Nachbericht Asia Week

Der Buddha kehrt zurück in seinen Tempel

Von Lisa Zeitz, New York

06. April 2008 Christie's hat innerhalb der „Asia Week“ in New York mehr als achtzig Millionen Dollar umgesetzt, mehr als je zuvor in dieser Kategorie, und führt damit weit vor der Konkurrenz; Sotheby's hat es immerhin auf einen Umsatz von 46 Millionen Dollar gebracht. Für das spektakuläre Ergebnis bei Christie's war besonders das japanische Spitzenlos ausschlaggebend, eine hochbedeutende buddhistische Skulptur des Dainichi Nyorai (Mahavairocana) aus der Zeit kurz vor 1200, die dem Bildhauer Unkei zugeschrieben wird. Die in Meditation verharrende Figur aus Zypressenholz, deren Hände den Allwissenheitsgestus darstellen, hat mit 12,8 Millionen Dollar einen neuen Weltrekord für ein japanisches Kunstwerk etabliert (Taxe 1,5/2 Millionen Dollar).

Die japanische Warenhauskette Mitsukoshi Company ersteigerte die Skulptur im Auftrag eines buddhistischen Tempels in der Nähe von Tokio. Hugo Weihe, Direktor der internationalen Asien-Abteilung bei Christie's, schwärmt von der Qualität und Seltenheit der Skulptur: „Für Japan ist das bisher weitaus das wichtigste Objekt auf dem Kunstmarkt. Wenn die Leute jetzt sehen, was möglich ist, wer weiß, was für Kunstwerke sich noch aus dem Unterholz locken lassen?“ Als weiteren, „gewaltigen Meilenstein“ sieht Weihe zu Recht den Bereich der indischen Kunst. Christie's kann sich über Weltrekorde für eine indische Skulptur, für indische Malerei, für tibetische Malerei und für eine Khmer-Skulptur freuen: Ein Sandstein-Buddha mit dem „Ich fürchte mich nicht“-Gestus erzielte 4,4 Millionen Dollar, ein Gemälde des Nainsukh von Guler aus der Mitte des 18. Jahrhunderts 1,95 Millionen Dollar, eine große Uma-Sandsteinfigur 1,85 Millionen Dollar und ein bedeutender Thangka von Vairocana 1,3 Millionen Dollar.

Indische Zeitgenossen bei Christie's

Auch im Bereich der indischen Gegenwartskunst punktete Christie's: Maqbool Fida Husains monumentales Bild „Battle of Ganga and Jamuna“ aus den Jahren 1971/72 erzielte 1,4 Millionen Dollar, den höchsten Preis, der je für ein zeitgenössisches indisches Gemälde bewilligt wurde (Taxe 600.000/800.000 Dollar). Auch Ram Kumar fand mit seinem „Vagabond“ von 1956 für eine Million Dollar einen neuen Künstlerrekord. Einen Auktions-Weltrekord für ein Schnupftabaksfläschchen erzielte die „Meriem Collection of Important Chinese Snuff Bottles“ aus dem Nachlass der kanadischen Philanthropin Mary Margaret Young. Wie erwartet kletterte der Preis eines emaillierten Exemplars mit europäisch inspiriertem Motiv aus der Mitte des 18. Jahrhunderts besonders hoch auf 700.000 Dollar (250.000/300.000).

Für Sotheby's hat die Woche der asiatischen Auktionen gemischte, aber insgesamt solide Ergebnisse gebracht. Besonders prominent präsentierte Sotheby's die Auktion „Contemporary Art Asia: China, Korea, Japan“, wobei vor allem die zeitgenössischen Chinesen ins Rampenlicht gerückt waren. Die Schätzungen für Werke der populärsten Künstler waren ambitioniert, aber die Kauflust der Interessenten schien gehemmt von den weltwirtschaftlichen Turbulenzen. Das Gesamtvolumen für diese Auktion blieb zwar unterhalb der Schätzung von 23 bis 33 Millionen Dollar, kann aber mit knapp zwanzig Millionen (23 Millionen inklusive Aufgeld) als stabil gelten. Das teuerste Los des Tages und damit das einzige zeitgenössische Werk, das sich in den siebenstelligen Bereich aufzuschwingen vermochte, wurde Zeng Fanzhis Triptychon „Mask Series No.11“, das für 1,05 Millionen Dollar (800.000/1 Million) telefonisch an eine europäische Adresse vermittelt wurde.

Verhaltene Reaktionen auf chinesische Zeitgenossen

Unverkauft blieb die zweiteilige Schießpulver-Zeichnung „Escalator: Explosion Project for Centre Pompidou“ von Cai Guo-Qiang, dem das Guggenheim Museum derzeit eine große Retrospektive ausrichtet (500.000/700.000). Viele Käufer konnten Lose schon weit unterhalb der Taxen ersteigern. Zhang Xiaogangs „Green Army Uniform“ aus dem Jahr 2002 ging für 600.000 Dollar an eine asiatische Privatadresse, und das bei einer Schätzung von 1,5 bis zwei Millionen Dollar. Bloomberg identifizierte Herman Heinsbroek, den früheren holländischen Wirtschaftsminister, als Käufer von zwei weiteren Werken aus Xiaogangs Bloodlines-Serie. Die Bildnisse einer jungen Frau und eines jungen Manns, von Sotheby's auf je 250.000 bis 350.000 veranschlagt, erhielt er schon für Hammerpreise von 200.000 beziehungsweise 230.000 Dollar.

Die Abteilung chinesischer Antiquitäten bei Sotheby's musste einige bittere Pillen schlucken. So fand sich für keines der vier teuersten Lose ein Abnehmer. Die archaischen Bronzegefäße aus taiwanischen Sammlungen sollten zusammen fast zehn Millionen Dollar einspielen. Die Versteigerung der Dexingshuwu-Kollektion exquisiter chinesischer Keramiken aus fünf verschiedenen Dynastien gipfelte in einer violett gesprenkelten „Jun“-Narzissenschale, die für 740.000Dollar an einen asiatischen Liebhaber vermittelt wurde, weit oberhalb der Taxe von 400.000 bis 500.000 Dollar. Im April und im Mai halten sowohl Sotheby's als auch Christie's weitere asiatische Auktionen ab - dann aber in Hongkong.



Text: F.A.Z., 29.03.2008, Nr. 74 / Seite 44
Bildmaterial: Christie's

 
Einen Rekordzuschlag für japanische Kunst bewilligte die Firma Mitsukoshi mit... Diese sandsteinerne Buddhafigur der Khmer von 118,7 Zentimetern Höhe spielte ... Dieser gewebte tibetanische Thangka des Vairocana aus dem 13. Jahrhundert err... Ram Kumar malte „Vagabond” im Jahr 1956 auf Holz. Die 121,9 Zentimeter hohe T... Nainsukh von Guler (um 1710 bis 1778) malte mit Deckfarben diese Szene. Sie z... Maqbool Fida Husains Gemälde “Battle of Ganga and Jamuna“ aus dem Jahr 1972 e... Geste der Furchtlosigkeit: Sandsteinerne Buddhastatue, entstanden um 475, für...