05. Juli 2005 Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) läßt Sportchef Wilfried Mohren seine Aufgaben vorerst ruhen. Die Suspendierung am Montag abend sei einvernehmlich erfolgt, teilte der Sender am Dienstag mit. Mohren trage die Entscheidung ausdrücklich mit und habe sich gegenüber den Ermittlern sehr kooperativ gezeigt. Laut Staatsanwaltschaft stehen die Ermittlungen im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre um den Ex-Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig.
Die Leipziger Staatsanwaltschaft hatte am Montag Büros des MDR in Leipzig durchsuchen lassen. Wie ein Sprecher der Strafverfolger sagte, hat sich aus den Ermittlungen gegen den früheren Sportchef des Hessischen Rundfunks (HR), Jürgen Emig, ein Anfangsverdacht wegen Bestechlichkeit gegen Mohren ergeben. Zu Einzelheiten werde man sich erst später äußern können, sagte der Oberstaatsanwalt Lutz Lehmann. An einen Antrag auf Erlaß eines Haftbefehls gegen Mohren werde derzeit nicht gedacht. Emig sitzt seit vergangenem Dienstag in Untersuchungshaft.
Dem Vernehmen nach ähneln die Vorwürfe gegen Mohren stark denen, die Emig gemacht werden: Sportvereine oder Verbände sogenannter Randsportarten hätten sich nicht nur an den Produktionskosten für Berichte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen beteiligen müssen, sondern darüber hinaus auch jeweils spezielle Agenturen bei der Vermarktung der Ereignisse einschalten müssen; das an die Agenturen gezahlte Honorar hätten die Beschuldigten für sich als Schmiergeld abgezweigt.
Das gesamte System muß überprüft werden"
Im Zentrum der Leipziger Affäre soll die Agentur SMP stehen, die Harald Frahm gehört, dem langjährigen Präsidenten des Deutschen Tanzsportverbandes. Der mit Emig befreundete Frahm ist auch Beschuldigter in der Frankfurter Affäre. Er blieb von der Untersuchungshaft nur deswegen verschont, weil er nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Vorwürfe weitgehend eingeräumt hat. Laut Medienberichten vom Wochenende gehören zu den inkriminierten Veranstaltungen, die vom MDR übertragen wurden, das Tanzturnier "ARD Masters" im vergangenen Jahr und die "Friedensfahrt" der Radamateure 2003. Es sollen einmal 360.000 Euro und einmal 54.000 Euro geflossen sein.
Eine Sprecherin des MDR bestätigte gestern die Durchsuchungen, hob indes hervor, der Verdacht richte sich allein gegen Mohren, nicht gegen den Sender. Ob es Anzeichen für ein über diese beiden Rundfunkanstalten hinausgehendes System der Korruption bei Sportübertragungen gibt, dazu wollten sich am Montag Strafverfolger noch nicht äußern.
Der Hessische Landessportbund hat als Konsequenz aus der Emig-Affäre die Überprüfung aller Sponsoren-Verträge bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gefordert. "Das gesamte System muß überprüft werden", sagte der Präsident des Landessportbundes, Rolf Müller. "Entweder ist das Sportereignis unter journalistischen Gesichtspunkten relevant oder es ist nicht. Aber es kann kein Kriterium sein, ob sich jemand einkaufen kann oder nicht." Als Mitglied des HR-Rundfunkrats werde er den Fall Emig bei der nächsten Sitzung des Gremiums am 22. Juli erneut zur Sprache bringen. Es sei ein Fehler gewesen, daß die interne Untersuchung des Senders zu Emig im Frühjahr des vergangenen Jahres nicht dem Rundfunkrat vorgelegt worden sei.
Text: F.A.Z., dpa
Bildmaterial: AP