HDTV

Langsam, aber unvermeidlich

Von Wolfgang Tunze

16. April 2008 Zurück zu den Wurzeln: Im Jahr 19 ihres Bestehens greift die Deutsche TV-Plattform ihr Gründungsthema wieder auf: das hochauflösende Fernsehen HDTV. Denn als HDTV-Plattform hatte sich der branchenübergreifende Verein zur Koordinierung medientechnischer Großprojekte anno 1990 gegründet. Gleich sein erstes Symposion im Frühjahr 1991 legte die Befürchtung nahe, es könne zugleich sein letztes gewesen sein.

Denn der Premieren-Auftritt mündete in einen heftigen Richtungsstreit: Eine Mehrheit glaubte noch, HDTV als Tagesaufgabe mit analogen Mitteln realisieren zu können, eine kleine radikale Minderheit hatte die digitalen Zeichen der Zeit bereits erkannt und stritt leidenschaftlich für ein Szenario, das sich rückblickend als langer, aber nötiger Umweg darstellt. Denn mit der digitalen Übertragung ist High-Definition-Fernsehen wirtschaftlich machbar, und erst mit der Existenz hochauflösender Flachbildfernseher findet es überhaupt den Weg ins Wohnzimmer. Der Industrie- und Medienclub jedenfalls erweiterte fortan seinen Blickwinkel auf Zukunftsaufgaben aller Art und ließ konsequent das Kürzel HD in seinem Namen ersatzlos weg.

„Wer in Richtung HDTV startet, muss dranbleiben“

In der vergangenen Woche aber rief die Plattform mit ihrem jüngsten Symposion die alten Zeiten wieder in Erinnerung: Sie setzte HDTV wieder auf die Tagesagenda, und diesmal endgültig. Dass mit dem ZDF-Intendanten Markus Schächter ein Repräsentant der öffentlich-rechtlichen Medienhäuser das Forum eröffnete, liegt nahe. Seit mehr als zwei Jahren stehen ARD und ZDF unter dem Erwartungsdruck, den Übergang zum hochauflösendem Fernsehen voranzutreiben; beharrliche Resistenz schien bisher das Ergebnis: Weder zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 noch zur kommenden Europameisterschaft ließen sie sich erweichen, obwohl alle großen Sportereignisse seit 2005 in HDTV produziert werden.

Aber das ist nur eine Seite der Wahrheit. „Wer in Richtung HDTV startet, muss dranbleiben“, erläuterte Schächter den Grundsatz seines Hauses - in Anspielung auf Sat.1 und Pro Sieben, die kürzlich ihre zwei Jahre währenden HDTV-Ausstrahlungen sang- und klanglos wieder einstellten. So wollen die Öffentlich-Rechtlichen erst im Februar 2010 zu den Olympischen Winterspielen im kanadischen Vancouver starten, dann aber auch wirklich dranbleiben: Bis zu 40 Prozent des Programms sollen zu diesem Zeitpunkt bereits als echtes, hochzeilig produziertes HDTV die Funkhäuser verlassen; ein Teil der Ausstrahlungen wird vorerst auch aus Programm-Material bestehen, das von der Standardauflösung mit 576 Zeilen auf HD-Formate hochkonvertiert wurde.

Man mag mit diesem Termin hadern, aber das wird wenig bewirken: Der Fahrplan der öffentlich-rechtlichen Sender, die für die HDTV-Einführung in Deutschland eine Schlüsselfunktion haben, steht fest. Bis 2010 allerdings wollen ARD und ZDF nicht untätig bleiben. Schon zur vorigen Funkausstellung und zu Ostern hatten die beiden Medienhäuser sogenannte Showcases über einen digitalen Satellitenkanal ausgestrahlt, mehrtägige Testsendungen also, die schon mal vorab demonstrieren sollten, welche Qualitätsreserven im Fernsehen stecken. Zur nächsten Funkausstellung, zu Weihnachten und zu ähnlichen Gelegenheiten im nächsten Jahr wird es weitere Showcases geben, zudem soll die Übertragung der Leichtathletik-Weltmeisterschaft, die im August 2009 in Berlin stattfindet, als HDTV über den Orbit gehen.

Das HDTV-Bild muss auf Anhieb überzeugen und begeistern

In einem Punkt sind sich alle Fernsehanstalten einig: Der Umstieg in die neue Technik gleicht einem Freischuss, der auf Anhieb sitzen muss. Eine Hängepartie, vergleichbar der Einführung des digitalen Radios, das bis heute niemand will, wäre ein Desaster. Das erklärt eine gewisse Zögerlichkeit, aber auch den Ehrgeiz, jedenfalls technisch alles richtig zu machen: „Das HDTV-Bild muss so deutlich besser sein, dass es auf Anhieb überzeugt und begeistert“, befand Hans Hoffmann, der als Schweizer Repräsentant der European Broadcast Union seine Erfahrungen aus der Sicht des Produzierenden darstellte. Tatsächlich bedarf es hierzu nicht nur der Entwicklung einer tadellosen Infrastruktur, sondern auch adäquater Fähigkeiten aller beteiligten Techniker.

Die Strategie von ARD und ZDF könnte den Begeisterungseffekt auf fast tragische Weise konterkarieren. Vom Sommer an wollen die Öffentlich-Rechtlichen die technische Qualität ihrer digitalen Satelliten- und Kabelprogramme abermals verbessern - mit Datenraten bis zu sieben Megabit je Sekunde. Gutes Studiomaterial, das mit solchen üppigen Bitströmen ins Wohnzimmer kommt, sticht selbst sauber produzierte DVD-Filme aus. Auf großen Flachfernsehern sieht es dann so detailscharf aus, dass sich die HDTV-Macher mächtig ins Zeug legen müssen, um solche Sinneseindrücke hinreichend dramatisch zu toppen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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