Von Andreas Platthaus
21. Januar 2008 Ihrem ersten Januar-Versteigerungstermin seit mehr als zwanzig Jahren sieht Trudel Klefisch optimistisch entgegen. Die traditionelle vorweihnachtliche Ostasiatika-Auktion war 2007 nicht zu schaffen, aber dadurch entging die Kölner Auktionatorin der Terminballung. Denn in der unmittelbaren Nachbarschaft zu den Versteigerungen der Konkurrenz von Lempertz sieht sie keinen Vorteil mehr: Köln ist mittlerweile durch Flüge an die ganze Welt gut angebunden, und die japanischen und chinesischen Kunden steigen ohnehin jedes Mal ins Flugzeug, wenn es etwas Interessantes gibt.
Überbrückt wurde die ungewöhnlich lange Pause allerdings im November mit einer Internet-Versteigerung, die fast ganz dem Holzschnitt-Werk von Hiroshige gewidmet war und unter anderem sämtliche Blätter der 53 Stationen des Tokaido enthielt. Doch immer noch kommen bei Klefisch die spektakulärsten Lose in die klassische Auktion, und das Angebot der am kommenden Samstag bei Van Ham stattfindenden Veranstaltung dürfte einiges dazu beigetragen haben, dass die Resonanz bereits jetzt, noch vor Beginn der Kölner Besichtigungen, die Erwartungen übertroffen hat.
Neuorientierung
Diesmal dürfte die Auktion auch neue Kundschaft anziehen, weil neben dem gewohnt starken japanischen Angebot zwei kleine, aber hochinteressante Schwerpunkte aus Indien und Südostasien dazukommen. Dabei ragen Plastiken und Skulpturen heraus. Der tausend Jahre alte zentralindische Kalksteintorso, den wir hier abbilden, stammt zusammen mit einigen Khmer-Skulpturen und weiteren schönen indischen Stücken aus einer rheinischen Privatsammlung. Er ist mit einem Schätzpreis von 24.000 bis 28.000 Euro das Spitzenlos der Auktion, doch die kunstgeschichtlich spektakulärsten Einlieferungen sind chinesische Kunstwerke, allen voran die sechsundzwanzig Zentimeter hohe Plastik eines sechsarmigen Guanyin aus der Ming-Dynastie, die am Sockel signiert ist - eine extreme Seltenheit in dieser Zeit.
Auf Wunsch eines Mönches von dem Bronzeschmied Jin Fucheng 1486 hergestellt, gehörte dieses Stück von 1945 an dem chinesischen Präsidenten Tschang Kai-schek. Dieser schenkte es einem deutschen Berater zum Abschied, als er ihn im Bürgerkrieg mit Mao Tse-tungs Kommunisten aus Vorsicht zurück nach Europa schickte. Wäre die authentische Lackvergoldung noch komplett erhalten, würde man die geschätzten 8.000 bis 12 .000 Euro für einen Witz halten. Weniger prominent ist die Provenienz der zweitausend Jahre alten Mattengewichte aus dem westlichen Han-Gebiet, mit denen man Teppiche fixierte und die wohl aus Grabfunden stammen.
Ein Tiger in Aktion
Hervor sticht ein feuervergoldeter kinderfaustgroßer Tiger, dessen Streifen mit Silber eingelegt sind (12 .000/15 .000), aber noch interessanter ist ein etwas kleineres Paar schlichter Bronzen, die in ungeheuer expressiver Darstellung einen Tiger zeigen, der ein Wildschwein reißt. Die glückliche gemeinsame Überlieferung der Stücke aus einer Form lässt spannende Vergleiche der Gusstechnik zu (4500/6500).
Ähnlich viel Glück hat Klefisch mit dem Netsuke-Angebot, das sich vor allem dem Nachlass des Wiener Sammlers Karl Schwarz verdankt, seine Höhepunkte aber in einer anderen Sammlungseinlieferung findet, aus denen wiederum zwei Buchsbaum-Arbeiten des 18. Jahrhunderts herausragen: ein Glücksgott in ausgesprochen drolliger Haltung (3.000/ 4.000) und der sensationell geschnitzte Oni (5.000/6.000). Wobei dessen handwerkliche Sorgfalt noch übertroffen wird von einem Elfenbein-Kabinettstück, das zwei Drachen im Meer darstellt (3500/ 4500). Ein Holzschnittangebot mit Arbeiten vor allem von Meistern des 20. Jahrhunderts rundet eine Auktion ab, die zum Besten gehört, was Klefisch bislang veranstaltet hat.
Text: F.A.Z., 19.01.2008, Nr. 16 / Seite 41
Bildmaterial: Klefisch