Von Brita Sachs, München
22. Mai 2008 Kaiser Karl V. beeindruckte dieses Buch so sehr, dass er den Verfasser Petrus Apianus zum Hofmathematiker ernannte und ihn mitsamt seinen drei Brüdern adelte. Im "Astronomicum Caesareum" beschrieb der Wissenschaftler unter anderem den Halleyschen Kometen und veröffentlichte als Erster die Beobachtung, dass die Schweife der Kometen stets von der Sonne abgewandt sind. Spektakulär ist die schöne Verpackung des neuen Wissens in einem Band, der im Mai 1540 zu "Ingoldstadt" gedruckt wurde und als Titelholzschnitt einen feisten, auf seiner zwölfköpfigen Brut hockenden Drachen erhielt. Bewegliche Scheiben und Seidenfäden zur Darstellung der Planetentätigkeit sowie Anfangslettern in Gestalt gelehrter Himmelsgucker statten das Exemplar aus, das Karl & Faber in seltener Vollständigkeit in der Frühjahrsauktion anbieten kann.
Mit einer Schätzung von 45.000 bis 50.000 Euro läutet das kapitale Los am 28. Mai den Aufruf der Alten Kunstwerke ein, am 29. Mai folgt die Moderne. Stempel und Tilgungsstempel des Berliner Kupferstichkabinetts stehen zwischen weiteren Eignermarken verso auf dem Dürerblatt "Christus am Kreuz", das für seine Druckqualität und Zustand hochgelobt wird (Taxe 18.000/20.000 Euro). Zuverlässig bleibt in diesem Haus Kunst auf Papier der Trumpf: Michael Lucas Willmann, Schlesiens fähigster Barockmaler, schuf für den Hochaltar der Stiftskirche in Leubus eine "Himmelfahrt Mariä". Er übertrug das Werk in eine Radierung, die sich vorteilhaft an Rembrandt schulte und 10.000 bis 12.000 Euro anstrebt. Pierre Prud'hon hielt es nach einem Italien-Aufenthalt mit Correggio, der auch die Kreidezeichnung eines seitlich schwebenden und schwere Draperien tragenden Genius in Rückenansicht inspirierte (12.000/14.000).
Flußansicht von Pissarro
Weitere französische Akzente erhält die von deutscher Kunst dominierte Offerte zum 19. Jahrhundert mit Pissarros luftiger Pinselskizze des Marneufers bei Chennevières (18.000/ 20.000) oder mit Rodins in knapper Aquarellfläche genial verkürztem Rückenakt einer Knienden (10.000/ 12.000). Den Matadoren süddeutscher Schulen reicht preußische Fertigkeit das Wasser mit Menzels Zeichnung einer die Hände faltenden Frau (15.000/17.000) und Lesser Urys "Gehöft mit Brunnen", das Lichtinseln in Schattenseen setzt (38.000/45.000). Das Aufgebot der Moderne sonnt sich ebenfalls in qualitätvollen Beispielen der graphischen Künste. Von Hans Bellmer gibt es eine frühe "Etude de femme" in kräuseligen Strukturen, die 14.000 bis 16.000 Euro anstrebt. Deftig wirken daneben Halbakte von Otto Dix aus den frühen dreißiger Jahren (10.000). Den Segen des Zentrums Paul Klee erhielt ein Frühwerk des Künstlers von 1901 mit der symbolistisch angehauchten Darstellung zweier liegender Akte in Mischtechnik (30.000/40.000).
Nur etwa dreißig Exemplare ließ Munch von seiner großen roten Lithographie "Zwei Menschen" drucken (50.000/60.000). Ungefähr die Hälfte soll Noldes 1921 in Granada aquarelliertes "Spanisches Mädchen" mit Mantilla kosten. Hans Purrmann malte bei Fano noch leere Badestrände (40.000/45.000), und Antonio Corpora nimmt das "Mare ai Faraglioni" vor Capri zum Anhaltsort für eine Farbkomposition aus Wasser- und Sonnentönen in Öl (25.000/30.000). Hauptlos ist Pechsteins attraktives Porträt seiner Frau Charlotte (80.000/ 100.000) Zum ersten Fluxus-Festival in Düsseldorfs Kunstakademie 1962 trug Beuys mit einer "Sibirischen Symphonie" bei; an sie erinnert eine gleichnamige Zeichnung klangerzeugender Objekte, taxiert auf 9000 bis 10.000 Euro. Sein Schüler Blinky Palermo schuf eine Suite von vier Blatt Serigraphien in Schwarz und Rot auf Packpapier, die mindestens das Doppelte beansprucht. Baselitz setzte 1975 auf ein Buchhaltungsblatt zum ordentlichen "Haben"-Aufdruck für Erbsenzähler ein wildes "Waldstück" in Herbstfarben (20.000/25.000).
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Karl & Faber