Welt-Anti-Doping-Agentur

Präsident ohne Europas Gnaden

17. November 2007 Trotz des Widerstandes aus Europa ist der Australier John Fahey zum neuen Präsidenten der Welt-Anti-Doping- Agentur (Wada) gewählt worden. Der 62-jährige frühere Finanzminister tritt die Nachfolge von Richard Pound an, dessen achtjährige Amtszeit am 31. Dezember endet. „Wichtig ist nicht der neue Wada-Präsident, sondern der verabschiedete Welt-Anti-Doping-Code“, sagte Fahey. „Der Kampf gegen Doping ist einer, den wir gewinnen wollen.“ Zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden der Wada wurde der Schwede Arne Ljungqvist bestimmt.

Bei der Wahl im Wada-Foundation-Board erhielt Fahey am Samstag in Madrid 32 der 36 Stimmen, vier europäische Vertreter enthielten sich aus Protest. Sie waren zuvor mit dem Antrag gescheitert, die Wahl um ein halbes Jahr zu verschieben. Europa wollte die Zeit nutzen, um einen eigenen Kandidaten zu präsentieren, da einen Monat zuvor der nominierte Franzose Jean-Francois Lamour zurückgezogen hatte. „Es hat ein Verfahren gegeben, das wir nicht akzeptieren“, erklärte Christoph Bergner, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium. „Dabei ging es nicht darum, einen Kandidaten aus Europa durchzusetzen, sondern eine Alternative vorzuzeigen.“

Der Wille zur Zusammenarbeit ist da

Der vor dem Meldeschluss am 20. September nominierte Franzose Jean-Francois Lamour hatte unerwartet im Oktober das Handtuch geworfen. Konsequent hatte jedoch der amtierende Wada-Präsident Pound die Vertagung der Wahl vom Tisch gefegt. „Wir werden den Prozess nicht wieder eröffnen, das entscheide ich als Vorsitzender“, sagte er bei der denkwürdigen Sitzung. Auch das Begehren einer geheimen Wahl lehnte er entschieden ab.

„Ich bin nicht der einzige, der das nicht für sachgerecht gehalten hat“, meinte Bergner. Ganz einheitlich fiel der Protest allerdings auch nicht aus: Rußland nahm entgegen der Absprachen nicht an der Abstimmung teil. „Das war kein Votum gegen Fahey, sondern ein Ausdruck der Enttäuschung, daß man keinen Kandidaten hatte“, sagte Pound. Sein Nachfolger hofft, daß die Fehde mit den Europäern - sie zahlen 47,5 Prozent des Wada-Budgets - beendet wird. „Alle europäischen Vertreter sind nach der Wahl zu mir gekommen und haben den Willen zum Ausdruck gebracht, mit mir zusammenarbeiten zu wollen“, berichtete Fahey.

Vier Jahre Sperre für schwerwiegende Doping-Vergehen

Vor der an einem Eklat vorbeigeschrammten Präsidenten-Wahl wurde der neue Welt-Anti-Doping-Code verabschiedet. „Der Code ist streng, aber fair und sendet die Botschaft, daß wir den Kampf intensiver fortführen“, meinte Pound. Der Codex wird das Fundament einer harmonisierten Bekämpfung der verbotenen Leistungsmanipulation sein. „Er ist ein Meilenstein“, urteilte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Wesentliche Änderungen im Vergleich zu dem seit Januar 2004 gültigen Code sind die Erhöhung der Sperre von zwei auf vier Jahre für schwerwiegende Doping-Vergehen, flexiblere Sanktionsmöglichkeiten im Einzelfall und eine erweiterte Kronzeugenregelung. Er wird - nach den Olympischen Spielen in Peking - am 1. Januar 2009 in Kraft treten.



Text: dpa
Bildmaterial: AFP

 
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