Von Brita Sachs, München
05. Mai 2008 Otto von dem Bongart stammte aus dem Rheinland, doch polyglott wie der Adel damals war, studierte er um 1600 in Padua und Siena. Zur Erinnerung bat Bongart die Kommilitonen um Einträge in sein Freundschaftsalbum, das er noch über drei Jahrzehnte auf seinen Reisen durch Deutschland und Spanien fortführten sollte. Bongarts liber amicorum stellt ein besonders schönes Exemplar der damals gerade in Mode kommenden Alben dar, in die man nicht nur kleine Gedichte oder Sprüche einschrieb, sondern die auch mit hübschen Illustrationen in Ansehnlichkeit wetteiferten. Und weil sich die Bitte um Einträge schon bald zur Jagd auf bekannte und hochstehende Persönlichkeiten entwickelte, könnte man die hübschen Bände heute eine Mischung aus Autogrammsammlung und Poesiealbum nennen.
Bongarts Freundschaftsbuch listet jede Menge deutschen Uradels, dabei manchen regierenden Fürsten sowie diverse Erzbischöfe. Außergewöhnliche Qualität aber geben dem Ganzen erst viele zwischengebundene Gouachen mit Kostüm- und Sittenbildern aus Italien um 1600: Da wird sowohl die hochelegante Neapolitanerin in ihrer Sänfte gezeigt als auch die mühsame Blondiermethode der Venezianerinnen, die ihr Haar auf Krempen gebreitet und immer wieder angefeuchtet der Sonne aussetzten. Taxiert auf 18.000 Euro steht Otto Bongarts Buch bei Hartung & Hartung in München zum Verkauf. In der Auktion mit Büchern, Manuskripten und Autographen vom 5. bis 7. Mai wird eine Sammlung von Stammbüchern, wie die Alben wegen der zahlreichen Wappenzeichnungen auch genannt wurden, angeboten.
Konvolut von Carl Ebner von Eschenbach
Einen besonderen Schatz trug Johann Cal Ebner von Eschenbach zusammen: Er bat zwischen 1707 und 1718 in Rom Maler und Architekten, wie Carlo Maratti, Francesco Solimena, Johann M. Rottmayr, Jakob von Sandrart und Johan B. Fischer von Erlach, um Zeichnungen für sein Album (Taxe 26.000 Euro). Wie alle Alben dieses Angebots steckt auch jenes des Ephraim Wolfgang Jacobsen im zeitgenössischen Einband, der seit 1748 in Leipzig und Dresden seine Gefährten von der Militärakademie um Einträge anging. Militärisches, Jagdliches und viel Genre unterhielten den Eigentümer in lebendigen Szenen (12.000). Ein Prachtstück enthält die Handschriftenpartie mit einem lateinisch-französischen Stundenbuch, das um 1490 in Paris viele feine Miniaturen erhielt (30.000). Die Alten Drucke warten mit einem Exemplar der vollständigen Erstausgabe des Werkes auf, in welchem Hans Sachs, der Meistersinger, alle Stände auff Erden vereint; Jost Amman illustrierte das berühmte Ständebuch, das 1568 bei Feyerabend gedruckt wurde (14.000).
Die Geographie bietet bereits den vierten Teil der großen Afrika-Bibliothek, die Hartung seit einiger Zeit versteigert. Und, im Kontrastprogramm, Johan Franz von Schlichtens Vues de Mannheim, dort 1782 gedrucktes Ansichtenwerk der Residenzstadt (4000). Den letzten Auktionstag füllen die graphischen Künste; unter anderem kommen die Lagerbestände des Münchner Kunstantiquars Stephan List zum Verkauf, der sich zukünftig mit seiner Spezialsammlung von Chromolithographien befassen wird. Als Beispiel für einige Raritäten, die der Bestand noch bietet, sei der Weiler genannt, eine von nur vier bekannten Radierungen des Niederländers Adrian Hendricksz Verboom (1200).
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hartung & Hartung
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