Von Wolfgang Tunze
23. Juni 2008 Apples Musikknirps iPod mischt die gesamte HiFi-Branche auf: Adapter, Docking-Stationen und Lautsprechersysteme für die Mini-Jukebox haben Hochkonjunktur, Hersteller jeglicher Provenienz bieten sie in unzähligen Varianten an. Kann ein weites Utensil dieser Art da überhaupt noch größere Aufmerksamkeit erregen? Wenn es aussieht wie ein Zeppelin, diese Ähnlichkeit auch noch mit seinem Namen unterstreicht und vom renommierten britischen Lautsprecherhersteller B&W stammt, kommen durchaus genügend Primärreize zusammen.
Also haben wir uns mit dem schlanken HiFi-Luftschiff, das mit seinem schnörkellosen Korpus alle Merkmale eines Design-Klassikers zur Schau stellt, näher befasst. Dass B&W seine Gerätschaften ähnlich eigenwillig gestaltet wie Apple seine Digitalmaschinen in der Ära des großen Vorsitzenden Steve Jobs, hat schon Tradition: Die Lautsprecher des Hauses sahen noch nie aus wie langweilige Kartoffelkisten. In den achtziger Jahren bauten die Briten Klangobjekte, die aufrecht stehenden Kreuzungen aus Orgelpfeifen und Saxophonen ähnelten.
Im Bauch sitzt der Tieftöner
Später konstruierten sie ihren legendären Schallwandler Nautilus, eine mächtige Schallwandler-Skulptur in Form einer Riesenschnecke, die das archaische Unterwasser-Tier als formales Vorbild hatte. Aus diesem Monument leiten sie heute noch Detaillösungen für aktuelle Lautsprecher ab - etwa Hochtöner, die den rückwärtigen Schallanteil in spezielle, gedämpfte Kanäle leiten und vieles mehr. Kurzum: Die kühne Form folgt pragmatisch der technischen Funktion. Das galt es zu beweisen.
Auch der Zeppelin, sagt B&W, bleibt diesem Prinzip treu. Seine schlanken Enden zum Beispiel bieten den dort angesiedelten Hochtönern beste Arbeitsbedingungen. So können sie an den Extremitäten des Klangkörpers für eine angemessene Basis-Breite des Stereo-Panoramas sorgen. Und wo es keine störenden Schallwände gibt, können sich die akustischen Wellen ungehindert ausbreiten und schön gleichmäßig im Raum verteilen. Zwei Tief-Mitteltöner bearbeiten den Grundton-Bereich des HiFi-Objekts, und im dicksten Teil des Zeppelin-Bauchs, also genau in der Mitte, sitzt ein 12,5 Zentimeter großer, gemeinsamer Tieftöner, der die Bässe aus beiden Stereokanälen in Schallwellen umsetzt. 50 Watt bietet der eingebaute, digitale Leistungsverstärker auf, um diesem Ensemble einzuheizen.
Nicht nur iPods kommen als Zuspieler in Frage
Vor dem gemeinsamen Basslautsprecher sitzt die entscheidende Schnittstelle, die Docking-Station für den iPod. Oder genauer: für fast alle iPod-Versionen einschließlich des iPhones und des kongenialen, flachen iPod Touch. Lediglich der winzige iPod Shuffle lässt sich nicht an der Kontakt-Leiste anflanschen. Einige ältere Modelle, etwa die iPods der dritten Generation, können über den Docking-Anschluss zwar nicht ihre Akkus nachladen lassen, geben aber immerhin ihr musikalisches Repertoire über die Lautsprecher wieder.
Und nicht nur iPods kommen als Zuspieler in Frage: Über eine Kombi-Klinkenbuchse für analoge und digitale Tonsignale lassen sich auch HiFi-Komponenten anschließen: CD-Spieler, Radios oder MP3-Player ohne iPod-Etikett, die es ja immerhin auch noch gibt. Sogar auf bewegte Bilder versteht sich der Zeppelin: Er zapft sie über den Docking-Anschluss aus videotauglichen iPod-Modellen und leitet sie an einen Fernsehschirm weiter. Dafür hat er Ausgänge für Standard- und S-Video-Signale auf seiner schimmernden Rückseite aus blankpoliertem Edelstahl. In nächster Nachbarschaft zu diesen Anschlüssen sitzt auch noch eine USB-Schnittstelle. Sie tritt immer dann in Aktion, wenn es gilt, die Software des Zeppelins an neue iPod-Modelle anzupassen. Für die alltäglichere Bedienung der Musikmaschine ist ein kleiner Infrarotsender zuständig, der mit seinem eiförmigen Gehäuse perfekt zur Form des Lautsprechers passt und der mit wenigen Tasten alles Nötige im Griff hat.
Ein zierlicher Apparat mit beachtlichem Volumen
Die klanglichen Leistungen der britischen Schallzigarre beeindrucken ebenso wie ihr Outfit: Der zierliche Apparat musiziert mit beachtlichem Volumen, läuft etwa, wenn die Namensvettern von Led Zeppelin ihre Schwermetall-Attacken krachen lassen, zu eindrucksvoller Bassfülle, Dynamik und Attacke auf. Bestreiten aber leisere Formationen das Programm, zum Beispiel Streichquartette oder Holzbläser, so demonstriert der Zeppelin seine Fähigkeit, die natürlichen Klangfarben in ihrer ganzen Schönheit im Raum zu entfalten.
Mit seiner beachtlichen klanglichen Nähe zum Original entpuppt sich das B&W-Aggregat somit als ein grundsolides Stück HiFi, auch wenn es natürlich nicht das breite Stereo-Panorama einer ausgewachsenen Anlage oder den Tiefbass großer Standboxen schafft. Insgesamt ist das Zeppelin-Projekt alles andere als eine Luftnummer: Es passt in Stil und Leistung zum iPod-Konzept, als hätte Steve Jobs es selbst erdacht. Und mit seinem Preis von knapp 600 Euro schwebt es durchaus nicht zu hoch über den Wolken.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hersteller