19. November 2008 Google macht der Internetgemeinde mal wieder ein Geschenk. Fünf Wochen vor Weihnachten packt das Unternehmen zehn Millionen Fotografien des Life-Magazins auf seine Server, die von jedem kostenlos angeschaut werden können. TimeWarner ist der eigentliche Spender, der amerikanische Medienkonzern besitzt die Rechte an den Bildern. Ein Fünftel des Archivs steht bereits online zur Verfügung, in den nächsten Monaten sollen die Werke komplett im Netz sein.
Ein Besuch des Life-Fotoarchiv online ermöglicht Surfern eine Reise durch hoch aufgelöste Bilder (bis zu 900 x 1300 Pixel) zurück bis ins Jahr 1750. Nach wenigen Minuten und ein paar Dutzend Klicks durch die Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts stellt sich beim Nutzer ein Déjà-Vu-Erlebnis ein. Die Fotos von Mohammed Ali mit gestreckten Fäusten, Edwin Aldrin neben der amerikanischen Flagge auf dem Mond oder das Porträt der britischen Königin Victoria aus dem Jahr 1892 hat man schon häufig in den Medien gesehen.
97 Prozent der Bilder waren noch nie veröffentlicht
Der Clou ist allerdings ein anderer: TimeWarner teilt mit, 97 Prozent der Bilder seien noch nie veröffentlicht worden. Darunter befinden sich unbekannte Werke von Life-Fotografen wie Alfred Eisenstaedt, Margaret Bourke-White, Gordon Parks oder W. Eugene Smith. Abraham Zapruders Amateurfilmaufnahmen der Ermordung John F. Kennedys gehören ebenso zu dem Bestand. Die meisten Bilder stammen aus der analogen Zeit und werden nun sukzessive digitalisiert.
Das Potenzial des Google-Services werden die Internetnutzer vermutlich erst richtig nutzen können, wenn nicht nur das gesamte Archiv verfügbar ist, sondern wenn die Bilder über die übliche Google-Bildersuche gefunden werden. Je häufiger die Nutzer das Archiv durchforsten, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Bilder bei der Suche vorne landen. Wir erweitern letztlich das Google-Bild-Archiv mit zehn Millionen Bildern, sagt Stefan Keuchel, Pressesprecher für Google Deutschland, gegenüber FAZ.NET. Das heißt konkret: Wer dort im Suchfeld Muhammed Ali source:life eingibt, bekommt alle Life-Bilder von Ali bei Google.
In der Hand für 79,99 Dollar
Das Life-Material kommt gerade zur richtigen Zeit. Das Hamburger Landgericht hatte Google untersagt, bestimmte Zeichnungen im Internet öffentlich zugänglich zu machen. Experten sahen in dem Urteil, gegen das der Suchmaschinenbetreiber Berufung eingelegt hat, eine mögliche Grundaussatzentscheidung, die die Zukunft der Bildersuchmaschine in Frage stellen könnte.
Googles Mission, die Welt in Schrift und Bild ins Netz zu bringen, geht also weiter. Dass der amerikanische Milliardenkonzern bei seinen Geschenken - in Kooperation mit TimeWarner - möglicherweise etwas verdient, lässt sich auch in diesem Fall erahnen. Wer die Life-Fotografien in seinen Händen halten will, kann die Bilder gerahmt für 79,99 Dollar bestellen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Google/TimeWarner