Peking 2008

Olympiasiegerin boykottiert Eröffnungsfeier

15. April 2008 Als erste aktive deutsche Olympiasiegerin hat Judo-Kämpferin Yvonne Bönisch den Verzicht auf die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking angekündigt. „Ich werde Zeichen setzen und nicht an der Eröffnungsfeier teilnehmen“, erklärte die 27- Jährige am Dienstag im ZDF. Einen Boykott der Wettkämpfe schloss die deutsche Medaillenhoffnung für sich aber aus.

„Für jeden Sportler ist es das Größte, bei Olympischen Spielen teilzunehmen. Und wenn jetzt boykottiert werden würde, würden tausende Träume platzen“, sagte die Potsdamerin. In Peking will Bönisch zudem mit einem Symbolband am Handgelenk gegen Menschenrechtsverletzungen in Tibet protestieren.

Keine Anstecker für eine andere Sache

Genau das dürfen Frankreichs Olympia-Starter nicht: Protest verboten! Die Sportler wollten den Schriftzug „Für eine bessere Welt“ als Motto gemeinsam mit den olympischen Ringen und dem Wort „Frankreich“ am Trikot tragen, um vor dem Hintergrund des Tibet-Konflikts in China für die Menschenrechte einzutreten.

„Man kann keinen Anstecker für eine andere Sache tragen“, dies widerspreche der olympischen Charta, erklärte Henri Sérandour, Präsident des französischen Nationalen Olympischen Komitees, im L'Equipe TV. Dagegen hatte der französische Sport-Staatssekretär Bernard Laporte den Plan der Sportler unterstützt.

Amerikaner: „Deutlichste Sprache, wenn wir Gold holen“

Das amerikanische Team will in Peking auf politische Äußerungen verzichten. Diesen Standpunkt vertrat am Montag die Mehrheit der amerikanischen Athleten zu Beginn der Medientage in Chicago. „Die Spiele sind für mich heilig. Das ist etwas, das nicht gestört werden sollte“, betonte Turn-Olympiasieger Paul Hamm.

Fußballerin Abby Wambach kündigte an, sich wie ihre Mitspielerinnen einzig und allein auf die Titelverteidigung konzentrieren zu wollen. „Wir denken, dass ist die deutlichste Sprache, wenn wir Gold holen und unser Land bestens vertreten.“

Heidi Schüller: „Fähnchen schwenkende Staffage“

Wie Yvonne Bönisch, die 2004 in Athen als erste deutsche Judo-Frau Olympia-Gold erkämpfte, hatte zuvor schon Fechterin Imke Duplitzer über einen Teilnahme-Verzicht bei der Eröffnungsfeier nachgedacht. „Ich werde da wohl nicht hingehen, um zu zeigen, ich bin hier, weil ich hier sein muss. Nach meinem Wettkampf werde ich China wohl sofort verlassen und nicht bis zum Ende der Spiele bleiben.“

Für einen Boykott der Eröffnungsfeier in Peking hatte sich auch die frühere Weltklasse-Leichtathletin Heidi Schüller ausgesprochen. „Als Fähnchen schwenkende Staffage zur Huldigung eines autoritären Systems sollten sich weder Athleten noch Sportfunktionäre oder Politiker der freien Welt hergeben“, erklärte die 57-Jährige, die bei den Olympischen Spielen in München 1972 als erste Frau den Olympischen Eid gesprochen hatte.

Das Team Darfur meldet sich zu Wort

Athleten aus dem Team Darfur haben das Internationale Olympische Komitee (IOC) zu einer unmissverständlichen Stellungnahme in der Frage der freien Meinungsäußerung bei den Sommerspielen in Peking aufgefordert. „Wir verlangen Klarheit von Ihnen in Bezug auf die praktische Interpretation der IOC-Regeln und darüber, welche Maßnahmen das IOC unternimmt, um das Recht der Sportler auf freie Meinungsäußerung bei den Spielen zu gewährleisten“, heißt es in einem Brief, den die Organisation am Dienstag an IOC-Präsident Jacques Rogge schickte. Das Team Darfur will dazu beitragen, die Weltöffentlichkeit auf den seit fünf Jahren in der westsudanesischen Krisenregion wütenden Bürgerkrieg aufmerksam zu machen.

Unterdessen warnte BASF-Chef Jürgen Hambrecht für den Fall eines Boykotts der Olympischen Spiele vor wirtschaftlichen Folgen. „Wir setzen auf Dialog statt Boykott“, sagte der Chef des weltweit größten Chemiekonzerns dem „Handelsblatt“. „Einschränkungen der geschäftlichen Beziehungen würden die deutsche Wirtschaft - und damit uns alle - empfindlich in einem wichtigen Wachstumsmarkt treffen.“



Text: dpa
Bildmaterial: AFP, picture-alliance/ dpa

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