Kunst und Kunstgewerbe

Ein hochgeschätzter falscher Hase

Von Thomas W. Kuhn

09. Mai 2008 Eine meisterliche Kopie kann Werk eigenen Rechts sein: Hans Hofmanns „Feldhase“ nach der berühmten Vorlage Dürers (Taxe 500.000/600.000 Euro) ist teuerstes Los der Auktionen bei Lempertz am 16. und 17. Mai. Bei den Alten Meistern glänzen auch sonst bekannte Namen - wie Jan Brueghel d.J. mit einer „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ in einer Baumlandschaft (160.000/180.000) und einem „Blumenkorb und Tazza“ (180.000/200.000); oder Bartholomäus Bruyn d.Ä. mit seiner „Madonna mit dem heiligen Benedikt und der heiligen Scholastika“ (180.000/ 190.000).

Dem Thema Mutter und Kind widmen sich auch andere Höhepunkte der Auktion, etwa Marguerite Gérards exquisites Paar in einer Waldlandschaft im Gewand des Empire, das 60.000 bis 65.000 Euro einspielen soll. Ein Bild der „Madonna mit Jesusknaben, der einen Vogel hält“, das dem Umkreis Jean Bellegambes zugeschrieben wird, wird mit 10.000 Euro eher vorsichtig taxiert: Zwar ist der Hintergrund nach italienischem Renaissance-Maßstab bemessen eher archaisch, aber die Figurenbildung überzeugt in ihrer psychologischen Innigkeit.

Wesentlichkeit und Süßlichkeit

Weitere Entdeckungen sind Francesco Fracanzanos auf 8000 bis 10.000 Euro geschätzter „Philosoph“ , der es nicht schlechter als seine bekannteren spanischen Zeitgenossen schafft, sich in virtuoser Manier auf das Wesentliche von Motiv und Licht zu konzentrieren. Den Gefahren des Süßlichen bedrohlich nahe kommt hingegen sein Landsmann Carlo Dolci mit seinem „Apostel Johannes“ für 20.000 bis 30.000 Euro. Dem hier sichtbaren Einfluss Caravaggios folgt auch ein mit 9000 bis 10.000 Euro vorsichtig taxierter „Lautenspieler“, der Gerard von Honthorst zugeschrieben wird. Ein sehr frühes Beispiel der für die französische Malerei des 18. Jahrhunderts so bedeutenden Fête-galante ist ein Frederick de Moucheron zugewiesenes „Ländliches Fest in barockem Garten“, geschätzt auf 16.000 bis 17.000 Euro.

Francesco Fracanzanos “Philosoph“ aus der Mitte des 17. Jahrhunderts soll 8.0... Jan Brueghels “Blumenkorb mit Tazza“ aus dem 17. Jahrhundert ist auf 180.000 ... 10.000 bis 20.000 Euro werden für Jakob Beckers “Das Gewitter“ aus dem Jahr 1... Das “Ländliche Fest in barockem Garten“ aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhu... Bartholomäus Bruyn d.Ä.: “Madonna mit dem Hl. Benedikt und der Hl. Scholastik... Die höfische Schreibkommode aus dem 18. Jahrhundert ist auf 35.000 bis 45.000...

Bei den Skulpturen die älteste Arbeit ist ein alabasterner „Heiliger Georg im Kampf mit dem Drachen“ aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, eine souveräne Arbeit der späten flämischen Renaissance unter dem Einfluss Michelangelos (4500). Ihr gesellt sich ein Engel mit stark beeinträchtigter Fassung, der als gotisch-barocker Hybrid seine Qualität aus beschwingt gelassener Ernsthaftigkeit empfängt (5000/6000).

Schafe und Menschen

Unter den 45 Losen auf dem Gebiet der Zeichnung glänzen zwei mythologische Szenen eines unbekannten italienischen Künstlers, der sich in seinen farbintensiven Gouachen eng an der antiken römischen Wandmalerei anlehnte. Beide sind auf 2000 bis 2500 Euro taxiert. Die 190 Positionen zur Malerei der Neuen Meister erweisen sich als vielseitig und qualitätvoll besetzt. Sie ermöglichen die Begegnung mit einem Schlüsselwerk der Düsseldorfer Malerschule: „Das Gewitter“ von 1839 war eine Studie Jakob Beckers, der Louis Léopold Roberts klassizistisches Pathos auf Genremotive übertrug, Taxe 10.000 bis 12.000 Euro.

Rechnet man Schafe gegen Menschen, sind erstere deutlich teurer in Eugéne Verboeckhovens „Schafherde und Hirte bei aufziehenden Gewitter“ aus dem selben Jahr wie Beckers Bild für 20.000 bis 25.000 Euro. Malerisch interessanter sind vier Szenen aus Goethes Faust von Fritz Schider, taxiert auf 3500 Euro. Wilhelm Leibls Porträt von Rudolf Hirth du Frênes, geschätzt auf 7000 Euro, und Wilhelm Trübners „Gardekürassier“, bewertet für 4000 bis 5000 Euro, können ebenfalls überzeugen.

Der Charme des Rokoko

Gut 900 Lose bietet das Kunstgewerbe. Maßstäbe setzen hier eine Kommode im Stil Louis XV. von Pierre Roussel (40.000/60.000), eine nicht mehr ganz vollständige Pendule, um 1820, in Gestalt der Pallas Athene (35.000/40.000) oder eine Balusterdeckelvase aus Meissen mit figurativen Szenen (30.000/40.000). Zu dieser pompösen Vase, deren Entstehen in zwei Phasen zwischen 1720 und 1730 datiert wird, verhält sich eine Deckelvase aus Böttgersteinzeug, für 20.000 bis 25.000 Euro geschätzt, in ihrer monochromen Fassung geradezu antithetisch - ohne weniger reizvoll zu sein. Nicht weniger elegant ein Koppchen, datiert auf 1710 bis 1715, geschätzt auf 4000 bis 6000 Euro. Der „Herzdosenkauf“ entfaltet hingegen, um 1738 entstanden, den ganzen Charme des Rokokos für geschätzte 30.000 bis 40.000 Euro.

Während ein solches Stück seinen Platz in einer Vitrine findet, war das silberne Service aus Augsburg, im Hauptumfang aus der Zeit der Régence, für Reisen gedacht und ist trotz seiner späteren Hinzufügungen auf 38.000 bis 40.000 Euro geschätzt. Ein deutlich später entstandenes Glanzlicht der Belle Epoque ist die Büste eines jungen Mädchens von Albert Ernest Carrier-Belleuse, bei 3000 bis 4000 Euro. Der späte Art nouveau hat sein Meisterwerk in einer Lampe, geschmückt mit Tannen der Vogesen, der Gebrüder Daum für 12.000 bis 15.000 Euro, bevor einzelne Gegenstände des Art déco, wie zwei Louis Majorelle zugeschriebene Stühle, für 5000 bis 5500 Euro taxiert, chronologisch im Kunstgewerbe den Abschluss bilden.

Vorschau: Auktionen mit Alter Kunst und Kunstgewerbe bei Lempertz in Köln
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Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Lempertz, Lempertz

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