Von Brita Sachs, München
Es graut und stürmt: Max Slevogts Gemälde „Blick auf die Villa in Godramstein” von 1909 spielte 35.000 Euro ein (Taxe 30.000 Euro).Wie angegossen passt der neue Auktionstisch in das elegant-funktionale Ambiente ehemaliger Räume einer Luxuszeitschrift, in die vor ein paar Wochen Münchens neues Versteigerungshaus Art & Auktionen Scheublein einzog. Als Michael Scheublein sich jetzt daran niederließ, um erstmals in der eigenen Firma den Hammer zu schwingen, assistierten am Telefonpult am anderen Ende des Saals seine Frau und Geschäftspartnerin Martina Neumeister-Scheublein und die eigens angereisten Kinder.
Die Premiere mit Kunst und Kunsthandwerk nahm einen respektablen Verlauf vor allem beim Kernstück des Angebots, rund hundert Nummern Gemälde des 19. Jahrhunderts. Etwa ein Viertel davon stammte aus der ehemaligen Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt, oder aus späterem Besitz von Angehörigen des Sammlers und verkaufte sich dessen Renommee entsprechend gut. So brachte Heinrich Bürkels "Gebirgsdorf mit Brunnen" 26.000 Euro (Taxe 20.000) - geboten, wie die meisten Zuschläge, von privater Seite.
Von Wilhelm Leibl war das Bildnis eines würdigen geheimen Kommerzienrats Gustav Michels zu haben; für 16.000 Euro (9000) trat es den Weg nach Köln an. Und Max Slevogt malte 1909 bei Novembernebel einen Blick auf die Villa in Godramstein, der bei 35.000 Euro (30.000) den Eigentümer wechselte. Andere Provenienz wies das Toplos auf, das 1927 Alexander Iacovleff signierte und das einen Maler mit Staffelei über einer sanft hügeligen Bucht bei Cassis zeigt: Der 1938 in Paris gestorbene gebürtige Petersburger erzielt hohe Preise auf dem russischen Markt.
Erst im April brachte ein großes Gemälde mit kirgisischem Thema in New York mehr als 700.000 Dollar; aber auch die französische Landschaft gefällt in Russland: 90.000 Euro wurden von dort für das Gemälde bewilligt, das nur auf 5000 Euro geschätzt war. "Nixen angeln" liegt wohl zu abseits von beliebten Spitzweg-Themen, jedenfalls fiel dies Hauptlos durch. Beim Kunsthandwerk fand ein Reisemundwerk des 18. Jahrhunderts Gefallen, das, mit Augsburger Silber und Meißener Porzellan bestückt, für 22.000 Euro, leicht unter der Taxe, in Münchner Privatbesitz ging.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Art & Auktionen Scheublein