Dynaudio und NAD

Am Tor zum HiFi-Paradies

Von Gerold Lingnau

29. Mai 2008 Was kostet richtig gute Musik aus einer Zweikanalanlage? Wenn 10.000 Euro zur Verfügung sind, kann Hörers Wunsch gewiss erfüllt werden. Auch für 5000 noch ohne weiteres. Aber für 2500? Keine Sorge, wenn man das Richtige wählt. Solange es Hersteller gibt, die einem niedrigeren Preis nie ihren Qualitätsanspruch opfern würden, ist die HiFi-Welt noch in Ordnung. Zwei davon arbeiten seit einigen Jahren Hand in Hand. Da ist der dänisch-deutsche Lautsprecherhersteller Dynaudio (www.dynaudio.de), einer der Großen und Renommierten seines Fachs, der seine Produktion noch fest in den eigenen Wänden in Skanderborg hält.

Und da ist, in deutscher Vertriebsgemeinschaft mit Dynaudio, die HiFi-Gerätemarke NAD (www.nad.de, die heute längst verselbständigte Abkürzung stand einmal für New Acoustic Dimension), die in Kanada residiert und entwickelt, doch wie viele ihresgleichen unter strenger Kontrolle in China produzieren lässt. Beide Häuser haben einen Ruf zu verlieren und verteidigen ihn daher auch mit ihren preisgünstigen Produkten konsequent. Genau in den 2500-Euro-Rahmen passt ein Ensemble aus den Zweiwegelautsprechern Dynaudio Focus 140 (empfohlener Paarpreis 1642 Euro), dem CD-Spieler C 525BEE (395 Euro) und dem Vollverstärker C 325BEE (450 Euro).

Vertreter des spezifischen Designs der Marke

Das BEE steht nun nicht etwa, dem Englischen entnommen, für den Bienenfleiß der Entwickler. Es handelt sich vielmehr um die Initialen von Björn Erik Edvardsen, dem technischen Kopf des 1973 in London gegründeten Unternehmens NAD. Ähnlich wie Ken Ishiwata von Marantz mit dem Kürzel KI adelt der Norweger mit seinen Buchstaben Geräte, die er mit spezieller persönlicher Zuwendung zu kleinen Rekordlern beim Preis-Leistungs-Verhältnis getunt hat. Unsere beiden Kandidaten haben schon Vorgänger: Der CD-Spieler fußt auf dem C 521BEE, einem Verkaufsrenner im NAD-Programm, der Verstärker auf dem C 320BEE, einem würdigen Erben jenes 3020, der mit Klang und Markterfolg HiFi-Geschichte geschrieben hat.

Beide Neuen sind wieder Vertreter des spezifischen Designs der Marke - schlicht und funktionell, aber nicht ärmlich -, das ihnen Einlass in alle Wohnstile verschafft. Viel war für Edvardsen im gegebenen Kostenrahmen am C 521BEE nicht mehr zu verbessern. Die Spurgenauigkeit beim Auslesen der CDs wurde erhöht, was auch das Verdauen unterschiedlicher Rohlinge für Selbstgebranntes erleichtert. Eingebaut wurde ein (analoger) Ausgangsverstärker höherer Qualitätsstufe, der mehr Dynamik und weniger Verzerrungen verspricht. Es blieb bei der kabelfreundlich niedrigen Ausgangs-Impedanz, bei der separaten Spannungsregelung für die digitalen und analogen Abteilungen und beim ungewöhnlich hohen Aufwand für den (koaxialen) Digitalausgang.

Auch am Vollverstärker gab es für Edvardsen noch zu tun, so am diskreten, also auf Einzelbauteile fußenden Schaltungslayout - jetzt weniger Innenwiderstand und Störfelder -, am Lautsprecherausgang durch das Vermeiden unerwünschter Gleichstromanteile, an der (nun adaptiven) Stromversorgung der Leistungstransistoren sowie am Gehäuse (bessere Versteifung, mehr Kühlschlitze). iPods und Konsorten können jetzt direkt an der Gerätefront angeschlossen werden.

Von Bi-Wiring hält Dynaudio nichts

Dynaudios Beitrag zu unserer Anlage hatte Regalboxenformat - 35 Zentimeter Höhe -, ist also auf Ständer angewiesen und wirkte mit seinem Palisanderfurnier (einer von vier Holzarten) sehr edel. Beste Referenzen auch technisch. Die Frequenzweiche ist mit hochwertigen Bauteilen bestückt und vollzieht mit sanften 6 Dezibel je Oktave bei 2400 Hertz den Übergang vom 14 Zentimeter großen Tiefmitteltöner mit Magnesium-Silikat-Polymer- Membran zum Hochtöner mit 3-Zentimeter-Seidenkalotte. Das Gehäuse ist perfekt verarbeitet, gut versteift und mit seinem leicht trapezförmigen Grundriss und gebrochenen Vorderkanten klangoptimiert.

Wer die Frontbespannung aus schwarzem Stoff nicht braucht, sollte sie lieber abnehmen - das rät sogar Dynaudio. Die Bassreflexöffnung an der Rückseite lässt sich bei wandnaher Aufstellung der Boxen mit einem mitgelieferten Schaumstoffstopfen verschließen. Von Bi-Wiring - getrennter Kabelführung für Hoch- und Tiefmitteltöner - hält Dynaudio nichts, das Anschlussterminal hat somit nur zwei Buchsen, die starke Kabel, aber auch Bananenstecker aufnehmen können.

Für hohe Belastung bestens gewappnet

Mit 4 Ohm Nenn-Impedanz und 86 Dezibel Wirkungsgrad sind die Focus 140 nicht ganz ohne Ansprüche an den Verstärker. Der NAD hält ihnen aber mühelos stand. Seine Sinusleistung von 2 × 50 Watt scheint zwar nur moderat, doch ist er für hohe Belastung bestens gewappnet: NAD traut ihm 220 Watt Impulsleistung an 2 Ohm zu, und das dürfte auch für sehr zickige Lautsprecher genügen. Für alle (Party-)Fälle kann man einen Soft-Clipping-Schalter an der Rückwand verschieben, dann werden mörderische Dynamikspitzen gekappt. Sieben Hochpegeleingänge werden standesgemäß über Relais geschaltet (für jeden gibt es einen Knopf und eine Diode an der Front), Puristen wie wir können die Höhen- und Tiefenregler mit einem Defeat-Schalter umgehen, Vorverstärkerzweig und Endstufe sind trennbar.

Der Lautstärkeregler gehorcht dank Motorpotentiometer auch der Fernbedienung, die zudem die Quellenwahl und wichtige Funktionen von NAD-Tunern und -CD-Spielern beherrscht. Die Lautsprecherklemmen sind (wie alle rückwärtigen Buchsen) vergoldet und bananentauglich. Im Standby zieht der C 325BEE recht hohe 14 Watt, weil aus klanglichen Gründen einige Bauteile auch dann aktiviert bleiben; es gibt aber einen Schalter fürs komplette Abkoppeln vom Netz. Das gilt auch für den CD-Spieler mit seinen 9 Watt. An ihm sind nur die wichtigsten Aufgaben direkt am Gerät in Gang zu setzen. Alles andere erledigt seine spezielle Fernbedienung, darunter das Programmieren von bis zu 20 Titeln. Das helle Display, grau auf blau, ist gut abzulesen, etwas aufdringlich breitet sich darauf der Titelkalender aus.

Kommen wir zum Wichtigsten, dem Klang

Wenig erfreulich ist, wie beim Verstärker, das fest installierte dünne Netzkabel anstelle einer Kaltgerätebuchse für gegebenenfalls Höherwertiges. An den resonanzfreudigen Gehäusen kann man dagegen in eigener Regie noch dämpfend tätig werden. Die CD-Schublade fährt mit argen Rumpelgeräuschen aus, das Einlesen nach dem Laden dauert recht lange, und im Display sähe man gern auch die Titel- und nicht nur die Gesamt-Restzeit. Doch alles Wünschbare ist für die Preise der beiden BEE-Geräte offenbar nicht zu verwirklichen.

Kommen wir zum Wichtigsten, dem Klang. Er bewies, dass schon 2500 Euro ans Tor zum HiFi-Paradies führen können. Das NAD-Dynaudio-Trio spielte locker und doch konzentriert, ließ an Dynamik, Räumlichkeit und Durchzeichnung nichts vermissen und kam mit jeder Art von Musikmaterial zurecht - stets füllig und warm, nicht analytisch-streng. Die Lautsprecher sind für ihre Größe enorm bassstark. Grenzen setzte eher die Elektronik: Bei sehr komplexen Klassik-Passagen fehlte es manchmal an der präzisen Sortierung der Instrumente, und brutale Basshiebe (wie etwa auf der immer noch referenztauglichen CD „Tricycle“ von FLIM & the BB's, dmp CD-443) werden leicht verrundet - da sind teurere Geräte naturgemäß besser.

Wann man im Preis höher greifen muss

Aber wenn es um die Klangfarben von Kammermusikensembles geht, um menschliche Stimmen, durchaus auch große Oper, oder um Anblasdetails etwa eines Jazz-Saxophonisten, dann muss man im Preis schon weit höher greifen, um etwas zu finden, was es deutlich besser kann. Hörfreude zu noch erträglichem Aufwand - die konnte unser Ensemble vermitteln, und seine Väter haben nicht zu viel versprochen.

Kleiner Annex: Nur noch wenige Vor- und Vollverstärker, erst recht die preisgünstigen, haben heute noch einen Phono-Eingang für Analog-Plattenspieler, so auch nicht der C 325BEE. Aber selbst hier kann NAD helfen, mit dem Phono-Vorverstärker PP2, der Signale von Moving-Magnet- wie von Moving-Coil-(MC-)Systemen entgegennimmt und sie für den Hochpegeleingang eines Verstärkers aufbereitet. Das Dingelchen (13,5 × 3,5 × 7 Zentimeter) mit solidem Metallgehäuse und Steckernetzgerät verstärkt um 34 (MM) oder 56 Dezibel (MC), klingt super, kostet 99 Euro und ist jeden Cent davon wert.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hersteller

 
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