Sportausschuss

Deutsche Athleten erwarten Klarheit vom IOC

Von Michael Reinsch, Berlin

23. April 2008 Das Armband mit dem Aufdruck "Sports for Human Rights" könnte sich zum Politikum entwickeln. Im Sportausschuss des Deutschen Bundestags sagte Michael Vesper, der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), am Mittwoch: "Dass sich der Sport für die Menschenrechte einsetzt, ist in unserem Land eine Binsenweisheit und wird von uns geteilt. Ob man ein Bändchen tragen kann im Wettkampf der Olympischen Spiele, ist eine Frage der Wettkampfordnung."

Auf die Interpretation der entsprechenden Regel 53,1 der Olympischen Charta, die politische, religiöse und rassistische Demonstrationen verbietet, warten die Athleten laut ihres Sprechers Christian Breuer täglich. "Wir brauchen eine Festschreibung der unbestimmten Begriffe der olympischen Charta", sagte Breuer, ein ehemaliger Eisschnellläufer.

Vesper zitiert Rogge: „Magie der Spiele schützen“

Vesper wies den Vorwurf zurück, der DOSB und sein Präsident Thomas Bach nähmen nicht ausreichend Einfluss auf die Ausgestaltung dieser Richtlinien. "Das IOC ist nicht der liebe Gott, aber das IOC ist Herr über seine Charta", sagte er und zitierte Jacques Rogge, den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), mit dessen Ziel, "die magische Atmosphäre der Olympischen Spiele zu schützen".

Breuer versprach, im Falle zu schwammig formulierter Richtlinien postwendend beim IOC zu protestieren. Mehr als an einer Ausweitung der Foren für politische Meinungsäußerungen ist ihm an Planungssicherheit und ungestörter Olympia-Vorbereitung der Athleten gelegen.

„Feiert die Menschlichkeit“ hieß ein IOC-Slogan

Er empfinde es als Schlag ins Gesicht des Sports, sagte er, dass allein dieser, im Gegensatz zur Wirtschaft, über Menschenrechte in China diskutieren solle. Zur Meinungsfreiheit gehöre im Übrigen auch, sich nicht äußern zu müssen.

Breuer und Vesper drückten ihre persönliche Überzeugung aus, dass Athleten nach Wettkämpfen politische Fragen beantworten dürften. In der Frage, ob die Meinungsäußerung mittels eines Armbandes als Propaganda verboten werden könnte, wies Breuer auf Werbespots des IOC hin, die während der Winterspiele in Turin 2006 ausgestrahlt wurden. Ihr Slogan sei gewesen: "Celebrate Humanity", feiert die Menschlichkeit.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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