
Solange ein Kunstwerk heute im Auktionskatalog einen hohen Schätzpreis erzielt, erheben die Herkunftsländer automatisch Anspruch darauf. Bekannte von mir besitzen Wände voll präkolumbischer Kunst, die sie einst an Ort und Stelle von einwandfreien Kunsthandlungen legitim erwarben, doch wehe, wenn sie jetzt mal ein Stück versteigern wollten, nachdem die Preise gestiegen sind.

Hat Argentinien einen moralischen Anspruch auf Prä-Kolumbus-Kunst, Ägypten auf pharaonische Kunst usw.? Es mutet seltsam an, dass die Nachfahren derer, die eine Kultur einst zerstörten sich als legitime Eigentümer von deren künstlerischen Überbleibseln sehen. Insbesondere für den Nahen Osten gilt, dass die Mehrzahl der erhaltenen antiken Kunstwerke verlorengegangen wären, wären sie nicht von Europäern außer Landes geschafft worden.