Halbjahresbilanz

Der Markt bleibt stark

Den höchsten Umsatz mit moderner Kunst: Die Halbjahresbilanz von Christie's - Sotheby's stellt das teuerste Los

Von Lisa Zeitz

06. August 2008 Die beiden führenden Auktionshäuser haben sich in der ersten Jahreshälfte 2008 wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Christie's hat die Nase um ein paar Millionen Dollar weiter vorn. Bei Sotheby's freut man sich über eine dreizehnprozentige Steigerung des Auktionsumsatzes im ersten Halbjahr auf insgesamt drei Milliarden Dollar.

Auf 3,15 Milliarden Dollar Auktionsumsatz kommt Christie's (ohne die Verkäufe in privaten Transaktionen), jedoch hat Christie's die Londoner Auktionen zeitgenössischer Kunst schon im Juni abgehalten, während die vergleichbare Veranstaltung bei Sotheby's erst Anfang Juli stattfand und diese sich dadurch erst in der Bilanz der zweiten Jahreshälfte widerspiegelt. Rechnet man die Sotheby's- Abendauktion mit zeitgenössischer Kunst in London - mit umgerechnet rund 190 Millionen Dollar - zu dem Ergebnis des ersten Halbjahrs hinzu, dann kommt man auf 3,14 Milliarden Dollar, womit das Resultat den 3,15 Milliarden bei Christie's noch näher kommt.

Ein Umsatzanstieg von zehn Prozent

Sotheby's wird seine Bilanzen en détail erst im Lauf des Augusts veröffentlichen; für Christie's liegen sie schon vor: Insgesamt 3,5 Milliarden Dollar Umsatz hat das Unternehmen weltweit mit Auktionen und Privatverkäufen im ersten Halbjahr 2008 gemacht, was einem Anstieg von zehn Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr entspricht. Die Erfolge können sich sehen lassen. Mit den Auktionen von Impressionismus und Moderne in London erzielte Christie's das höchste Auktionsergebnis aller Zeiten in Europa: 144 Millionen Pfund - das sind 284 Millionen Dollar oder 182 Millionen Euro. Weltweit erlangte Christie's in den Kategorien Impressionismus und Moderne, Nachkriegs- und Gegenwartskunst, Juwelen und Uhren sowie in den Abteilungen mit asiatischer, indischer und arabischer Kunst Rekordergebnisse.

Vier der Top Five auf der Liste der teuersten Kunstwerke gehen auf das Konto von Christie's, auch wenn Sotheby's die Tradition aufrechterhält, das teuerste Stück für sich zu verbuchen: An der Spitze steht Francis Bacons monumentales Triptychon aus dem Jahr 1976, das bei Sotheby's in New York im Mai - inklusive Aufgeld - atemberaubende 86 Millionen Dollar kostete. Nicht viel billiger war "Le bassin aux nymphéas" von Claude Monet aus dem Jahr 1919, das im Juni bei Christie's in London für umgerechnet achtzig Millionen Dollar versteigert wurde. Das drittteuerste Kunstwerk der ersten Jahreshälfte war mit 23,5 Millionen Pfund, das sind umgerecht rund 47 Millionen Dollar, wiederum ein Triptychon von Bacon, diesmal bei Christie's in London. In New York wurden die Nummern vier und fünf auf der Liste der teuersten Werke verkauft, ein Gemälde Mark Rothkos von 1952 für fünfzig Millionen Dollar und Claude Monets frühe Ansicht von Argenteuil mit Eisenbahnbrücke für 41 Millionen Dollar.

Asien holt auf

Christie's verkaufte 457 Kunstwerke für mehr als eine Million Dollar (inklusive Aufgeld), das sind 27 mehr als im ersten Halbjahr 2007. Nach Kategorien führt die Abteilung Impressionismus und Moderne mit 974 Millionen Dollar, gefolgt von 800 Millionen Dollar in der Abteilung "Post-War and Contemporary". Danach kommen stolze 469 Millionen Dollar Umsatz mit asiatischer Kunst, 275 Millionen mit Juwelen und Armbanduhren, 139 Millionen mit europäischen Möbeln und 101 Millionen Dollar mit Alten Meistern. Geographisch verteilt sich der Umsatz bei Christie's mit 1,6 Milliarden Dollar in Europa (das sind sechs Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2007), mit 1,2 Milliarden Dollar in den Vereinigten Staaten (ein Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2007) und mit 351 Millionen Dollar in Asien (beachtliche 81 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2007).

Besonders erfolgreich war Christie's auch in Frankreich, wo in diesem Jahr zwischen Januar und Juni 28 neue Künstlerrekorde notiert wurden und dreizehn Kunstwerke für mehr als eine Million Euro den Besitzer wechselten. Louise Bourgeois' bronzene Spinne aus dem Jahr 2003 erreichte in Paris 2,9 Millionen Euro (4,5 Millionen Dollar) und damit einen Weltrekord für das Werk einer lebenden Künstlerin. Den Höchstpreis für das Werk einer Künstlerin überhaupt markierte im Juni bei Christie's in London Natalia Gontscharowas Gemälde "Les Fleurs", das auf 5,5 Millionen Pfund (10,9 Millionen Dollar) kletterte und damit zugleich Zeugnis für das wachsende Interesse an russischer Kunst ablegte.

Ein begehrter Buddha

Zu den bemerkenswerten Höchstpreisen, die Christie's in New York einspielen konnte, gehören nicht nur Lucian Freund und Claude Monet, sondern auch ein Chippendale-Teetisch für 5,4 Millionen Dollar, der japanische "Dainichi Nyorai Buddha" für 14,4 Millionen Dollar und eine Stradivari-Geige, die einem Online-Gebot für 1,2 Millionen Dollar zugeschlagen wurde. Außerdem erzielte Rufino Tamayos Gemälde "Trovador" hier mit 7,2 Millionen Dollar einen Rekord für die Kunst aus Lateinamerika. (Die Einlieferung des "Trovador" aus dem Maier Museum des Randolph College in Virginia geschah übrigens unter lautem Protest: Schon einmal im November 2007 hatte das Werk den Katalog geziert, wurde aber damals zunächst zurückgezogen.)

Mit zuversichtlichem Blick in die Zukunft kommentiert Edward Dolman, der Direktor von Christie's International, die Halbjahresbilanz seines Hauses: "Sammler aus aller Welt sind weiter aktiv und souverän, trotz unsicherer wirtschaftlicher Verhältnisse in manchen Regionen. Unser Netzwerk hat dem internationalen Kunstmarkt eine wachsende Zahl von Käufern aus Wachstumsmärkten wie Russland und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), dem nahen Osten, Indien und China zugeführt."

Text: F.A.Z.

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