Nach der Einigung der Koalition

„Es wird ungemütlich für die Doper“

Von Michael Reinsch, Berlin

 “Doping ist Betrug. Aber wo bleibt der Aufschrei der sauberen Sportler?“

"Doping ist Betrug. Aber wo bleibt der Aufschrei der sauberen Sportler?"

19. Januar 2007 Der Deutsche Bundestag hat am Freitag einstimmig die Unesco-Konvention gegen Doping im Sport angenommen. Zu dieser gehört auch der Code der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Der Parlamentarische Staatssekretär Christoph Bergner (CDU) aus dem Innenministerium zitierte im Parlament aus der deutschen Übersetzung des Übereinkommens vom 19. Oktober 2005: Zweck der Konvention sei es, "Verhütung und Bekämpfung des Dopings im Sport zu fördern mit dem Ziel der vollständigen Ausmerzung des Dopings".

Die Debatte der Sportpolitiker beherrschten der Kompromiss der Regierungsparteien über die Strafbarkeit des Besitzes nicht geringer Mengen Dopingmittel sowie der Vorwurf des ersten deutschen Fernsehens, in mindestens vierhundert Fällen seien 2006 Spitzensportler für Dopingkontrollen nicht erreichbar gewesen.

„Doping mit staatlichen Mitteln bekämpfen“

"Es wird ungemütlich für die Doper in diesem Land", versprach die sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Dagmar Freitag, und fragte: "Doping ist Betrug. Aber wo bleibt der Aufschrei der sauberen Sportler?" Sie pochte auf die Pflicht und das Recht des Staates als größter Finanzier des Sports, Doping mit staatlichen Mitteln zu bekämpfen. Bei Ermittlungen nach dem von der Koalition angestrebten Gesetz, sagte sie, stehe erst am Ende die Feststellung, ob es sich um geringe oder nicht geringe Mengen handele.

Peter Danckert (SPD), Vorsitzender des Sportausschusses, machte noch deutlicher, dass er die vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) abgelehnte Besitzstrafbarkeit nun durchgesetzt glaubt. "Wenn DOSB-Präsident Thomas Bach und Generaldirektor Michael Vesper sagen, das haben wir schon immer gewollt, ist das doch wunderbar", sagte er spöttisch. Wesen eines Kompromisses sei es eben, dass es keine Sieger und keine Besiegten gebe. Nun aber werde der Besitz bestraft, nicht nur der kaum nachzuweisende Handel mit Dopingmitteln.

Herrmann: Kompromiss bescheiden

Der Einigung von Union und SPD folgt ein Dissens über das Verfahren der Gesetzgebung. Bergner sagte, dass sein Ministerium in Kürze den Gesetzentwurf einbringen wolle. Das Parlament könne ihn um den Vorschlag der Koalition ergänzen. Danckert dagegen forderte das Innenministerium auf, die Verschärfung des Paragraphen 6a Arzneimittelgesetz in die Vorlage einzuarbeiten. Hintergrund ist, dass ein Änderungsverfahren in der Zuständigkeit des Gesundheits- und nicht des Sportausschusses läge.

Winfried Herrmann von Bündnis 90/Grüne nannte den Kompromiss dagegen bescheiden. Kein Gesetz, nicht mal ein Antrag, sondern lediglich eine Pressekonferenz sei dabei herausgekommen. "Sie machen der nicht informierten Öffentlichkeit weiß, das sei etwas Neues", rief er. "Sie benutzen das Wort Besitzstrafbarkeit, und das ist nicht ehrlich." Vielmehr handele es sich lediglich um eine Präzisierung des bestehenden Gesetzes. Hermann forderte, weil weder Kontrollen noch Gesetze allein ausreichten, eine Gesamtkonzeption von Sport und Politik gegen Doping.

„Wir brauchen nicht 250 000, sondern 25 Millionen Euro“

Danckert zeigte sich, wie viele der Redner, alarmiert von dem Bericht der ARD, der auf Mängel im Kontrollsystem der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) hinwies. Neben der Anhörung im Sportausschuss schlug er deshalb eine unabhängige Untersuchungskommission unter Leitung des ehemaligen Außenministers Klaus Kinkel (FDP) vor. Vom DOSB forderte er mehr als eine einmalige Aufstockung seines Beitrags zur Nada. "Wir brauchen nicht 250 000, sondern 25 Millionen Euro", rief er. "Das wäre ein Prozent der 2,5 Milliarden Euro Sponsorgelder." Derzeit verfügt die Nada über 8,7 Millionen Euro Stiftungskapital und hat ein Budget von lediglich 1,3 Millionen Euro. Geplant waren einst ein Stiftungskapital von rund 50 Millionen Euro und ein Jahresetat von etwa 2,5 Millionen.

Nada-Geschäftsführer Roland Augustin bestreitet die Zahlen aus der Reportage der ARD. "Nach unserem Kenntnisstand stimmt die Zahl von vierhundert im Jahre 2006 bei Kontrollen nicht angetroffenen Athleten nicht. Weder die genannte Zahl noch die Tabellen oder die Rankings stammen von Seiten der Nada, noch wurden diese von der Nada autorisiert", sagte er. "Diese Unterlagen sind der Nada nie zur Begutachtung und Bewertung vorgelegt worden." Der neue Vorsitzende der Stiftung, Armin Baumert, versprach eine Überprüfung und Bewertung der Zahlen bis Ende nächster Woche. Er ist am Donnerstag in Bonn vom Vorstand der Stiftung auf dessen ersten Sitzung in neuer Zusammensetzung gewählt worden. Der frühere Leistungssportdirektor des inzwischen aufgelösten Deutschen Sportbundes tritt die Nachfolge von Peter Busse an, der seit der Nada-Gründung 2002 amtierte, sich nun aber nicht mehr zur Verfügung stellte, unter anderem wegen der zu knappen Finanzausstattung der Stiftung.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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