Bücher und Autographen

Champagner für Goethe und Marilyn

Von Camilla Blechen, Berlin

06. April 2008 Wieder einmal bilden Handschriften bedeutender Persönlichkeiten den spannendsten Teil der Frühjahrsauktion bei Bassenge in Berlin vom 10. bis 12. April. Gleich zweimal geht es hier um den Schaumweingenuss: Am 3. April 1803 orderte Johann Wolfgang von Goethe „zwey Bouteillen Champagner“ bei einem Erfurter Spirituosenhändler. Vom Weimarer Olympier unterzeichnet, soll die knapp formulierte Bestellung 2500 Euro erzielen. Am 17. Februar 1962 bedankt sich der amerikanische Filmstar Marilyn Monroe maschinenschriftlich für eine Champagnersendung des deutschen Generalkonsuls in Los Angeles mit den Worten: „It arrived, I drank it, and I was gayer“. Mit eigenhändiger Unterschrift der wenig später verstorbenen Schauspielerin dürfte der Brief ein Mitglied der Fangemeinde zur Anlage von 1500 Euro motivieren.

Als Glücksfall für die Wilhelm-Raabe-Forschung zu bezeichnen ist die Offerte von 25 inhaltsreichen Briefen des Autors der „Sperlingsgasse“ (Taxe 15.000 Euro). Ein 180 Seiten umfassendes Konvolut von Handschreiben aus dem Nachlass des preußischen Feldherrn Helmuth Graf von Moltke ist auf 20.000 Euro geschätzt. Zur Taxe von 2200 Euro angeboten wird ein Brief von Johann Friedrich Böttcher, Erfinder des Meissner Porzellans, an seinen Dienstherrn August den Starken. Dessen Geliebter, der Gräfin Königsmarck, gilt eine mit originalen Schriftstücken ihres erlauchten Umkreises „getrüffelte“ Monographie, 1836 bei Brockhaus in Leipzig erschienen (1500). Liebende Verehrung für seine Lebensgefährtin Erna Schilling - „meine Venus, meine Wahlgöttin und mein Spiegel“ - spricht aus einem 1930 formulierten Brief des expressionistischen Malers Ernst Ludwig Kirchner, der 1800 Euro einspielen soll.

Eine Rarität von Adam Smith

Auf 28.000 Euro geschätzt, rangiert die 1776 in London erschienene Erstausgabe des Hauptwerkes von Adam Smith (“An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“) preislich an oberster Stelle der Buchauktion. Als herausragende Offerte empfiehlt sich auch die 1620 in Leipzig edierte einzige deutsche Ausgabe von Agostino Ramellis „Schatzkammer mechanischer Künste“ mit Abbildungen von Wasserhebewerken, Fördermaschinen, Brücken, Automaten und eines „Bücherrades“, das dem Benutzer mit Windeseile den gewünschten Titel vor Augen zu führen vermochte (7500). Als Spitzenobjekt erscheint bei den „Alten Drucken“ eine der ersten kommentierten Bibel-Ausgaben nach Gutenberg (Adolph Rusch für Anton Koberger). Das wertvolle Zeugnis der Inkunabelzeit, 1481 in Straßburg erschienen, kostet 5000 Euro.

Im Rahmen der Versteigerung illustrierter moderner Literatur liegt das Schwergewicht auf den Editionen der Luxuspressen. Den Spitzenpreis von 4000 Euro sollen die auf Anregung des Grafen Kessler für dessen Weimarer Cranach-Presse von Aristide Maillol mit Holzschnitten versehene Eklogen des Vergil erzielen. Auf 3000 Euro taxiert, erscheint „Das Buch Esther“ mit dem Buchschmuck von Friedrich Wilhelm Kleukens (Ernst-Ludwig-Presse, 1908). Willy Jaeckel schuf Lithographien zu Walt Whitmans „Grashalmen“, die der Berliner Verleger Erich Reiss 1920 in seinen „Prospero-Drucken“ herausbrachte (1500). 1988 in der Stuttgarter „Manus-Presse“ erschienen, kosten Franz Kafkas Tagebücher mit Steindrucken des spanischen Malers Antonio Saura 800 Euro.



Text: F.A.Z., 29.03.2008, Nr. 74 / Seite 43
Bildmaterial: Bassenge

 
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