Von Rose-Maria Gropp
27. März 2008 Der knapp fünfzig Zentimeter hohe Crucifixus aus Südmähren diente wohl ursprünglich als Vortragekreuz. Die aus Laubholz geschnitzte Figur mit dem Reliquienbehälter in der Brust war auf 3000 Euro geschätzt, doch ein ungenannter Bieter erhielt schließlich den Zuschlag dafür bei 80.000 Euro. Insgesamt spielte die Versteigerung mit den knapp 800 Losen der Sammlung des Regensburger Kunsthändlers J.J. Ludwig beim Stuttgarter Auktionshaus Nagel brutto mehr als 4,5 Millionen Euro ein gegenüber einer Gesamtschätzung von knapp 1,2 Millionen Euro.
Teuerstes Stück wurde ein Cloisonné-Emaille-Pokal vom Anfang des 20. Jahrhunderts, den Zar Nikolaus II. und seine Frau Alexandra deren Bruder, Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, schenkten: Er ging bei 410.000 Euro (Taxe 80.000) an einen "telefonisch aus dem Ausland bietenden Neukunden" - heim nach Russland, so lässt sich denken. Für die bezaubernde, aus Zirbelholz geschnitzte Tiroler Madonna mit dem Kind, geschaffen von Michael Parth um 1520, engagierten sich die Regensburger Museen mit Erfolg beim Gebot von 140.000 Euro (25.000).
Text: F.A.Z., 22.03.2008, Nr. 69 / Seite 46
Bildmaterial: Nagel
