120.000). Bei den Skulpturen fallen zwei gotische Plastiken auf: Um 1470 entstand eine Anna Selbdritt in niederländischer Werkstatt, aus Eichenholz gefertigt (30.000/35.000), und ebenfalls am Ende des 15. Jahrhunderts am Oberrhein wurde ein heiliger Georg aus Lindenholz im Kampf mit dem Drachen geschaffen (22.000/24.000).
Als prachtvolles Kunstkammerobjekt gelangt ein Renaissance-Kruzifix aus einem deutschen Fürstenhaus mitsamt originalem Lederfutteral zur Versteigerung. Das Kreuz ist aus einem monolithischen Stück klaren Bergkristalls vermutlich um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert in einer Mailänder Werkstatt gefertigt (80.000/120.000). Ebenfalls aus Bergkristall ist eine Fußschale im manieristischen Stil, wohl aus der Prager Hofwerkstatt Dionisio Miseronis um 1650 (60.000/ 80.000).
Feines Porzellan aus der Schweiz
Ehemals im Besitz von Friedrich Heinrich Prinz von Preußen war die klassizistische Tabatière aus monochromem honigfarbenen Achat mit Pietra-Dura-Einlagen (20.000/25.000). Aus einer Schweizer Privatsammlung gelangt ein Meissener Service in den Handel, bemalt mit Kauffahrteiszenen von Christian Friedrich Herold aus der Zeit um 1738/40 (10.0000/ 120.000). In ihrer Form existieren weltweit nur fünf Exemplare: Die 19,2 Zentimeter hohe Pokalvase aus Böttger-Porzellan, die um 1715 in Meissen entstand (20.000/30.000).
Ein besonderes Stück aus dem Angebot an Silber ist ein großer Kluftbecher des Nürnberger Meisters Caspar I Bauch, um 1580 (18000/20000). Aufwendige polychrome Marketeriearbeiten schmücken einen Guéridon Jean-Pierre Dusautoys (18.000/22.000).
Aus der Sammlung eines Brauers und Jägers
Bei Van Ham schlägt die Sammlung Hausmann die Brücke zwischen Alter Kunst und Kunstgewerbe: Heinrich Hausmann, bis Mitte der siebziger Jahre Gesellschafter der Brauerei Hannen Alt, hatte als passionierter Jäger und Brauer eine Sammlung mit entsprechendem Schwerpunkt aufgebaut.
Im Bereich Alter Kunst glänzt die Kollektion mit der Altartafel eines Konstanzer Meisters nach dem Vorbild eines Holzschnitts von Dürer (35.000/ 40.000), einer Landschaft von Carl Spitzweg mit heimkehrendem Jäger, um 1875/80 (35.000/40.000), einer Joos van Craesbeek zugeschriebenen wilden Wirtshausrauferei (25.000/30.000) und einer weitaus friedlicheren Winterlandschaft von Denis van Alsloot (30.000/35.000).
Inspiriert von Leonardo da Vinci
Joos van Cleve und Werkstatt schufen das am höchsten taxierte Stück der Auktionen bei Van Ham: Zwei sich innig herzende Knaben, Christus und Johannes, nach dem Vorbild eines verlorenen Bildes von Leonardo da Vinci. Im 19. Jahrhundert war dieses Gemälde im Besitz von François de Labensky, Direktor der Kaiserlichen Eremitage in St. Petersburg (100.000/120.000). Aus niedersächsischer Privatsammlung stammt eine Sacra Conversazione, die Gaudenzio Ferrari zugeschrieben wird (82.000/85.000).
Ehemals im Besitz von August dem Starken befand sich eine Darstellung der Lucretia von Lucas Cranach d. Ä. aus dem Jahr 1548 (40.000/60.000). In der Kölner Ausstellung Wahre Wunder konnte 2001 Peter Binoits Früchtestillleben mit Vögeln aus dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts bewundert werden (65.000/75.000). Nur wenig jüngeren Datums dürfte das Gemeinschaftswerk von David Teniers d. J. und Lucas van Uden aus rheinischem Privatbesitz sein. Teniers malte die mit Kugeln spielenden Bauern in van Udens Landschaft (36.000/40.000).
Eine indonesische Landschaft
Bei den Neuen Meistern findet sich ein Bild des Indonesiers Raden Saleh von 1862; es zeigt die Passstraße über den Megamendung (60.000/80.000). Vor zwei Jahren erzielte Van Ham mit einer Löwenjagd Salehs 800.000 Euro. Eine winterliche Straßenszene von Willem Koekoek soll 90.000 bis 100.000 Euro einspielen. Hermann Corrodi malte den Blick vom Ufer über den Nil auf die Pyramiden von Gizeh (24000/28000). Ebenfalls zum Aufruf kommt eine kleine Fassung seiner Frauen am Nil, die bei Van Ham am 16. Mai mit 90.000 Euro einen Auktionsrekord für den Künstler aufstellten (10.000/12.000).
Eine Kommode im Stil Louis XVI von Roger Vandercruse dit Lacroix führt das Kunstgewerbe an (22.000/24.000). Ein Kabinettkasten von Adam Eck, um 1650/60, kommt aus Belgien an den Rhein (12.000/14.000). Auf 14.000 bis 18.000 Euro ist eine Türmchenuhr mit dem Wappen der Familie Radziwill geschätzt. Beim Silber versteigert Van Ham zwei Münzdeckelbecher, vom Hildesheimer Meister Johann Hartmann, um 1700 gefertigt, für 14.000 bis 16.000 Euro und vom Meister mit dem Monogramm A-M, um 1740, für 14.000 bis 15.000 Euro.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Lempertz, Van Ham
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20:05Wer will denn solche Peinlichkeiten noch lesen?
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