Impressionismus und Moderne

Appetit auf Klasse

Von Lisa Zeitz

Rekord für André Derain: „Barques au port de Collioure“, um 1905, 60 mal 73 Zentimeter groß, erzielte bei Sotheby's 12,5 Millionen Dollar (Taxe 6/8 Millionen).

Rekord für André Derain: „Barques au port de Collioure“, um 1905, 60 mal 73 Zentimeter groß, erzielte bei Sotheby's 12,5 Millionen Dollar (Taxe 6/8 Millionen).

08. November 2009 Die Abendauktion mit Impressionismus und Moderne bei Christie's lief, ganz entsprechend dem schwächelnden Angebot, äußerst lau. Von vierzig Losen wurden bloß 28 verkauft, die nur 65 Millionen Dollar generierten und so unterhalb der unteren Gesamttaxe blieben. Ungleich viel besser präsentierte sich am nächsten Abend Sotheby's. Hier fanden 56 von 66 Losen Abnehmer, und das Resultat von 181 Millionen Dollar lag sogar weit über den Erwartungen.

Nach Auskunft des Hauses ist zum ersten Mal seit Mai 2006 die obere Gesamttaxe übertroffen worden; damit sei bewiesen, „dass ein enormer Appetit auf Kunstwerke von hoher Qualität“ bestehe. Spitzenlos der Woche wurde bei Sotheby's Giacomettis „L'homme qui chavire“, ein patinierter Bronzeguss aus dem Jahr 1951. Der einundachtzigjährige Verleger S.I. Newhouse, Milliardär und Eigentümer des angeknacksten Zeitschriftenimperiums Conde Nast, hatte die Plastik bei Sotheby's eingeliefert, und nun ließ die knapp sechzig Zentimeter hohe, schlitternde Figur die Taxe von neun bis zwölf Millionen weit hinter sich und schwang sich bis auf 17,2 Millionen Dollar, brutto 19,3 Millionen Dollar.

Ein Auktionsrekord für Kees van Dongen

Einen Auktionsrekord konnte André Derains bunte Hafenansicht „Barques au port de Collioure“ verbuchen, die bei Christie's in New York 1993 rund 2,6 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) kostete. Sotheby's setzte sie jetzt bei sechs bis acht Millionen an, doch das Bietgefecht endete erst bei 12,5 Millionen Dollar. Guy Bennett, bis vor kurzem Direktor der Abteilung Impressionismus und Moderne bei Christie's und nun selbständig im Kunsthandel, wurde im Saal als Käufer entdeckt. Besonders erfolgreich war Kees van Dongens betörender „Jeune Arabe“ von 1910: 12,25 Millionen Dollar (7/10 Millionen) sind neuer Auktionsrekord für den Künstler. Das von einer Afrikareise inspirierte Gemälde zeigt einen jungen, herausfordernd blickenden Mann mit nacktem Oberkörper.

Der holländische Financier Louis Reijtenbagh hatte das lebensgroße Bild zusammen mit 38 weiteren Werken eingereicht, darunter Noldes „Üppiger Garten“ von 1945, der 2,3 Millionen Dollar (2/3 Millionen) brachte, und Degas' Pferdebild „Avant la course“, das vor fünf Jahren am selben Ort einen Hammerpreis von 3,9 Millionen Dollar erzielte; jetzt wurden es 4,1 Millionen (4/6 Millionen). Modiglianis unvollendete „La Fantesca“ (3,5/5 Millionen) dagegen ging zurück. Gefragt war Kandinsky: Sein rund hundert mal 125 Zentimeter messendes „Krass und Mild“ von 1932 aus dem Nachlass des amerikanischen Psychiaters und Philanthropen Arthur Sackler ging für 9,4Millionen Dollar (6/8 Millionen) wohl an eine russische Adresse.

Tänzerinnen von Degas

Bei Christie's hatten hübsche impressionistische Werke mehr Glück als schwierige abstrakte Bildnisse. Während Monets sonnenbetupfte Uferlandschaft „Vétheuil, effet de soleil“ von 1901 solide 4,8 Millionen (5/7 Millionen) einbrachte, blieb Picassos senfgelbgrüne „Tête de femme“ von 1943 auf der Strecke: Dabei sollte das abstrakte Porträt, wahrscheinlich Dora Maar, auf blutrotem Grund mit sieben bis zehn Millionen Dollar das teuerste Los des Abends werden. Es blieb nicht allein: Werke von Max Ernst, Matisse und Miró wurden zu Rückgängen, besonders schmerzhaft auch Mondrians „Composition II, with Red“ von 1926 (4,5/6,5 Millionen).

Als teuerstes Los behauptete sich dann Degas' zartes Pastell „Danseuses“ von 1896, das zwei jugendliche Ballerinas bei einer Tanzpause darstellt; es wurde einem anonymen Bieter für 9,5 Millionen Dollar (7/9 Millionen) zugeschlagen. Einen weiteren stolzen Preis spielte Rodins 86 Zentimeter hohe Bronze eines leidenschaftlichen Liebespaars aus einer New Yorker Privatsammlung ein. „Le Baiser“ konnte seine Schätzung verdreifachen und ging für 5,6 Millionen Dollar an den Händler Chris Eykyn, wie Insider im Saal bemerkten. Schon vor der Auktion hatte Camille Pissarros „Le Quai Malaquais et l'Institut“ von 1903 Aufsehen erregt.

Das Gemälde war erst kürzlich wiedergefunden und an die rechtmäßige Erbin Gisela Berman Fischer, eine Enkelin des Verlagsgründers, restituiert worden. Gemeinsam mit ihrem Neffen lieferte sie das Gemälde jetzt ein; bei einer Taxe von 1,5 bis zwei Millionen schlug der Hammer schon bei 1,85 Millionen Dollar aufs Pult. Gisela Fischers Anwalt Gunnar Schnabel erklärte nach der Auktion, das Bild sei an einen englischen Kunsthändler gegangen; das Ergebnis sei enttäuschend.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, Christie's, Sotheby's

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