Von Tilo Richter

Augusto Giacomettis Gemälde „Bergdorf“ von 1913, 63 mal 92,5 cm, für 1,15 Millionen Franken (Taxe 600.000/800.000 Franken)
09. Juli 2009 Die Spezialauktion im Zürcher Haus zur Katz stand traditionsgemäß ganz im Zeichen der Schweizer Kunst. Sotheby's versteigerte 115 Lose; die Chefin Claudia Steinfels konnte einen Gesamtzuschlag von knapp 3,5 Millionen Franken notieren, was ungefähr den Erwartungen entsprach. Im Vergleich zum Vorjahr nimmt sich die Summe bescheiden aus, im Juni 2008 wurde beinah das Vierfache umgesetzt. Die Verkaufsquote von zwei Dritteln blieb stabil: 75 Werke wurden verkauft, vierzig gingen zurück.
Zum Spitzenlos avancierte Augusto Giacomettis Gemälde Bergdorf, für das ein Schweizer Sammler 1,15 Millionen Franken bewilligte. Es zeigt das Bergeller Dorf Stampa, in dem die Künstlerdynastie der Giacomettis zu Hause war. Das im Katalog auf bis zu 800.000 Franken geschätzte Bild ist typisch für Augusto: Aus kleinen, grob aufgetragenen Farbflächen komponiert er sein Motiv, die zwischen den Flecken sichtbare graubraune Leinwand bringt lichte Kontraste ins Bild. Hinter den Erwartungen zurück blieb Cuno Amiets kraftvoll-expressive Frau im Garten von 1911.
Eine Herbstlandschaft von Paul Camenisch
Gemessen an der unteren Taxe von 700.000 Franken, war der Zuschlag bei 460.000 Franken eher zaghaft. Amiet schloss sich 1906 den deutschen Künstlern der Brücke um Kirchner, Heckel und Schmidt-Rottluff an und brillierte wie diese mit energischem Duktus und leuchtenden Farben, was das angebotene Gemälde eindrucksvoll belegt. Eine Landschaft Amiets von 1938 erreichte 100.000 Franken (Taxe 100.000/150.000) und geht wie die Frau im Garten in Schweizer Besitz.
Paul Camenisch vollendete 1925 seine großformatige Herbstlandschaft im Mendrisiotto, die zum schmalen Gemälde-Œuvre des Künstlers zählt und jetzt für 150.000 Franken (80.000/ 120.000) den Besitzer wechselte. Camenischs Motivik erinnert stark an jene von Kirchners Davoser Bildern; die Künstler pflegten über viele Jahre einen intensiven Dialog.
Ankers Großvater mit schlafender Enkelin
Ernest Biéler wurde bekannt für seine Interieurs und Figurenbilder aus Savièse, einem beschaulichen Dorf bei Sion im Wallis: Die zwischen 1920 und 1925 entstandene La Tisserande dokumentiert in dem für ihn typischen linear-dekorativen Stil das Leben der Weber. Biélers Stellung innerhalb der Schweizer Kunstgeschichte spiegelt sich im Hammerpreis von 170.000 Franken (200.000/ 300.000). Ohne Werke von Albert Anker ist eine Auktion schweizerischer Kunst nicht komplett. Sotheby's konnte drei anbieten, von denen Großvater mit schlafender Enkelin auf bis zu 150.000 Franken geschätzt war.
Über die Kohlezeichnung in atmosphärischem Licht freut sich ein Schweizer Sammler, dem die Erwerbung 180.000 Franken wert war. Auch das späte Aquarell Mädchen vor dem Neuenburgersee schaffte es mit 70.000 Franken (70.000/90.000) in die Top Ten der Auktion. Zum selben Preis gelangte eines von fünf Hodler-Werken in die Spitze der Verkäufe, nämlich der um 1888 auf kleinem Format in Öl gemalte Thuner- und Brienzersee. Der Holzfäller (200.000/300.000) ist zwar eines von Hodlers populärsten Motiven, die angebotene große Studie fand jedoch keinen Zuspruch.
Giovanni Giacometti als Ausfall
Vier Panneaus mit Tiermotiven von Alfred Heinrich Pellegrini gerieten ebenfalls zu Rückläufen: Hase, Fasan, Fuchs und Reh - einst plaziert in der Villa eines Basler Konsuls, jetzt eingeliefert aus dem Bestand der UBS-Kunstsammlung - fanden bei einer Taxe bis zu 120.000 Franken keine zahlungswilligen Kenner. Als kompletter Ausfall ist Giovanni Giacometti zu verbuchen, alle vier seiner Aquarelle (Taxen 8000 bis 40.000 Franken) gingen zurück. Auch Robert Zünds Hochformat Sommerlandschaft (150.000/200.000) von 1858 konnte nicht abgesetzt werden.
Unspektakulär und doch reizvoll war Hermann Hesses kleines Aquarell eines Schmetterlings, das ein von Hand geschriebenes Gedicht begleitete; es konnte für 2400 Franken (2000/3000) verkauft werden. Sotheby's rief in Zürich auch ein Dutzend zeitgenössische Lose auf. Luciano Castellis Blauer Akt von 1990 erreichte dabei 13.000, Niki de Saint Phalles Schützenfigur 25.000 Franken und Silvia Gertschs Acrylbild Movie von 1963 35.000 Franken.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Sotheby's
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