Von Camilla Blechen, Berlin
25. Juni 2008 Ein spannendes Bietgefecht löste während der Frühjahrsauktion bei Leo Spik in Berlin Carlo Bugattis um 1900 entstandener monströser Armlehnstuhl aus. Phantasievoll mit allerlei orientalisierenden Extras ausgestattet, wurde die Schöpfung des Mailänder Ebenisten, um 1895, bei 23.000 Euro (Taxe 2800) vom Handel übernommen. Beim Ausruf der Offerte mit Alten Meistern erlaubte ein großformatiges Gemälde von Kains Mordanschlag auf Abel, anonym "bolognesisch" annonciert, stilistische Rückschlüsse auf den 1609 in Rom gestorbenen Maler Annibale Carracci. Diese Ähnlichkeit bewog wohl amerikanischen Handel zur Investition von stolzen 49.000 Euro (9000).
Ein Adler im Kranze
Eine stimmungsvolle Ansicht der Tempel von Paestum, die dem Schweizer Aquarellisten Louis Ducros während seines langjährigen Italien-Aufenthalts gelang, stieg von 2500 bis auf 12.500 Euro. Ein Bieter aus Westdeutschland übernahm bei 28.000 Euro (30.000) den der Königin Luise gewidmeten Blütenkranz mit Adler aus dem Jahr 1832 vom Berliner Porzellanmalers Ernst Sager. Die Stiftung Wörlitzer Gartenreich bewilligte 12.000 Euro (15.000) für Georg Höhns Gemälde, das einen Blick auf den idyllischen Schlosspark zeigt.
Die "Märkische Sommerlandschaft" des Sezessionisten Theo von Brockhusen aus dem Jahr 1917 war einem Berliner Sammler die Investition von 14.000 Euro wert. Ebenfalls von Privat erworben wurde für 64.000 Euro (25.000) Georg Kolbes Bronze "Junges Menschenpaar" des Jahres 1919. Christian Daniel Rauchs Statuette nach dem Kant-Denkmal in Königsberg kletterte von 2000 auf starke 6000 Euro. Rückgänge erlitten aber ein Mädchenakt Lovis Corinths, die goldene Geschenkdose des Zaren Nikolaus II. und Emil Lettrés dem Bauhaus verpflichtetes Ensemble formschöner Silberkannen.

Für Ernst Sagers "Dichter Kranz" fiel der Hammer bei 28.000 Euro (Taxe 30.000 Euro).
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Leo Spik
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