Münchens Olympia-Bewerbung

„Die Situation ist nicht ganz unproblematisch“

Von Elisabeth Schlammerl, München

Die Münchner Olympia-Bewerber sehen sich noch “gut in der Zeit“ - doch Sponsoren fehlen

Die Münchner Olympia-Bewerber sehen sich noch "gut in der Zeit" - doch Sponsoren fehlen

09. Januar 2009 Die Büroräume nahe dem Münchner Olympiapark sind gerade noch rechtzeitig zum Jahreswechsel fertig geworden. Aber wie es eben so ist nach einem Einzug, müssen sich die drei Mitarbeiter der Bewerbungsgesellschaft München 2018 erst eingewöhnen. Richard Adam lässt sich deshalb der Einfachheit halber auf seinem Handy anrufen, weil er die Telefonnummer seines Büros noch nicht auswendig weiß. Es gibt für den Geschäftsführer der Gesellschaft, die eine erfolgreiche Bewerbung Münchens zusammen mit Garmisch-Partenkirchen und Königssee um die Olympischen Winterspiele in neun Jahren sicherstellen soll, in diesen ersten Tagen aber auch Wichtigeres zu tun, als sich Telefonnummern zu merken.

Eigentlich sollten bereits im Herbst die ersten Sponsoren für die 30 Millionen Euro teure Bewerbung präsentiert werden. Dass daraus nichts wurde, liegt zum einen an der Wirtschaftskrise, zum anderen daran, dass Wilfrid Spronk krank wurde. Mitte November nahm sich der Leiter der Bewerbergesellschaft deshalb eine Auszeit. Der Tourismus-Experte Adam wurde daraufhin als Vertretung bestimmt. Seit 1. Januar ist der ehemalige Skilangläufer und Biathlet, der zuletzt Chef der Vermarktungsgesellschaft „Bayern Tourismus“ war, auch offiziell Geschäftsführer.

Noch gelten Meldungen über Schwanks Engagement als „Gerüchte“

Noch werden Meldungen, DOSB-Leistungsportdirektor Bernhard Schwank komme nach München, als “Gerüchte“ qualifiziert

Noch werden Meldungen, DOSB-Leistungsportdirektor Bernhard Schwank komme nach München, als "Gerüchte" qualifiziert

In München kursierten gar Gerüchte, dass sich Spronk ganz zurückziehen werde. In ein paar Tagen aber soll er zurückkehren und gemeinsam mit Adam das Komitee leiten. Inwieweit er wieder in den täglichen Arbeitsprozess eingebunden werden kann oder will, wird sich dann entscheiden. In den vergangenen Wochen wurden im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) Überlegungen angestellt, wie die Lücke gefüllt werden könnte, falls Spronk nicht oder nur noch als Teilzeit-Koordinator zurückkehrt. Nach Informationen verschiedener Medien soll DOSB-Leistungsdirektor Bernhard Schwank in die Führungsriege eingebunden werden. Bestätigen will das beim DOSB allerdings niemand. „Das sind nur Gerüchte“, sagte DOSB-Sprecher Gerd Graus. Aber natürlich müsse man für alle Gedankenspiele offen sein.

Eines davon ist offensichtlich, neben dem Tourismus-Fachmann Adam noch einen sportpolitischen Experten zu installieren. Schwank war vor seiner Tätigkeit beim DOSB Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees gewesen und eingebunden in die Fusion mit dem Deutschen Sportbund. Er könnte Spronk bei der Lobbyarbeit behilflich sein. Der 62 Jahre alte frühere Chef der Münchner Olympiapark GmbH war im vergangenen Jahr unter anderem wegen seines glänzenden sportpolitischen Netzwerkes mit der Koordination der Bewerbung beauftragt worden. Zusammen mit Münchens Oberbürgermeister Christian Ude war Spronk im August bei den Olympischen Sommerspielen in Peking auf der ersten wichtigen Werbetour gewesen.

Zusagen aus dem September zurückgezogen

Adam kümmert sich im Moment um die Umsetzung der vom Frankfurter Stadtplaner Albert Speer entworfenen Machbarkeitsstudie. Die offizielle Bewerbung muss bis Oktober beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eingereicht werden, die vollständigen Bewerbungsunterlagen müssen dann bis Anfang nächsten Jahres vorliegen. Die Bewerbungsgesellschaft ist zwar dem eigenen Terminplan etwas hinterher, aber noch immer „sehr gut in der Zeit“, wie Adam findet. Eine seiner wichtigsten Aufgaben werde es jetzt sein, „erst einmal ein Team aufzubauen“. Bis Mitte des Jahres sollen schon 15 Leute für die Bewerbungsgesellschaft arbeiten.

Außerdem muss bei Unternehmen verstärkt Überzeugungsarbeit geleistet werden, um die allein für die Bewerbungskampagne erforderlichen 30 Millionen Euro aufzutreiben. Anfang September habe es laut Oberbürgermeister Ude bereits Zusagen von großen deutschen Unternehmen gegeben. „Wir hatten die 30 Millionen bereits zusammen.“ Allerdings war noch nichts schriftlich fixiert, und so zogen die Firmenbosse ihre Zusagen nach dem Ausbruch der Finanzkrise Mitte September zurück. „Dass die Situation nicht ganz unproblematisch ist, ist klar. Aber ich bin ganz zuversichtlich“, sagt Adam. In diesen schwierigen Zeiten lasse sich eben keine Firma auf die Rolle des Geldgebers reduzieren. „Wir müssen unseren Partnern gegenüber das Vertrauen gewährleisten, dass sie Teil einer Erfolgsgeschichte sind.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, dpa

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