Toplose in Schweizer Auktionen 2007

Deine Welt sind die Berge

Von Swantje Karich

24. Februar 2008 Drei Gemälde von Ferdinand Hodler unter den teuersten Zuschlägen allein bei Christie's in Zürich küren den Schweizer aufs Neue zum Star des Jahres 2007. Doch zum spektakulärsten Ergebnis kam es im Juni bei Sotheby's: Dort erzielte sein „Blick auf den Genfersee von Saint-Prex aus“ von 1916 den Rekordzuschlag von 9,7 Millionen Franken (Taxe 4/6 Millionen Franken). Zwei Schweizer Privatbieter hatten sich am Telefon einen beharrlichen Wettbewerb geliefert und so einen vorerst uneinholbaren Hodler-Auktionsrekord aufgestellt; im November scheiterte Sotheby's dann mit Hodlers „Les dents du Midi“. Das Bild blieb mit einem geschätzten Wert auf fünf bis sieben Millionen Franken liegen.

Doch es gab im Jahr 2007 auch ernstzunehmende Konkurrenz für Ferdinand Hodler, zwar von nicht ganz unerwarteter Seite und doch auf überraschendem Wege: Picassos Gemälde „Guitare et Compotier“ von 1924, das Toplos der Juni-Auktionen bei Kornfeld in Bern war, konnte bei einer Schätzung von fünf Millionen Franken zunächst keinen Liebhaber finden. Nun taucht es jedoch in den Bilanzen auf: Im Nachverkauf fand das reduzierte, etwas sperrige Gemälde doch noch einen Sammler, der sich während der Versteigerung nicht mutig genug fühlte, später aber die fünf Millionen bewilligte.

Hodlers Landschaften

Seine Berge, sie sind des Schweizers Schönstes: Und so folgt auf Rang drei Hodlers durchdringender Blick auf den „Thunersee mit Stockhornkette im Winter“ der Jahre 1912/13. Im Dezember 2007 wurde es bei Christie's in Zürich für 3,2 Millionen Franken (Taxe 4 bis 6 Millionen Franken) zugeschlagen; am selben Tag eroberte auch Hodlers farbenfrohes Bild vom „Piz Corvatsch“ ebenfalls mit See zu Füßen von 1907 mit 2,9 Millionen Franken (1,8 bis 2,5 Millionen) den fünften Rang. Knapp blieb das Ergebnis unter dem im März versteigerten „Brienzersee von Breitlauenen aus“ von 1906. Stolze drei Millionen Franken erreichte das Gemälde (Rang 4).

Der zweite Liebling auf dem Schweizer Auktionsmarkt ist Giovanni Giacometti: Gleich viermal schafft er es unter die Top Ten 2007. Das teuerste unter seinen Werken huldigt auch der Gebirgswelt. Seine „Nächtliche Winterlandschaft“ mit dem im Mondlicht erstrahlenden Piz da la Margna von 1913 verbuchte 2,8 Millionen Franken (Rang 6; 1,2/1,8 Millionen). Giacomettis moderne, profane Maria Lactans belegt Rang sieben. „Die Mutter“ von 1911 galt bisher als verschollen. Für die Auktion im Dezember konnte Christie's das Kunstwerk in einer Schweizer Privatsammlung aufspüren. Es wird in der Schweiz bleiben: Ein Privatsammler zahlte für das Gemälde 2,7 Millionen Franken und verdoppelte damit die Schätzung.

Ein Russe unter Schweizern

Der wohl beliebteste Russe auf dem Auktionsmarkt ist auch in der Schweiz allzeit präsent: Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski schaffte es bei Koller in Zürich mit seinem zwei Meter breiten Gemälde „Napoli mit einem Dichter zwischen zwei Fischern“ von 1845 in die zehn teuersten Zuschläge. Mit 2,6 Millionen Euro teilt es sich Rang acht mit Alberto Giacometti, dem berühmten Sohn des Malers Giovanni. Für sein Ölporträt des Bankiers und Bildhauerkollegen Pierre Josse, das 1961 auf dem Höhepunkt seiner malerischen Arbeit entstand, bot ein Schweizer Privatsammler 2,6 Millionen Franken (1,8/2,8 Millionen). Damit liegt er noch vor Giovanni Giacomettis „Winterlandschaft bei Maloja“ von 1917/18, für die bei Christie's im März ein Telefonbieter 2,1 Millionen Franken (900.000/1,5 Millionen) offerierte - Rang 9.

Teilen muss sich der jedoch den Platz mit Alberto Giacomettis in Gips gearbeiteter Skulptur „Homme et Femme“ oder „Le Couple couché“ von 1927 aus der kubistisch-surrealistischen Übergangszeit. Das Auktionshaus Kornfeld in Bern hatte sie im Juni 2007 auf nur 400.000 Franken geschätzt. 1959 kaufte sie die Galerie Klipstein und Kornfeld für damals 3000 Franken an, um sie ein Jahr später an diese Schweizer Privatsammlung weiterzuvermitteln. Den erfolgreichen Abschluss bestückt wieder altbekannt Giovanni Giacometti mit der Darstellung seines einsamen Berghofs „Brugnetta“ für zwei Millionen Franken. Es war das Spitzenlos bei der Auktion „Swiss Art“ bei Sotheby's im November.

Nach diesen Ergebnissen ist es keine Überraschung, wenn die Auktionshäuser Rekordumsätze für das Jahr verkünden. Koller steigerte seinen Umsatz um 45 Prozent und erzielte mit 110 Millionen Franken das beste Ergebnis in der Firmengeschichte. Kornfeld in Bern spricht von Umsätzen von mehr als dreißig Millionen Franken ohne Einrechnung des Aufgelds. Zum „best year ever“ erklärt Christie's das Jahr mit einem Umsatz allein mit „Swiss Art“ von mehr als 43 Millionen Franken, Sotheby's verbucht in dieser Kategorie rund 41 Millionen Franken.



Text: F.A.Z., 16.02.2008, Nr. 40 / Seite 44
Bildmaterial: Christie's, Sotheby's

 
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