Von Lisa Zeitz, New York
10. November 2007 Die New Yorker Auktionen mit Kunst des Impressionismus und der Moderne haben gemischte Ergebnisse gebracht. Sehr solide präsentierte sich der Abend bei Christie's mit 91 Losen, von denen zwölf Werke Hammerpreise im zweistelligen Millionenbereich einspielten; siebzehn blieben unverkauft. Der Umsatz von rund 395 Millionen Dollar lag innerhalb der Gesamtschätzung und stellt das zweitbeste Ergebnis überhaupt in der Geschichte der Auktionshäuser dar. Nur ein einziges Mal wurde ein noch höherer Umsatz verzeichnet: Das war vor einem Jahr bei Christie's in New York, als Klimts spektakuläre Adele-Bloch-Bauer-Werke unter den Hammer kamen.
Bei Sotheby's am folgenden Abend lief es weniger gut: Mit 270 Millionen Dollar lag hier das Ergebnis weit unterhalb der unteren Gesamttaxe von 355 Millionen. Woran lag es? Ob schwächelnde Weltwirtschaftsdaten infolge der amerikanischen Kreditmisere sich direkt auf diese enttäuschende Abendauktion ausgewirkt haben, ist fraglich. Tatsächlich mangelte es vielen Losen im Angebot an der nötigen Marktfrische, und in vielen Fällen waren die Schätzungen extrem hoch gegriffen. So blieben volle zwanzig der 76 Lose unverkauft, viele von ihnen mit besonders hohen Taxen.
Doch auch bei Sotheby's gab es neue Rekorde für Künstler wie Franz Marc, Camille Corot und Max Ernst und immerhin sechs Werke, die mehr als zehn Millionen Dollar einspielten. Wie erwartet, wurde auch das teuerste Bild der Woche, Paul Gauguins Te Poipoi, wieder bei Sotheby's verkauft. Ansonsten war der Prozentsatz der asiatischen Käufer geringer als erwartet. Trotz des schwachen Dollar waren an beiden Abenden fast die Hälfte aller Käufer Amerikaner, ein Viertel Europäer und ein Viertel auf den Rest der Welt verteilt.
Fesselndes Bietgefecht um Matisse
Wegen der vielen Lose fing die Christie's-Abendauktion eine halbe Stunde früher an als üblich. Allein die zeitliche Ausdehnung hat den Unterhaltungswert der Aufführung strapaziert, aber es gab hin und wieder fesselnde Bietgefechte. Besonders umkämpft war das Spitzenlos des Abends, ein Bild aus dem Jahr 1937: Die nur sechzig Zentimeter hohe Leinwand L'Odalisque, harmonie bleue von Henri Matisse wurde von der Familie des Kunsthändlers Paul Rosenberg eingeliefert, der sie direkt von Matisse erworben hatte. Zu Beginn beteiligten sich mindestens fünf Bieter, während nach der Zwanzig-Millionen-Marke nur noch zwei Konkurrenten übrig blieben.
Der Direktor der Impressionismus-Abteilung, Guy Bennett, vertrat einen Kunden am Telefon gegen den New Yorker Kunsthändler Franck Giraud, der mit Mobiltelefon in der Mitte des Saals saß und Gebote für einen zögerlichen Millionär machte. So langsam erfolgten die Schritte von 500.000 Dollar, dass sogar dem geduldigen Auktionator Christopher Burge schließlich die Zeit reif schien für eine spaßige Bemerkung: Irgendwann werde ich dieses Bild aber verkaufen müssen. Der Hammer knallte bei dreißig Millionen Dollar zugunsten von Guy Bennetts Kunden aufs Pult. Den neuen Rekordpreis für Matisse quittierte das Publikum mit Applaus. Einen weiteren Rekord gab es für Signac. Die in warmer Abendsonne leuchtende Küstenlandschaft Cassis. Cap Canaille aus dem Jahr 1889 stammt aus dem Besitz von Paul Josefowitz, dem Verleger der Zeitschrift Apollo, und wurde zur oberen Taxe von zwölf Millionen Dollar an einen anonymen Käufer am Telefon zugeschlagen.
Picasso bewährt sich
Picasso bewährte sich wieder mit Werken aus verschiedenen Perioden: Losnummer 1, seine minimalistische Darstellung eines einzelnen gelben Apfels von 1918, ging für 700.000 Dollar (Taxe 200.000/300.000) an die New Yorkerin Thea Westreich. Die in London und New York operierende Nahmad Gallery trennte sich von Picassos Porträt seiner letzten Lebensgefährtin Jaqueline Roque als Odaliske aus dem Jahr 1955. Geschätzt auf 25 Millionen, erzielte das Werk sogar 27,5 Millionen Dollar. Zuvor hatte der New Yorker Galerist Larry Gagosian sich für fünfzehn Millionen Dollar Picassos noch späteren Mann mit Pfeife aus dem Jahr 1968 gesichert.
Das kleine, kantige Bildnis der Dora Maar von 1941 wurde von der Familie der Sammlerin Lydia Winston Malbin eingeliefert. Die Garantie wird in diesem Fall sehr profitabel für Christie's gewesen sein; denn die Taxe von 6,5 bis 8,5 Millionen Dollar wurde mit Geboten von sechs verschiedenen Parteien schnell überrundet: Der anonyme Zuschlag erfolgte erst bei 14,5 Millionen Dollar. Mit einer Garantie versehen war auch Balthus' große Komposition Le Rêve II aus dem Besitz des Bankiers Donald Marron: Doch das Werk fand kein Gebot in der Nähe der Schätzung von neun bis zwölf Millionen Dollar, so dass es in diesem Fall teuer für Christie's wird. Marron lieferte auch drei Cézanne-Aquarelle ein: das Bildnis des Gärtners Vallier überrundete knapp die untere Taxe und brachte 15,5 Millionen Dollar.
Ernüchternder Abend bei Sotheby's
Modiglianis Porträt von 1916 des russischen Bildhauers Oscar Miestchaninoff schraubte sich über die obere Taxe von 25 Millionen Dollar hinaus, bis die blonde Begleitung eines Bieters im Saal resolut den Kopf schüttelte. Das Bild, das 1995 am selben Ort (inklusive Aufgeld) 9,3525 Millionen Dollar gekostet hatte, erzielte nun telefonisch 27,5 Millionen Dollar. Unverkauft blieb August Mackes Paar im Wald, das auf sehr ambitionierte fünfzehn bis 25 Millionen Dollar geschätzt war. Beckmanns mysteriöses Frankfurter Stilleben mit Grammophon und Schwertlilien wurde bei 6,5 Millionen Dollar (7/10 Millionen) einem Vertreter der Krugier-Galerie vorn im Saal zugeschlagen.
Der nächste Abend bei Sotheby's war ernüchternd, begann jedoch sehr schwungvoll mit fünf Arbeiten auf Papier von Egon Schiele aus der Sammlung von Christian Nebehay. Der Londoner Kunsthändler Richard Nagy sicherte sich die beiden ersten Zeichnungen - einen Akt mit großem Hut (1,2/1,8 Millionen) und das hypnotische Porträt des Eduard Kosmack (1,8/2,5 Millionen) - für 1,6 und drei Millionen Dollar. Dann bemühte sich Nagy auch um Schieles Selbstporträt mit kariertem Hemd (4,5/6,5 Millionen), das aber bis auf 10,1 Millionen Dollar kletterte und im Auftrag eines europäischen Sammlers dem New Yorker Kunsthändler Phillipe Segalot zugeschlagen wurde.
Keine Hand hebt sich für Van Gogh
Kurz darauf rief der Auktionator Tobias Meyer mit seiner verführerischen Schlangenbeschwörerstimme Van Goghs Weizenfelder auf - doch im Saal hob sich keine einzige Hand. Die Schätzung für das Gemälde, vielleicht das letzte vollendete Werk von Van Gogh, lag bei 28 bis 35 Millionen Dollar, mit einer Garantie für den Einlieferer. Meyer gab seine Versuche bei 25 Millionen Dollar auf und klang ein bisschen traurig, als er passed sagen musste. Das gleiche Schicksal ereilte auch andere teure Stücke: Picassos Gemälde La lampe von 1921 (25/35 Millionen), Renoirs Enfant assis en robe bleue (9/12 Millionen), das sich einst in der Sammlung von Greta Garbo befand, und George Braques spätes Stilleben L'Echo (15/20 Millionen), von dem es jedoch hieß, es habe direkt nach der Auktion einen Abnehmer gefunden. Andere Werke wurden - teilweise weit - unterhalb ihrer Taxen zugeschlagen.
Gauguins Te Poipoi (le matin), geschätzt auf vierzig bis sechzig Millionen, fand ein einziges Gebot und wurde für 35 Millionen Dollar telefonisch nach Hongkong vermittelt: Sie geht an den chinesischen Immobilienmogul Joseph Lau, in dessen Sammlung sich auch Warhols 15,5 Millionen-Dollar-Mao befindet. Erfolgreich war auch Picassos monumentale Bronze Tête de femme (Dora Maar): Unter Geboten des Pariser Kunsthändlers David Nahmad und anderer Interessenten kletterte der Preis auf 26 Millionen Dollar, ein neuer Rekord für eine Plastik von Picasso; den Zuschlag erhielt Franck Giraud im Auftrag eines ungenannten amerikanischen Privatsammlers. Ein neuer Rekord wurde auch für Corot aufgestellt: Sein melancholisches kleines Bildnis einer Juive d'Alger (L'Italienne), um 1870 gemalt und einst in der Kollektion der prominenten amerikanischen Sammler H.O. Havemeyer, war einem telefonischen Bieter 4,2 Millionen Dollar (2,5/3,5 Millionen) wert. Auch Malerei von Max Ernst hat einen neuen Höchstpreis.
Mehr schlechte als gute Momente
Ein nicht identifizierter europäischer Sammler mit der Bieternummer L0056 ersteigerte telefonisch gleich drei deutsche Gemälde vom Anfang des 20. Jahrhunderts: Franz Marcs berühmten Wasserfall (20/30 Millionen) für achtzehn Millionen Dollar, Pechsteins Frühling für 1,15 Millionen Dollar (1/1,5 Millionen) und Feiningers Grüne Brücke (12,5/15 Millionen) für neun Millionen Dollar. Der Einlieferer des Feininger hatte das Bild im Jahr 2001 bei Christie's in London für umgerechnet rund 3,4 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) gekauft: Er hat seinen Einsatz in sechs Jahren rund verdreifacht.
Wir hatten ein paar gute Momente, aber wir hatten auch ein paar schwierige Momente, sagte ein sichtlich zerknirschter David Norman, Sotheby's-Direktor für Impressionismus und Moderne, nach der Auktion und erklärte, dass die Erwartungen der Einlieferer so hoch gewesen seien, dass aggressive Schätzungen vereinbart wurden. Fast schien er sich für die Veranstaltung entschuldigen zu wollen, indem er betonte, diese Sotheby's-Auktion habe keinen Trend angezeigt, sondern sei ein Ausrutscher gewesen.
Text: F.A.Z., 10.11.2007, Nr. 262 / Seite 47
Bildmaterial: Christie's, Sotheby's