Asiatika in Stuttgart

Drolliger Bär

Von Andreas Platthaus

15. Mai 2008 Im Kunsthandel gilt noch eine Trennung, die politisch höchste Brisanz besitzt: China und Tibet bezeichnen auf dem Feld der Ostasiatika zwei separate Bereiche. Das Stuttgarter Auktionshaus Nagel hat aber seine Angebote aus beiden Ländern in einem Katalog untergebracht. Am 17. Mai kommen mehr als 1300 Lose zum Ausruf, und am Tag zuvor kann man sich mit japanischer, koreanischer und südostasiatischer Kunst warmsteigern. Der Schwerpunkt liegt dort wieder auf plastischen Werken aus Metall und Holz, während für Netsuke in Deutschland immer noch kein Weg an den Kölner Traditionshäusern Lempertz und Klefisch vorbeiführt.

Kraniche haben Menschen im Blick

Aus Japan überzeugen Angebote aus der Meiji-Zeit, als das heimische Kunstgewerbe sich auf den internationalen Markt einzustellen begann und die europäische Modeströmung des Japonismus selbst kräftig befeuerte. Das dabei nah am Kitsch geformt und geschnitzt wurde, zeigt die halbmeterhohe Bronzefigur eines Samurai (Taxe 8000 Euro), der ein kleines Räuchergefäß hochreckt - eine Gestaltung, die im späten 19. Jahrhundert neu war, weil sich dekorative Wirkung zuvor nur im Dekor, nicht in der Größe artikulierte. Zugleich setzte auch eine Verfeinerung bei Lackarbeiten ein, die in der schmalen, aber exquisiten Auswahl von Inros zu bewundern ist, deren Spitzenstück in bewegter Natur Menschen und Kraniche wechselseitig sich beobachten lässt (18.000), während das originellste Stück einen Bär in drolligen Stellungen zeigt (9000).

Was in Japan Meiji für die Kunst war, stellt in China die Qianlong-Epoche des 18. Jahrhunderts dar. Nagel hat daraus zwei denkbar unterschiedliche Spitzenstücke im Angebot: ein Paar in versierter Bronzetechnik gearbeitete vergoldete Elefanten, die je eine emaillierte Vase tragen, reine Liebhaberstücke mit Kaiserhof-Provenienz (60.000/100.000), und eine kleine vergoldete Bronze-Skulptur von 1778, die für die Epoche in ungewohnter Schlichtheit den 2. Dschangdscha Hutuku (kaiserlichen Lehrer) darstellt (100.000/150.000).



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Nagel

 
Diese beiden vergoldeten Elefanten aus Bronze sollen 60.000 Euro einspielen. ... Zwischen 1940 und 1960 entstand wohl diese feine Elfenbeinschnitzerei. Das si... Das Paar chinesischer Stühle aus dem 16. oder 17. Jahrhundert ist auf 40.000 ... Einen hochrangigen Mönch zeigt diese 16,8 cm hohe tibetisch-chinesische Skulp... Kraniche über Menschen: Dieses knapp 10 Zentimeter hohe Lackkunstwerk ist auf... Eine aufwendig dekorierte Platte ziert diesen chinesischen Tisch des 19. Jahr... In der Länge misst dieser Ziersattel aus Holz, Silber und Gold 54 Zentimeter.... Kraftprotz: Ein Rauchgefäß stemmt diese japanische Bronze eines Samurai (57,5... Nur 17,2 Zentimeter ist dieser Untersatz hoch. Er wurde vermutlich für den is...