DOSB-Versammlung

Schäuble droht mit Kürzung der Sportförderung

Von Anno Hecker, Warnemünde

“Alemannische Zurückhaltung und Diplomatie“: Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble

"Alemannische Zurückhaltung und Diplomatie": Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble

06. Dezember 2008 Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat dem deutschen Sport die Kürzung von staatlicher Förderung angedroht, falls er sich nicht rechtzeitig dem neuen Kodex der Welt-Antidoping-Agentur (Wada) unterwirft.

„Ich werbe sehr dafür, dass alle Fachverbände den Code zum 1. Januar rechtswirksam aufnehmen (...) Sonst kann das nicht ohne Konsequenzen bleiben“, sagte Schäuble am Samstag auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Warnemünde.

Schäuble mahnt Einhaltung der Spielregeln deutlich an

Der CDU-Politiker reagierte damit laut eigener Aussage mit „alemannischer Zurückhaltung und Diplomatie“ auf das grobe Versäumnis des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). Nationalspieler Florian Busch darf trotz eines im Frühjahr zunächst verweigerten Doping-Tests ungestraft weiter spielen, weil der DEB unter anderem den seit 2006 gültigen Anti-Doping-Code der Wada nicht in seine Satzung übernommen hatte. Andernfalls wäre Busch wahrscheinlich für zwei Jahre gesperrt worden.

Schäuble mahnte die Einhaltung der Spielregeln wenige Wochen vor dem Jahreswechsel unmissverständlich an, weil sich inzwischen abzeichnet, dass auch der neue Wada-Code noch nicht von allen Fachverbänden des DOSB implementiert worden ist. Dem Dachverband war es auf Anfrage in Warnemünde nicht möglich, die Zahl der noch säumigen Verbände zu nennen. Unterdessen hat die SPD-Abgeordnete Dagmar Freitag Schäubles Behörde per Kleiner Anfrage zu einer Klärung aufgefordert.

„Jeder soll seinen Sockelbetrag weiter erhalten“

Der wie bei seinen Auftritten im Sport häufig heitere Minister empfahl dem DOSB angesichts einer „endlichen staatlichen Förderung“ eine „Konzentration der Mittel“ im Spitzensport. DOSB-Präsident Thomas Bach versicherte, dass es deshalb aber nicht zu einer Reduzierung von Sportarten kommen werde. „Jeder soll seinen Sockelbetrag weiter erhalten. Aber es wird sicherlich unterschiedlich hohe Zuwendungen geben.“

Einen wichtigen Zuschuss gewährte sich der DOSB am Samstag selbst. Nach einer zunächst heftigen Auseinandersetzung stimmten die Delegierten einer Erhöhung der Mitgliedsbeiträge ab 2010 um 7 Cent zugunsten der Dachorganisation zu. Mit den rund 1,9 Millionen Euro will der DOSB sein strukturelles Defizit decken. Die letzte Beitragserhöhung hatte der Deutsche Sportbund, Vorgänger des DOSB, 1978 durchgesetzt.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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