Von Lisa Zeitz, New York
13. Juni 2008 An den magischen Moment, der im vergangenen Dezember mit 57,2 Millionen Dollar bei Sotheby's einen einsamen Rekord für die mesopotamische "Guennol-Löwin" brachte, konnte Christie's in New York jetzt nicht anknüpfen. Zwar war die achtzig Zentimeter hohe römische Figur der sitzenden Göttin Tyche aus dunkelrotem Porphyr zweifellos die bedeutendste antike Skulptur, die in dieser Saison in New York versteigert werden sollte, doch es fand sich in der Auktion kein Käufer, der bereit war, vier Millionen Dollar für sie zu bezahlen. Im zweiten Jahrhundert nach Christus geschaffen, waren die fehlenden Hände und der Kopf der Plastik - wie oft bei Porphyrskulpturen - wahrscheinlich aus weißem Marmor.
Tyche ist von allen Seiten schön: Der Körper mit überschlagenem Bein und auf den Oberschenkel gestütztem Ellenbogen zeichnet sich durch das stoffreiche Gewand ab. Da die ägyptischen Porphyrsteinbrüche unter direkter Kontrolle des römischen Kaisers standen, ist davon auszugehen, dass es sich um einen kaiserlichen Auftrag gehandelt hat. 1967 gelangte die kopflose Göttin in die Sammlung des polnisch-kanadischen Kunsthändlers Dr. Elie Borowski (1913 bis 2003). Von 1980 bis 1986 war Tyche im Frankfurter Liebieghaus ausgestellt und kam danach bis 1991 als Leihgabe an das Royal Ontario Museum in Toronto.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Christie's