Digitalkameras

Zu wissen, es ist Leica

Von Hans-Heinrich Pardey

Ob schwarz, ob chrom: Leica C-Lux 1 und Panasonic Lumix DMC-FX01

Ob schwarz, ob chrom: Leica C-Lux 1 und Panasonic Lumix DMC-FX01

19. Mai 2006 In diesem schönen Monat Mai wird eine schon etwas ältere Diskussion wieder losgehen und - da ist es leicht, Augur zu sein - nicht entschieden werden können: Leica in Solms bringt mit der C-Lux 1 eine zigarettenschachtelkleine Kompaktdigitalkamera heraus, die es mit einem deutlichen Preisabschlag auch von Panasonic als die hier bereits gelobte Lumix DMC-FX01 gibt. Die Solmserin mit dem roten Punkt und dem seit Anno Barnack geschwungenen geschätzten Schriftzug kostet rund 500 Euro und wird dieses Preisniveau in den Schaufenstern des Fachhandels zäh verteidigen. In Flughafenterminals oder im Schatten japanisch heimgesuchter Bayern-Monumente wird sich der Preis der kleinen Leica gar zu ungeahnten Höhen aufschwingen. Die Lumix, deren „L“ auf Goldgrund leicht an Lexus denken läßt, wird mit einem Verkaufspreis von 430 Euro in der Liste geführt; aber über den lacht sich alle Welt nur tot, denn im Internet wird die FX01 für unter 300 Euro angeboten, und im mutimedialen Großmarkt steht sie für etwa 350 Euro.

Technisch-innerlich, das ist allgemein bekannt, sind die Kameras eineiige Zwillinge aus einer glücklichen Ehe: Von Leica stammt die hervorragende Optik. Panasonic, also Matsushita in Osaka, steuert die Elektronik bei und fertigt die Kameras. Diese Kooperation zwischen den ungleich großen, aber ähnlich leistungsorientierten Partnern funktioniert schon seit Jahren, und so wird sich das Gerede um die C-Lux1 und die FX01 ganz ähnlich entwickeln wie das Palaver, das es um die „Baugleichheit“ der gleichfalls hier bereits auf viel Wohlwollen gestoßenen Leica D-Lux 2 und der Panasonic Lumix DMC-LX1 gab. Mit manchmal leicht erbittertem Unterton wurde darum gestritten, ob sich der Mehrpreis lohne, ob an oder in der rund 700 Euro kostenden D-Lux 2 irgend etwas stecken könne, was die pekuniäre Differenz zur mit 600 Euro Listenpreis ausgezeichneten und für weniger als 450 Euro erhältlichen Lumix LX1 rechtfertige.

Greifhilfe auffällig anders

Eineiige Zwillinge: Panasonic Lumix DMC-LX1 und Leica D-Lux 2

Eineiige Zwillinge: Panasonic Lumix DMC-LX1 und Leica D-Lux 2

Äußerlich ähneln sich die beiden Kamerapaare ungefähr so wie die früher jahrelang bis auf Kühlergrill und Markenembleme identisch gebauten Limousinen von Rolls-Royce und Bentley. Abgesehen vom Markenschriftzug, ist vor allem die Greifhilfe, die bei allen Panasonic-Modellen die Gehäusefront unterbricht, auffällig anders. Was sich bei der größeren LX1 als praktisch erweist, um die Kamera sicher zu halten, könnte die D-Lux 2 wohl brauchen, nicht aber die C-Lux 1. Denn deren rauh-erhabener roter Leica-Punkt ist just dorthin designt worden, wo er als Stopper für den suchenden Greiffinger beste Dienste tut. Ganz nebenbei: Dort, wo im Internet die Schnäppchen wachsen und Benutzergruppen horchen, wie das Gras wächst, stand zu lesen, die C-Lux 1 löse die D-Lux2 ab. Auch dieser Alarmruf ist echte Leica-Folklore: Nur ja schnell noch das Auslaufmodell für die Vitrine erwerben! Der Kommentar aus Solms: Nein, das Schnuckelchen, das nicht ganz so viel kreative Einwirkungsmöglichkeiten bietet wie die D-Lux 2, ersetzt diese nicht, sondern rundet die Modellpalette nach unten ab.

Aber zurück zur Preisdifferenz: Auf dem flachen Land ist er immer noch anzutreffen, der Fotofachhändler alter Schule. Der führt den guten deutschen Namen gern als eine preislich nicht zu hinterfragende Gegebenheit ins Feld. Unser in Markentreue verhärteter Gewährsmann aus Niedersachsen antwortete mal auf eine diesbezügliche Frage: „Leica kostet eben Leica.“ Rührend hingegen, wie etwa der Versender Manufactum („Es gibt sie noch, die guten Dinge“) den Preis der D-Lux 2 zu rechtfertigen sucht durch das Aufzählen von Unterschieden: „. . . auf den ersten Blick sichtbar am Gehäuse, auf den zweiten Blick wahrnehmbar in der sehr viel umfangreicheren Software-Ausstattung und schließlich, unsichtbar, in einer Überarbeitung des Steuerprogramms der Leica.“

Bildqualität nur im Labor unterscheidbar

Da haben wir das ultimative Argument: Die Firmware der Leicas sei modifiziert, sagt Solms, um wolkig anzudeuten, daß es da um so Dinge wie die Farbgebung geht, die bei den Japanern gern ein wenig saftiger gewollt wird. Praktisch aber braucht man ein mittelprächtiges Testlabor, um Unterschiede herauszuarbeiten. Läßt man die Kameras so, wie sie auf den Abbildungen nebeneinander stehen, allein mit ihren Automatiken identische Aufgaben erledigen, können nicht einmal Betrachter, die gesehen haben, wie die Kameras auf der Stativschiene standen, sicher Leica- von Lumixbildern trennen. Einen eher schmerzlichen Beweis der Baugleichheit haben wir ohne Absicht binnen weniger Stunden erbracht: Erst fiel die FX01, dann die C-Lux 1 hin. Beide Male verzogen sich die Tubussegmente des Objektivs auf identische Art bis zum Nichts-geht-mehr: Verletzte Zwillinge mit gleichartiger Achillesferse.

Buchtitel: Digitalkameras

Text: F.A.Z., 16.05.2006, Nr. 113 / Seite T6

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Immer für eine Antwort gut! Das FAZ.NET-Software-Portal bietet Ihnen intelligente Software-Lösungen. Schauen Sie vorbei unter www.faz.net/software

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche