iPod-Lautsprecher

Apple will die HiFi-Anlage ersetzen

Steve Jobs freut sich über die schicke Box

Steve Jobs freut sich über die schicke Box

11. April 2006 Das mußte ja so kommen: Legionen von Lautsprecher-Konfektionären wetteifern seit Jahr und Tag um die Ehre, die pfiffigsten Lautsprecher-Partner für das Apple-Kultobjekt iPod zu Gehör zu bringen. Jetzt hat die Apfel-Firma selber zugeschlagen - mit einem in Schneewittchen-Weiß gehaltenen Lautsprecher-Kasten, der auf seinem Oberdeck Direktkontakt mit iPods fast aller Formate aufnimmt, um dann als autonomes Hi-Fi-Set zu fungieren. iPod Hi-Fi heißt das 359 Euro kostende Objekt konsequenterweise, und das macht Leute wie uns hellhörig: Wieviel Hi-Fi ist wirklich drin in diesem smarten Quader?

Von den klassischen Pfaden der Hi-Fi-Gerätearchitektur weicht der Apparat immerhin bemerkenswert ab: Alles, was man zur Wiedergabe des linken und des rechten Kanals braucht, steckt in einem einzigen Gehäuse. Auf der Schallwand sitzt also links und rechts je ein Breitband-Chassis mit einer 6,5 Zentimeter großen Konus-Membran, dazwischen ein gemeinsamer, 12 Zentimeter großer Tieftöner in einer Baßreflex-Anordnun.

Andere Musikquellen über Klinken-Buchse

Die Apple-Box arbeitet natürlich aktiv; schließlich bringt der iPod keine eigenen Leistungsverstärker mit. Ihren Versorgungsstrom bezieht sie entweder aus der Steckdose oder - für unterwegs - aus einem Batterie-Fach, das die Beladung mit sechs dicken Mono-Zellen verlangt. Die Strom-Abteilung lädt auch den Akku des iPod, sobald der auf seinem angestammten Platz Stellung bezogen hat.

Über zwei Tasten, gleichfalls auf dem Oberdeck, läßt sich die Lautstärke regeln, eleganter geht es mit der zur Box gehörenden Fernbedienung. Mit ihr kann man auch vom bequemen Sessel aus durch die Musikvorräte auf der iPod-Festplatte zappen oder eine andere Musikquelle zuschalten, die über eine Klinken-Buchse auf der Rückseite des Lautsprechers angeschlossen ist.

Klangharmonie läßt zu wünschen übrig

Der Spaß mit dem iPod-Lautsprecher beginnt beim Auspacken: Der lange Arm erlebnisorientierter Apple-Designer reicht offenbar bis zum gestylten Verpackungsmaterial. Aber die Königsdisziplin eines Schallwandlers ist nun einmal der Klang, und der läßt uns nicht ganz so glücklich zurück, wie wir es von einem Apple-Zögling erwartet hätten. Gewiß: Sitzt der Zuhörer auf gleicher Höhe unmittelbar vor der Box, klingt die Musik aus dem iPod recht ausgewogen - mit respektablem Baßvolumen und durchaus angenehmen, wenn auch etwas zurückhaltenden Höhen. Dann breitet sich sogar eine beachtlich breite Stereo-Perspektive aus, die weit über die Dimensionen der Box hinausgreift.

Lauscht man dem Quader aber aus höherer, tieferer oder seitlich versetzter Position, verschwindet der Höhenglanz, Mitten schieben sich allzu vorwitzig in den Vordergrund, die Klangharmonie läßt zu wünschen übrig. Der Grund liegt auf der Hand: Die Konus-Lautsprecher müssen auch höchste Frequenzregionen bestreiten, für die ihre Membranen eigentlich zu groß sind. Folglich bündeln sie den Schall hoher Töne wie eine Taschenlampe das Licht. Verlassen die Ohren den Klangkegel, bleiben die hohen Frequenzen auf der Strecke. So hält der iPod-Lautsprecher nicht recht, was sein Name verspricht, und dem Hersteller verbleibt genügend Motivation, an einer Folge-Version zu arbeiten.

Wolfgang Tunze



Text: F.A.Z., 11.04.2006, Nr. 86 / Seite T2
Bildmaterial: AP

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