Von Wolfgang Tunze
30. Juni 2008 Ausgerechnet der Foto-Großkonfektionär Olympus hat das kürzlich demonstriert - mit einem zierlichen Audio-Rekorder, der mit technischen Eckdaten aufnimmt, die Studio-Niveau erreichen, und Stereo-Klänge in einer Qualität einfängt, die schlicht begeistert. Das LS-10 genannte Gerät hat uns auf den Geschmack gebracht und dazu angestiftet, Vergleichbares näher anzuschauen.
Alle Modelle folgen einem ähnlichen Konzept: Abmessungen und Gewicht prädestinieren sie selbst für leichtes Reisegepäck. Mikrofone haben die Knirpse gleich an Bord, externe Schallaufnehmer können über Klinkenbuchsen andocken, die auch gleich noch die nötige Speisespannung liefern. Und für die Signalübertragung der fertigen Audio-Dateien halten sich Anschlüsse nach dem Standard USB 2.0 bereit. Weil die Hersteller Gerätschaften dieser Art eher einer professionellen Kundschaft zuordnen, findet man sie zumeist beim Musikalien-Händler oder unter einschlägigen Internet-Adressen, etwa unter www.hlaudio.de oder auch www.thomann.de.
Wenn mal kein Kopfhörer zur Hand ist
Zu den besonders kompakten und leichten Olympus-Konkurrenten (Einsatzgewicht mit zwei Mignon-Batterien 155 Gramm) gehört das Aufnahmemaschinchen PMD 620 von Marantz (Preis um 350 Euro). Seine titanfarben eloxierte Aluminium-Front verleiht ihm eine gewisse Würde, Gummi-Kappen auf den wichtigsten Tasten für Aufnahme, Pause und Stopp sorgen für sichere Bedienung und robuste Funktion. Alle wichtigen Einstellungen, zum Beispiel die Zuschaltung eines Tiefenfilters gegen Störgeräusche oder die Wahl der Aufnahmeformate, erledigt man vor dem Einsatz in Bedienmenüs.
Unkomprimierten Ton kann der Marantz mit Auflösungen bis zu 48 Kilohertz und 24 Bit konservieren. Damit bleibt er etwas hinter den Möglichkeiten der Konkurrenz zurück, bietet aber im Vergleich zu den Eckdaten der CD eine immer noch deutlich höhere Auflösung, die in der Praxis ausreicht. MP3-Dateien nimmt das Gerät mit Datenraten bis 192 Kilobit je Sekunde auf, eine SD-Karte im Leseschacht stellt Speicherplatz bis zu 8 Gigabyte zur Verfügung.
Beim Abhören der Aufnahmen hat uns eine Skip Back genannte Funktion besonders gut gefallen: Je nach Voreinstellung löst ein Druck auf die entsprechende Taste einen Rückwärtssprung zwischen einer Sekunde und einer Minute aus. Ein weiteres Plus: Ein eingebauter Winzig-Lautsprecher bietet sich immer als Hilfs-Monitor an, wenn man gerade keinen Kopfhörer zur Hand hat. Die Aufnahmen des Marantz klingen nicht ganz so hell und transparent wie die Mitschnitte des Rekorders von Olympus. Aber ihr eher warmes Timbre macht sie durchaus angenehm, die Sprache klingt natürlich und gut verständlich.
Ein gestandener Purist der Marke Sony
Ein ganz anderes Kaliber ist das Modell PCM-D50 von Sony. Das gilt schon für seine physische Gestalt: Der Sony geriet etwa doppelt so groß wie der Marantz und, mit vier Mignon-Batterien bestückt, mehr als doppelt so schwer. Komplett aus Aluminium gefertigtes Gehäuse, großes Anzeigen-Fenster, ein mächtiger, griffiger Aussteuerungsregler und eine Gewinde-Bohrung für die Stativ-Montage - dies alles zeigt: Dieser Apparat ist auf eine anspruchsvolle Klientel zugeschnitten, die durchaus auch gelegentlich Studio-Luft schnuppert. Die Mikrofone auf der Kopfseite des Rekorders sitzen auf mechanischen Gelenken, sie lassen sich für unterschiedliche Aufnahmewinkel in die passenden Positionen schwenken.
Als gestandener Purist nimmt der Sony nur unkomprimierten Ton auf, mit Auflösungen bis zu 96 Kilohertz und 24 Bit. Die fertigen Dateien landen entweder auf einem fest eingebauten, 4 Gigabyte großen Speicher oder auf einem Memory Stick pro HD Duo. Im Wiedergabe-Betrieb immerhin versteht sich der Rekorder auch auf MP3-Konserven, die ihm vorher zugespielt wurden. Eine weitere Besonderheit: Die Sony-Maschine kann auch Digitalsignale von einer externen Quelle aufnehmen, etwa vom Digitalausgang eines CD-Spielers. Dazu bringt sie einen Eingang in Form einer speziellen Klinkenbuchse mit.
Klangfarbentreue Resultate für anspruchsvolle Amateure
Die Aufnahmearbeiten mit dem Sony machen vom ersten Augenblick an Spaß: Die fein gegliederten Aussteuerungsbalken erlauben eine präzise Aussteuerung, kanalgetrennte Warnlämpchen signalisieren, wenn der Pegel in die Gefahrenzone oberhalb von -12 Dezibel gelangt, Pegelbegrenzer und Geräuschfilter lassen sich über kleine Schalthebel aktivieren. Die Aufnahmeergebnisse variieren je nach Mikrofonposition sehr deutlich. Ungünstige Winkel lassen die Konserven manchmal eher hohl und räumlich diffus erscheinen, günstige Konfigurationen dagegen fördern exzellente, präzise und außerordentlich klangfarbentreue Resultate zutage. Das Sony-Gerät ist also nicht für den schnellen Mitschnitt gedacht; es ist ein komplexes Arbeitsgerät für anspruchsvolle Amateure, was sich auch im Preis von knapp 600 Euro manifestiert.
Ein drittes interessantes Gerät stammt von Zoom, einem Elektronik-Ausrüster für Musiker. Es heißt lakonisch H2 und ist für einen Kampfpreis von gerade einmal 200 Euro zu haben. Man sieht dem Leichtgewicht (160 Gramm mit zwei eingelegten Mignon-Batterien) den Sparkurs des Herstellers an: Das silberfarbene Kunststoffgehäuse wirkt eher schlicht. Wo die Konkurrenz auf solide Knöpfe setzt, bietet der Zoom nur eine Fläche aus Folientasten an. Das winzige Anzeigenfenster macht die Aussteuerung ein bisschen knifflig.
Surround-Aufnahmen nach Heimkino-Manier
Aber die Ausstattung dieses Rekorders überzeugt: Unter einem Gitterschutz sitzen vier Mikrofone, die für Stereo-Aufnahmen entweder die Winkel 90 und 120 Grad zur Wahl stellen, oder sie produzieren Surround-Aufnahmen mit vier separaten Kanälen nach Heimkino-Manier. Sogar Stereo-Aufnahmen in einem 360-Grad-Modus sind möglich; dazu mixt der Zoom die Signale aller vier Mikrofonkapseln zu einer Zweikanal-Spur. Als Aufnahmeformate stellt der Silberling unkomprimierten PCM-Ton mit Auflösungen bis 96 Kilohertz und 24 Bit oder MP3 mit Datenraten bis 320 Kilobit je Sekunde zur Wahl. Und als Speichermedium dient ihm eine SD-Karte.
Die klanglichen Resultate des Zoom sind eine echte Überraschung: Der Knirps mit der Spar-Attitüde tönt ausgezeichnet, dosiert, je nach Mikrofon-Konfiguration, die Klangfarben sehr realistisch, leistet sich selbst in der empfindlichsten Mikrofon-Voreinstellung und bei sehr leisen Schall-Ereignissen kein nennenswertes Rauschen und lädt zu spannenden Surround-Experimenten ein. Kurzum: Der preiswerte Zoom ist ein heißer Tipp für alle akustischen Lebenslagen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hersteller