Von Brita Sachs
25. Dezember 2007 Den Höchstpreis in seiner Auktionsgeschichte hatte Karl & Faber erreicht, als jetzt in der Herbstauktion für Erich Heckels Park von Dilborn II der Hammer bei 670.000 Euro fiel (Taxe 700.000). Schöner Zufall wollte es, dass dies just mit einem Gemälde geschah, dessen letzter Besitzerwechsel ebenfalls im Hause vonstatten ging. Damals, 1971, reiste die ausdrucksstarke Parklandschaft aus dem Jahr 1914 in eine amerikanische Privatsammlung; diesmal griff ein Schweizer Sammler zu. Mehrmals sorgte osteuropäische Kunst für Turbulenzen - zum Beispiel Aleksander Bogomazovs Landschaft mit sitzender Frau im Stil des russischen Futurismus, die ebenfalls ihren zweiten Auftritt im Hause absolvierte: Heiß umkämpft vom internationalen, mit dem russischen Markt verbandelten Handel, ging das Werk bei 400.000 Euro (100.000/ 120.000) an einen Moskauer Kunsthändler.
Als Maria Jaremas Monotypie Penetrazione 6 aufgerufen wurde, schien dagegen halb Polen um die abstrakte Formdurchdringung zu ringen, die 1958 auf der Biennale in Venedig hing. Die früh gestorbene Malerin ist auf dem Markt selten greifbar, was den gigantischen Anstieg des Gemäldes von 4.000 auf 82.000 Euro erklärt. Die Ungarn wiederum legten sich für Munkácsys Waldinneres von 1878 ins Zeug - das Bild gelangte mit 32.000 Euro knapp über die Obertaxe. Während Feiningers Sailboats with Black Sails und lustiger Besatzung bis nach der Auktion warten mussten, um einen Käufer zu begeistern, der 14.0000 Euro (200.000/300.000) investiert, taten sich Gabriele Münters Kleinformate zuverlässig leicht mit ihren Fans: Privatsammler kauften zwei frühe und ein spätes Freiluftwerk zu Preisen bis 60.000 Euro. Eine ordentliche Überraschung erwartete die Preisgestalter bei Hubbuchs Lithographie Im Rausch des Irrens, als das - offenbar sehr seltene - Blatt von 500 auf 13.000 Euro raste.
Zeichnungen und Graphik
Der zweite Tag gehörte den Arbeiten auf Papier. Mit Dürer war diesmal wohl kein Stich zu machen, weil die Auktion einer Sammlung von Druckgraphiken des Nürnbergers bei Christie's in London wenige Tage zuvor den Bedarf erst einmal gedeckt wurde. Gut für Schongauer, dessen Christus am Kreuz 15.500 Euro einspielte, seine Höllenfahrt Christi dann 22.000 Euro (je 12.000/14.000). Der Florentiner Giovanni Sogliani zeichnete die rasche, sichere Skizze einer Madonna mit Kind, die französischer Handel für 23.000 Euro (10.000/15.000) erwarb. Als der Auktionator Rupert Keim am Pult dann zum Aufruf der Zeichnungssammlung von Walter Bareiss schritt, hatten Händler und Sammler sich ihre Plätze im Saal und an den Telefonen gesichert. Johann Georg von Dillis' Aquarell vom Rheinfall bei Schaffhausen in reizvollem non finito setzte sich mit 17.000 Euro (um 5.000) vor die äußerst charmanten Landschaften des Künstlers auf farbigem Papier - und an die Spitze sämtlicher Zeichnungen der Gebrüder Dillis.
Wie die warmen Semmeln gingen dann die Blätter der Familie Kobell, gipfelnd in 8500 Euro (5.000/6.000) für eine arkadische Landschaft mit Ziegenherde des Franz Kobell. Hoch beboten fanden sich auch die Studien und Vorzeichnungen des Symbolisten Otto Greiner; ein attraktives Selbstbildnis beim Zeichnen schaffte 8.000 Euro (3.000). Jahrelang, so weiß ein Beobachter, sei Friedrich Salathés atmosphärische Tuschfederzeichnung Landschaft mit Hagar und Ismael . . . bei Thomas Le Clair nicht an den Käufer zu bringen gewesen. Ob das damals am Preis lag? Wir kennen ihn nicht. Jetzt jedenfalls, wo die Schätzungen gnädig waren, wurde vehement um das Blatt gekämpft, das mit 22.000 Euro (5.000/ 6.000) Bareiss' bestes wurde.
Waldmärchen für Liebhaber
Gemessen an den Taxen erzielten viele Blätter sehr gute Ergebnisse; legt man indessen die einstigen Einkaufsummen zugrunde, fällt der Vergleich nicht immer günstig aus: So kostete Johann W. Baumgartners prachtvolle Tuschfederzeichnung des Heiligen Ignatius von Loyola, predigend Bareiss seinerzeit mehr als 30.000 Euro; jetzt bekam sie ein Sammler für 9300 Euro. Carus' lavierte Ansicht des Inneren Hofs auf Schloss Döben brachte mit 7.000 Euro zwar doppelte Taxe - aber nur zwei Drittel des einstigen Kaufpreises. In der Sammlung mit Zeichnungen Ludwig Richters fiel größtes Interesse erwartungsgemäß auf das Aquarell Waldmärchen, für das ein norddeutscher Sammler 27.000 Euro (16.000/ 17.000) bewilligte.
Text: F.A.Z., 22.12.2007, Nr. 298 / Seite 42
Bildmaterial: Karl&Faber