Von Camilla Blechen, Berlin
10. Mai 2008 Überboten vom Kunsthandel, der dem Wunsch eines amerikanischen Kunden nachkam, hatte das Brücke-Museum schließlich keine Chance: Im Rahmen der Auktion mit Kunst des 20. Jahrhunderts bei Irene Lehr wurde der großformatige Farbholzschnitt Unterhaltung von drei Frauen von Ernst Ludwig Kirchner für 130.000 Euro (Taxe 100.000 Euro) zugeschlagen. Im Duell um den Handdruck aus dem Jahr 1907 hatte der Beauftragte des Sammlers - bei dem es sich um den auf deutschen Expressionismus spezialisierten Robert Rifkind handeln könnte - wohl einen höheren Spielraum. Das abgeschlagene Brücke-Museum darf sich damit trösten, das ebenfalls nur in zwei Abzügen nachweisbare Ruhende Mädchen mit Kopfschmerzen zu besitzen, mit dem sich Kirchner im Jahre 1906 auf eine vom Münchner Kupferstichkabinett bewahrte Federzeichnung Rembrandts bezog.
Mit Abstand zum zweitteuersten Objekt der Versteigerung avancierte Hermann Glöckners vor 1935 entstandene Verschränkung von Kühl und Warm auf Kupfer aus dem Tafelwerk des 1987 gestorbenen Künstlers, das bei 32.000 Euro (20.000) einem an DDR-Kunst interessierten Münchner Sammler zufiel, der sich zuvor schon bei 10.000 Euro (8000) für ein Blumenstück von Pol Cassel starkgemacht hatte und schließlich noch Theodor Rosenhausers Alte Dorfansicht erwarb, die bei 22.000 Euro zugeschlagen wurde (15.000). Ein sächsischer Bieter erwärmte sich bei 15.000 Euro (5000) für ein metaphorisch mit Blühen bezeichnetes, konstruktivistisch formuliertes Gemälde des Dresdener Urgesteins Willy Wolff. Den hohen Anteil der ostdeutschen Kunst verstärkte eine im Jahr 1982 von der Leipziger Galerie am Sachsenplatz herausgegebene Mappe mit zehn Lithographien von Werner Tübke, die sich bei 3400 Euro (3000) verkaufen ließ.
Umworbene Blätter von Otto Dix
Ausnahmslos abgesetzt wurden zu Preisen zwischen 1000 und 5000 Euro dreiunddreißig Einzelblätter aus der Radierfolge Der Krieg von Otto Dix. Als Favorit der aufgeschlossenen Bietergemeinde erwies sich ein Sturmtrupp mit verstörenden Gasmasken. Als Repräsentant der sozialkritisch motivierten Neuen Sachlichkeit erzielte Georg Scholz mit der fulminanten Vorstudie zu seinem Hauptwerk, dem Industriebauer, einen angemessenen Zuschlag bei 21.000 Euro (6000). Während Karl Hubbuchs originell kolorierte Federzeichnung Hotel Carlton keinen Liebhaber fand und zurückging, kam ein Landsmann des Karlsruher Malers bei dessen Blick in eine Majolika-Manufaktur zum Zuge.
Ein Berliner Sammler bewilligte 11.000 Euro (9000) für einen goldbraun patinierten Bronzeguss der Kleinen Daphne von Renée Sintenis. Das zeichnerisch brillante, phantastische Rendezvous zweier Dummköpfe und eines Flachkopfes, das der Hamburger Horst Janssen mit Blei- und Farbstiften auf Bütten realisiert hatte, kletterte von 15.000 auf 22.000 Euro. Die erotische Begegnung zweier junger Männer, von Constantine P. Cavafy beschrieben, von David Hockney 1966 graphisch ins Bild gesetzt, spielte 15.000 Euro ein. Ganz nah an den Schätzpreis heran kam eine mit Zwirnfäden zusammengeheftete Collage des 2002 gestorbenen spanischen Bildhauers Eduardo Chillida, die bei 39.000 Euro (40.000) einem Kölner Händler zufiel.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Dr. Lehr Kunstauktionen
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@ Gordian Hense (Klar_und_hell) Herr Hense, ich zitiere Sie:
22:05Verfallsmöglichkeit des Wissens? Zugangsschwierigkeiten?
20:31