Kunst und Kunstgewerbe

Das Blut der Märtyrer

Von Thomas W. Kuhn

14. Mai 2008 Der künstlerische Tanz und das Sammeln von Glas der Manufaktur Schneider waren die ausgewiesenen Passionen Heinrich Laurenzens, dessen Kollektion Van Ham im Rahmen seiner Auktion mit Kunst und Kunstgewerbe vom 15. bis zum 17. Mai zum Aufruf bringt und mit einem eigenen Katalog bedacht hat. Laurenzen konzentrierte sich auf die Produktlinie „Le Verre Français“ von Schneider, die florale Muster des Art Nouveau ins Art déco überführte. Die Versteigerung dieser Sammlung umfasst 125 Lose mit Taxen zwischen zweihundert und 1500 Euro.

Weitere Stücke anderer bekannter Glasmanufakturen runden diese Offerte ab, so eine aufwändig reliefierte Vase der Gebrüder Daum aus der Zeit um 1910, geschätzt auf 1500 Euro, und eine Tischlampe Emile Gallés aus den zwanziger Jahren, bewertet mit 4500 Euro. Unter den Möbeln befindet sich als reizvollstes Stück ein Kleiderschrank mit feinen Rokoko-Ornamenten aus der Mitte des 18. Jahrhunderts; er soll 16.000 bis 18.000 Euro einspielen. Ebenfalls durch ihre eleganten Ornamente bestimmt ist eine kursächsische Dokumentenlade aus vergoldeter Bronze mit Schnittdekor, die um 1700 entstand (Taxe 27.000/30.000 Euro).

Skulpuren und Plastiken in feiner Auswahl

Die Auktion mit Alter Kunst wird angeführt von einer Gruppe Kleinbronzen zumeist aus dem 19. Jahrhundert: „Nessos und Deianeira“, von Arthur Jacques Le Duc in einer Höhe von 71 Zentimetern gefertigt, kommen hier bei wildem Ritt auf eine Taxe von 20.000 Euro. Zwei spätgotische Plastiken, eine heilige Katharina aus Eichenholz für geschätzte 21.000 Euro und ein nur 34 Zentimeter hoher Schmerzensmann von Hans Leinberger für geschätzte 5500 Euro, verdienen das Hauptaugenmerk. Unter den Arbeiten auf Papier wartet das Kölner Auktionshaus mit einer zweiteiligen Gouache auf Büttenpapier aus dem Jahre 1604 von Hans Rottenhammer auf, die mit Maßen von je 15 mal 106 Zentimetern 15.000 Euro fordert.

Bei den Alten Meistern fällt ein Gemälde eines süditalienischen Meisters ins Auge, das die Geschichte der heiligen Praxedis darstellt. Nach einer Legende aus dem 6. Jahrhundert sammelte sie in einem Krug das Blut christlicher Märtyrer und bestattete ihn in der Zisterne ihres Hauses. Das Gemälde im manieristischen Kolorit ist auf 12.000 Euro geschätzt. Bemerkenswert ist auch das auf 3300 Euro geschätzte Schauspieler-Porträt eines unbekannten Künstlers mit Stilmerkmalen William Hogarths und Thomas Gainsboroughs. Weitere Porträts stammen von Hyacinthe Rigaud (16.000) und Jean-Marc Nattier (25.000).

Eine Auswahl an Stillleben offenbart die Spannbreite des Themas mit einer Girlande aus Früchten, Blumen und einem gelber Schmetterling von Jacob van Walscapelle (50.000), einem Jagdstillleben von Willem van Aelst (30.000) und einem Arrangement aus Speisen mit Hummer von Gotthard von Wedig (16.000). Die knapp dreihundert Gemälde Neuer Meister werden dominiert von zahlreichen Genreszenen, aber auch Landschaftsbildern wie Gustave Courbets Studie eines Waldes, taxiert auf 24.000 Euro. Der symbolistisch gefärbte Jugendstil des Malers Ludwig von Hofmann ist auf seinem Spätwerk mit dem Titel „Sommer in Arkadien“ zu bewundern (50.000).



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Van Ham

 
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