Von Evi Simeoni
30. Oktober 2007 Mit ein paar eleganten Körperdrehungen bekommt Franz Beckenbauer alles hin. Alles. Das weiß in Deutschland jeder. Und deshalb wundert sich auch niemand, dass der Bayern-Präsident seit Neuestem auch noch Zweiter Vorsitzender der Frauen-Kommission im Internationalen Fußballverband Fifa ist.
Zweitwichtigste Fußballerin der Welt also gewissermaßen. Der Kaiser als Frau? Jo mei, warum nicht? Wenn er denkt, dass ihn das auf eine neue Bewusstseinsstufe bringt. Er hat sich schließlich schon immer für Rockträgerinnen interessiert. Und war es nicht der Libero der Nation, der schon einmal öffentlich darüber sinniert hat, dass er im nächsten Leben gerne eine Frau wäre?
Küche, Kinder, Kaiser
Nun ist endgültig klar: Diese Entwicklung wäre nur logisch. Schon in den sechziger Jahren ließ Beckenbauer ja vor seiner heimischen Schrankwand eine Suppenschüssel aufbauen, spielte dann die Hauptrolle in einem Reklamefilm für dünne Brühe, der ahnen ließ, dass er viel übrig hat für die berühmten 3 K: Küche, Kinder, Kaiser. Er konnte sich damals schon alles erlauben und das kann er auch heute noch. Ein Fußballgott kann keinen Schaden nehmen. Und, Hand aufs Herz: Er wäre nicht der erste Mann, den im Alter der schreckliche Verdacht beschliche, dass Gott vielleicht eine Frau ist.
Doch jetzt mal im Ernst: Als Frau kann Franz Beckenbauer im Moment einfach mehr bewirken. Schließlich hat er die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer bereits nach Deutschland geholt, das kann er nicht mehr toppen. Die Frauen-WM jedoch noch nicht. Da hat er kurz umgeschult, schließlich entscheidet die Fifa-Exekutive (in der er weiter als Mann auftritt) an diesem Dienstag darüber, ob im Jahr 2011 hierzulande oder in Kanada um den Titel gekickt wird. Da muss man flexibel sein.
Zumal die Umgewöhnung nicht besonders schmerzt. Er muss zum Beispiel nicht als Vize zu einer Chefin aufblicken: Auch an der Spitze der Fifa-Frauenkommission steht ein Mann. Ein Amerikaner. Unter den beiden Herren tummeln sich dann fünfzehn Frauen, das wird sie freuen. Und wenn Beckenbauers Engagement Erfolg haben sollte, wissen wir jetzt schon, warum, denn er hat es selbst einmal in einem wichtigen Schlüsselsatz gesagt: Der Grund war nicht die Ursache, sondern der Auslöser.“ Und das klingt doch echt nach weiblicher Logik.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes