29. März 2004 Veranstalter Kurt Denk wunderte sich. 80.000 Euro sollte der Chef des Frankfurter Ironman-Triathlons für die Fernsehübertragung im Hessischen Rundfunk (HR) bezahlen. Die offiziell nie bestätigte Summe war als "Produktionskostenzuschuß" mit HR-Sportchef Jürgen Emig abgesprochen.
Was Denk verwunderte, war der Empfänger: Nicht der HR war als Adressat angegeben, sondern die Firma "SMP Sport Marketing &Production" mit Sitz in Kelkheim im Taunus. Eine Nachfrage beim Sender brachte die Antwort, alles in Ordnung, das habe seine Richtigkeit.
Ein enger Freund der Familie Emig
Der Fluß dieser und ähnlicher Gelder interessiert seit kurzem die Innenrevision des Senders. Jürgen Emig ist am vergangenen Dienstag zurückgetreten. Er soll in der Sportredaktion des Senders zweifelhafte Netzwerke geknüpft haben. Der "Focus" hatte den ehemaligen HR-Produktionsleiter Roman Hillmann zitiert, es habe "illegale Absprachen bei Produktionsaufträgen" gegeben, speziell im Radsport seien immer dieselben Firmen ausschreibungsfrei begünstigt worden. Zudem gibt es den Vorwurf der Schleichwerbung. Emig soll jahrelang Firmen in Sportsendungen plaziert haben, die Kunden der Agentur Killi Production GmbH seiner Ehefrau Atlanta Killinger sind.
Im komplizierten Emig-Netzwerk spielt Killi Production eine Rolle, aber auch die SMP. Deren Gründer und Geschäftsführer ist Harald Frahm, 59 Jahre alt, ein enger Freund der Familie Emig und in ihrem Verwertungssystem offenbar eine feste Größe. Wie die Killi Production gehört auch Frahms Firma wie selbstverständlich zu den Vermarktern des Profiradrennens "Rund um den Henninger Turm", die Übertragung des wichtigsten Frankfurter Sportereignisses ist für den Hessischen Rundfunk die größte Produktion des Jahres.
"Eine Luftnummer"
Auch Kaspar Funke, Veranstalter des Reitturniers in der Festhalle, war überrascht, als er am 16. Dezember vergangenen Jahres eine Rechnung über 20.000 Euro plus Mehrwertsteuer, ausgestellt nicht vom HR, sondern von der SMP bekam. Die vereinbarten Produktionskosten würden damit berechnet - "inklusive Sendesponsoring", worunter sich Funke bis heute nichts Konkretes vorstellen kann. "Eine Luftnummer", sagt er. Bezahlt hat er trotzdem.
Frahm hat über Jahre nicht nur aus seiner Nähe zu den Emigs profitiert, sondern auch als Präsident des Deutschen Tanzsportverbandes; in dieser Funktion beherrscht er den Spagat zwischen ehrenamtlicher Tätigkeit, Geschäftsinteressen und Nähe zum Fernsehen in erstaunlicher Weise. Rolf Müller, der Präsident des Landessportbundes Hessen, hatte gleich nach Emigs Demission erklärt, den eigentlichen Skandal sehe er weniger im Sportchef des HR als in der Person Frahms.
"Es ging um reine Pro-forma-Verträge"
Schlechte Erfahrungen mit dem rührigen Tanzfunktionär aus dem Taunus hat Michel Mauge, der Geschäftsführer der Mannheimer Kongreß- und Touristik GmbH (MKT), gemacht. Seit 1987 hatte die MKT und ihre Tochter m:con die German Open Championships (GOC) in Mannheim zum größten Tanzturnier der Welt entwickelt, ehe es im vergangenen Jahr zum Streit kam.
Grund waren Beraterhonorare. Mauge beklagte "immer unverschämtere Forderungen von Frahm". 15.000 Euro kassierte der ehrenamtliche Tanzpräsident persönlich, nun sollten auch Bundessportwart Michael Eichert und Wilfried Scheible, der Präsident des baden-württembergischen Verbandes, beides Vertraute von Frahm, in den bezahlten Beraterstab aufrücken. "Wir sollten immer mehr Empfehlungen und Rat von Personen einholen", sagt Mauge, der behauptet, den Forderungen habe keine adäquate Gegenleistung gegenübergestanden: "Es ging um reine Pro-forma-Verträge." Der Verband bestritt dies vehement und ließ verbreiten, "daß die ehrenamtliche Tätigkeit in einem Verband nicht dazu verpflichtet, das in diesem Zusammenhang erworbene Know-how unentgeltlich einem kommerziellen Unternehmen zur Verfügung zu stellen".
Verquickung von Ehrenamt und wirtschaftlichen Interessen
Als es nicht zu einer Einigung über die Beraterhonorare kam, orientierte sich Frahm neu. "Der Vertrag lief zwar noch", sagt Mauge. "Aber Frahm hat uns auflaufen lassen. Wir brauchten die Turniergenehmigung des internationalen Verbandes, und die haben wir nach sechzehn Jahren nicht mehr bekommen. Der einzige Grund für den Lizenzentzug war unsere Weigerung, die geforderten Honorare zu zahlen." Vizepräsident des internationalen Verbandes ist Harald Frahm.
Die Verquickung von ehrenamtlicher Verbandstätigkeit und wirtschaftlichen Interessen findet Mauge nach wie vor skandalös: "Man kann als ehrenamtlicher Präsident nicht auf diese Weise Geschäfte machen."
Seniorentanz im HR
Frahm fand im Stuttgarter Kongreß- und Kulturzentrum Liederhalle einen neuen Partner. Für die Organisation ist nun die GOC-GmbH zuständig, Geschäftsführer sind Frahm-Freund Harry Körner und Wilfried Scheible, der in Mannheim nicht zum Zuge gekommen war.
Ein Beispiel für das Zusammenspiel zwischen Frahm und dem hessischen Fernsehen ist das internationale Tanzturnier im Bad Homburger Kurhaus Anfang April: Der Hessische Rundfunk überträgt das Turnier 45 Minuten lang, vereinbart wurde die Übernahme von Produktionskosten in nicht genannter Höhe, Frahm besorgte einen Sponsor, die Kellerei Deinhard, die sich die üppige Werbemöglichkeit im Fernsehen gern erkaufte; die Produktion ging an die Ludwigshafener Firma AKK, die zu den ständigen Geschäftspartnern von Frahms SMP gehört. Die SMP selbst tritt als Agentur auf, Produktionsaufträge vergibt sie weiter. Den direkten Kontakt zu Killi Productions vermeidet man, aber nicht nur Mauge sagt: "Die haben sich schon immer die Bälle zugeschoben."
Wie viele Aufträge die SMP im Laufe der Jahre vom HR bekommen hat, darüber kann der Sender auf Anfrage keine Auskunft geben, ebensowenig über die Zahl der Tanzturniere, die man im Hessenfernsehen übertragen hat. Sie dürfte immens sein. Nicht einmal die deutschen Seniorenmeisterschaften in Heusenstamm waren vor einer Übertragung ausgeschlossen. So heißt es stolz in einer Pressemitteilung: "Dem Vorstand des DFK ist es gelungen, eine zeitversetzte Fernsehübertragung der Deutschen Meisterschaft der Senioren Standardklasse zu erreichen. Die circa vierzigminütige Ausstrahlung erfolgt am 3.11.2002 im Hessischen Fernsehen." Der DFK ist der Tanzsportklub TC Frankfurter Kreis. Ehrenvorsitzender ist Harald Frahm.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung