Von Lisa Zeitz, New York

Für Tizians Gemälde der büßenden Magdalena bewilligte ein amerikanischer Privatsammler vier Millionen Dollar (Taxe 4/6 Millionen Dollar).
06. Februar 2008 Nach den stürmischen Unruhen auf dem Aktienmarkt wurden die Spekulationen um eine drohende Krise auch für den Kunsthandel lauter. Deshalb zeigte sich George Wachter, stellvertretender Vorsitzender der internationalen Abteilung Alter Meister bei Sotheby's - am Ende der Old Masters Week in New York - erleichtert: Die Auktionen wurden argwöhnisch beobachtet, aber die eindrucksvollen Ergebnisse beweisen, dass der Markt für Alte Meister extrem gesund ist. Sotheby's setzte mit Zeichnungen, Skulpturen und Gemälden, das Aufgeld eingerechnet, 91,7 Millionen Dollar um. Die Gesamtschätzung - freilich ohne das Aufgeld - hatte bei 75,8 bis 109,2 Millionen Dollar gelegen. Wachter verwies darauf, dass die Ergebnisse so stark wie im Vorjahr waren - nur dass man diesmal keinen 25-Millionen-Dollar-Rembrandt vorweisen konnte.
Die Lose, die begehrt waren, konnten ihre Schätzung oft vervielfachen, während das Publikum anderen die kalte Schulter zeigte. Das originelle, nur handtellergroße Kupfertäfelchen von Joachim Wtewael (das wir hier in Originalgröße abbilden), auf dem die Göttin der Liebe in Begleitung von Bacchus und Ceres dargestellt ist, kletterte hoch bis auf eine Million Dollar (Taxe 300.000/ 400.000). Doch das Interesse etwa an Claude Lorrains arkadischer Abendlandschaft mit Merkur und Battus (1,5/2 Millionen) und an Tintorettos Allegorie der Musik (2/3 Millionen) war nur lau, so dass sie keinen Abnehmer fanden. Die höchsten Preise brachten Skulpturen. So bemühten sich um Tilman Riemenschneiders schöne heilige Katharina, die der Künstler um 1505 in Lindenholz schnitzte, mindestens fünf Interessenten. Der Hammer knallte erst bei 5,6 Millionen Dollar (4/6 Millionen) aufs Pult: Das ist doppelt so viel wie die Summe, die vor sieben Jahren am selben Ort für eine Riemenschneidersche Heilige bewilligt wurde, die vielleicht vom selben Altar stammt.
Frauenporträt von Cranach
Auch der Name Donatello bewies Zugkraft: Für das auf zwei bis vier Millionen Dollar geschätzte Terrakotta-Relief der San Felice Madonna trat der New Yorker Händler Richard Feigen in Erscheinung; er hatte schon vor zwei Jahren im Auftrag des texanischen Kimbell Art Museum ein Donatello-Relief für 4,4 Millionen (inklusive Aufgeld) ersteigert. Doch jetzt konnte ein anonymer Bieter Feigen ausstechen, indem er die Rekordsumme von fünf Millionen Dollar bewilligte.Der Münchner Händler Konrad O. Bernheimer sicherte sich für 550.000 Dollar (150.000/200.000) ein duftiges Blumenstillleben mit Pfirsichen von Jacob van Walscapelle und gab dann,mit dem Mobiltelefon am Ohr, Gebote auf Cranachs Porträt einer makellosen jungen Dame mit weit ausladendem Straußenfederhut ab: Schnell war deren obere Taxe von zwei Millionen Dollar überrundet; den Zuschlag erhielt schließlich George Wachter, für einen amerikanischen Privatsammler, bei 4,5 Millionen Dollar.
Als wenig später Cranachs entzückendes Tafelgemälde mit der Darstellung von Phyllis und Aristoteles aufgerufen wurde, dominierte Bernheimer das Rennen: Diesmal erhielt er bei 3,6 Millionen Dollar (2,5/3,5 Millionen) den Zuschlag. Ein New Yorker Privatsammler, der mit rotem Schal ganz hinten im Saal stand, ersteigerte Lelio Orsis Leda mit dem Schwan, ein apart erotisches kleines Ölbild auf Kupfer, für 1,3 Millionen Dollar (1/1,5 Millionen). Auf die Frage, wohin es die Leda nun verschlagen werde, sagte er, sie habe nicht weit zu reisen, nur auf die Westseite von Manhattan. Wie üblich wurden die meisten Bietgefechte am Telefon ausgetragen: Georges de La Tours Heiliger Jakob, der im 17. Jahrhundert als Teil eines Apostelzyklus in der Kathedrale Ste Cecilia in Albi hing, geht für 2,85 Millionen Dollar (1,5/2 Millionen) in eine amerikanische Privatsammlung; Tizians spätes Gemälde der heiligen Magdalena, die 1989 für 2,64 Millionen Dollar nach Japan vermittelt wurde, wandert nun - für vier Millionen Dollar (4/6 Millionen) - wieder an eine Privatadresse nach Europa.
Zeichnungen bei Christie's
Die Konkurrenz Christie's setzte mit ihrer Auktion von Altmeisterzeichnungen (die Altmeistergemälde sind bei Christie's erst am 15. April dran) rund vier Millionen Dollar um. Das teuerste Los, eine Kreidezeichnung von Jean-François Millet, wurde für 440.000 Dollar (400.000/ 600.000) an eine europäische Privatsammlung vermittelt. François Bouchers aufreizender weiblicher Akt, der wohl 1751 im Auftrag der Madame Pompadour entstanden ist, ging zur oberen Taxe von 300.000 Dollar in eine amerikanische Privatkollektion. Das bessere Angebot an Arbeiten auf Papier hatte Sotheby's. Fra Bartolommeos doppelseitige Rötelzeichnung mit insgesamt zehn Kopfstudien kletterte bis auf 1,7 Millionen Dollar - angesichts einer Taxe von 800.000 bis 1,2 Millionen -, ein neuer Rekord für den Florentiner Dominikanermönch.
Auch die Sammlung des Kunsthändlers Jeffrey Horvitz verbuchte bemerkenswerte Erfolge: Um Giuseppe Cades' klassizistische Darstellung des Achilles mit seiner Lieb-lingssklavin Briseis bemühten sich Vertreter des Louvre sowie des Los Angeles County Museum (LACMA). So konnte die lavierte Feder- und Kreidezeichnung das Doppelte der Schätzung samt einem Rekord für den Künstler einspielen, als der Hammer bei 210.000 Dollar auf das Auktionspult sauste, zugunsten von Kevin Salatino, Kurator am LACMA. Lelio Orsis fein ausgearbeitete Zeichnung des Apoll im Sonnenwagen, die 1544 als modello für sein verlorenes Fresko am Uhrturm der Piazza del Duomo in Reggio Emilia diente, ging für 310.000 Dollar (200.000/ 300.000) an eine amerikanische Privatsammlung. Ein weiterer Rekord wurde für Agostino Caracci verzeichnet; seine dynamische Tuschezeichnung des heiligen Hieronymus am Lesepult erzielte 320.000 Dollar (70.000/ 100.000). Die Käuferin ist Andrea Woodner, Tochter des legendären Sammlers Ian Woodner, die gemeinsam mit ihrer Schwester Dian für großzügige Schenkungen an die National Gallery in Washington bekannt ist.
Text: F.A.Z., 02.02.2008, Nr. 28 / Seite 44
Bildmaterial: Christie's, Sotheby's