Kunst und Kunstgewerbe

Fein zeichnet ein Unbekannter den Kriegshauptmann

Von Catrin Lorch

12. November 2007 Ein Sommerabend von der Grotte aus gesehen: „Les Baigneuses“ (Die Badenden) ist ein mit Fels gerahmtes Seestück von Claude-Joseph Vernet: Mit einer Schätzung von 500.000 bis 600.000 Euro ist es ein Spitzenlos der Auktionen mit Alter Kunst und Kunstgewerbe bei Lempertz in Köln vom 15. bis zum 17. November. Das Gemälde führt die hohe Anzahl besonders schöner Landschaften im Angebot an: die „Panoramalandschaft mit Schlossanlage und Staffagefiguren“ von Lucas van Uden und David Teniers mit dem Sammlermonogramm des Zaren Paul I. (Taxe 100.000/120.000 Euro); die Paul Bril und Pier Paolo Bonzi zugeschriebene „Waldlandschaft mit Faunen“ (80.000/ 90.000), die als zweite Fassung eines auf 1620 datierten Gemäldes gilt; oder eine große „Flussansicht mit Booten, einem Anleger und Figuren“ des Andries van Eertvelt aus den dreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts (35.000/40.000).

Mit 100.000 bis 120.000 Euro beziffert ist die schön kolorierte „Waldlandschaft mit Bauern“ vom Antwerpener Adriaen van Stalbemt. Die „Weite Landschaft mit Blick auf den Volturno“, im Jahr 1800 von Jacob Philipp Hackert gemalt, wurde aus einer israelischen Privatsammlung eingeliefert und mit 50.000 bis 60.000 Euro bewertet und mit 60.000 bis 80.000 Euro eine „Landschaft mit Brunnen“, frühes Werk des Jacob van Ruisdael.

Allegorie der Elemente

Die „Allegorie der vier Elemente“ des Antwerpeners Abraham Janssens ist Replik einer größeren Version von 1608 (60.000/70.000); aus süddeutschem Adelsbesitz wurde Michele Tosinis „Madonna mit Christus und Johannes“ eingeliefert, wohl aus dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts: Die schöne Dreiergruppe ist auf 120.000 bis 140.000 Euro geschätzt. Das „Martyrium der Heiligen Katharina“ hat ein oberrheinischer Meister um 1460 in leuchtendem Rot und Gold inszeniert (50.000/60.000). Zehn Jahre früher malte ein mittelrheinischer Meister seine „Muttergottes mit Kind“ (15.000/17.000), und die florentinische anmutige „Madonna mit Kind“ des Giusto di Andrea in Tempera auf Holz stammt aus den sechziger Jahren des 15. Jahrhunderts (100.000/120.000). Die „Madonna mit dem Kind und vier Engeln“ des Florentiners Giovanni die Francesco Toscani, um 1420/25 tritt auf für 120.000 bis 140.000 Euro.

Erstes Los bei den Skulpturen ist ein mittelalterlicher bronzener „Gießlöwe“, datiert auf das 14. Jahrhundert (100.000/ 120.000). Unter den Zeichnungen ist das „Bildnis des Kriegshauptmanns Johann Habvast Ehinger“, von einem unbekannten Nürnberger Meister in Kohle und Tusche auf Papier festgehalten, ein selten schöner Fund, der seit 1506 im Besitz der Familie Holzschuher war (50.000/ 60.000). Von Menzel stammen zwei Blätter, eines davon das „Brustbild eines Mannes in Renaissancetracht“ (55.000/60.000). „Der Nieuwmarkt im winterlichen Amsterdam“ des Niederländers George Henrik Breitner verbindet Pferdekutschen, düstere Hausfronten und Nebelschwaden zur städtischen Impression (80.000/100.000).

Herrschaftlicher Prunk aus Russland und Frankreich

Höhepunkt beim Kunstgewerbe könnte ein zaristischer Prunktisch werden, der eventuell aus dem Winterpalast in St. Petersburg stammt; der mit einer Porzellanplakette geschmückte und reich vergoldete Mahagoni-Tisch kommt wahrscheinlich aus dem Umfeld von David Roentgen (50.000/60.000). Der wohl an der spanischen Ostküste im 17. Jahrhundert gebaute „Bargueno tipo italiano“ ist ein aufklappbarer Schreibschrank mit Untergestell (50.000/70.000). Ein Paar vergoldeter, mit Tapisserie bespannter „Tabourets époque Louis XVI“ aus der Werkstatt des Pariser Hoflieferanten Jean-Baptiste Sené, der auch das Bett von Marie-Antoinette fertigte, ist auf 12.000 bis 15.000 Euro geschätzt, eine Tapisserie „époque Louis XIV“, um 1800 wohl in der Manufacture des Gobelins gewirkt, auf 20.000 bis 25.000 Euro. Die lebensgroße Tierfamilie „Mopshund und Mopshündin mit Jungem“, von Kaendler für Meißen modelliert, firmiert mit 15.000 bis 18.000 Euro, seine Figurengruppe „Die Jungfrau Maria erscheint Johannes von Palafox“ mit 23.000 bis 25.000 Euro.

Eine Rarität ist die Silberkanne, die der Goldschmied Theodor Wende um das Jahr 1928 für seinen Freund anfertigte (35 000/40 000). Endlich hält der Katalog unter seinen mehr als tausend Losen auch einen nützlichen Reisebegleiter des 18. Jahrhunderts bereit: Die Schätzung für den aus Weißblech gefertigten „Kronenthaler Währungsumrechner“ liegt bei 200 Euro.



Text: F.A.Z., 10.11.2007, Nr. 262 / Seite 47
Bildmaterial: Lempertz

 
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