Canon Powershot G10

Allzeit bereit

Von Hans-Heinrich Pardey

Bereitschaftstasche? Heute heißt das natürlich “Softcase“

Bereitschaftstasche? Heute heißt das natürlich "Softcase"

30. Juni 2009 Die Bezeichnung stammt aus der Zeit, als das Fotografieren noch bei jeder Aufnahme Vorbereitung benötigte und der „Schnappschuss“ tatsächlich eine gewisse manuelle Flinkheit voraussetzte. Heute käme wohl niemand mehr darauf, ein Kamerabehältnis als „Bereitschaftstasche“ zu bezeichnen. Aber genau das ist das Zubehör SC-DC60A zur Canon Powershot G10: außen robust genarbtes Leder und innen veloursgepolstert, ein „Softcase“.

Dessen zwei Teile werden von drei Druckknöpfen zusammen- und geschlossen gehalten. Das ist der Clou, den in ähnlicher Form bereits Bereitschaftstaschen vor 60 Jahren hatten: Ein Teil der Tasche wird ins Stativgewinde geschraubt und bleibt immer an der Kamera, bis der Akku oder die Speicherkarte gewechselt werden sollen. Dieser Teil ist schmal und steif gehalten wie ein Rahmen und bedeckt lediglich die Unterseite des Gehäuses und seine Flanken sowie den Teil, der Vorderseite, wo man greift; von oben, vorn und hinten her ist die Kamera mit allen Bedienelementen zugänglich – und vor allem: schussbereit.

Hier eine Abschabung und dort eine Delle

Ein großer Druckknopf auf der Unterseite verbindet die beiden Taschenteile und wirkt zugleich wie ein Drehpunkt zwischen ihnen: Um diesen herum fällt der zweite Taschenteil blitzschnell nach unten aus dem Blickfeld des Objektivs, sobald man die beiden kleineren Druckknöpfe rechts und links an den Seiten löst. Hat man vor, mehr als eine rasche Aufnahme zu machen, trennt man die beiden Taschenteile voneinander.

Unsere Bereitschaftstasche hat mittlerweile hier eine Abschabung und dort eine Delle, dank dieser Leidensfähigkeit des S-DC60A geht es der Kamera aber gut. Denn den einen oder anderen Rempler und Plumpser hatte sie schon zu überstehen, von der ewigen Rüttelei auf vielen, vielen Fahrradkilometern ganz zu schweigen. Anzusehen ist dem am Griff gummiarmierten Metallgehäuse vom ständigen Gebrauch seit knapp acht Monaten nichts – bis auf einen sachten Abtrag des schwarzen Lacks auf der geriffelten Zoom-Wippe.

Sie hat uns nicht ein einziges Mal enttäuscht

In dieser Zeit sind 5000 Aufnahmen entstanden; rein rechnerisch also an jedem einzelnen Tag rund 20 Bilder. Aber so schön ausgeglichen war unser Zusammenleben mit der G10 nicht. Mal stand sie einen Abend lang mit angesetztem externen Blitz auf dem Studio-Stativ für irgendwelche Sachaufnahmen, dann wieder machte sie diskret klickend Reportagebilder in einem Rundfunkstudio. Die Kamera ist an der winterlichen Ostsee gewesen und hat im heißen Auto schmoren müssen. Sie steckte tagelang im klammen Rucksack und immer wieder einfach in Jacken- und Manteltaschen. Sie hatte eine oder anderthalb Wochen lang gar nichts zu tun, und dann musste sie ohne Vorbereitung in einer Stunde 120 Bilder machen.

Was sollen wir sagen? Wir haben die G10 nicht gehätschelt, sondern sie eher rücksichtslos benutzt als einen Gebrauchsgegenstand. Sie hat uns nicht ein einziges Mal enttäuscht – und dafür lieben wir sie. Sie hat nicht wild „Kartenfehler“ geblinkt, wenn man ihr eine fremdformatierte SDHC-Karte einsetzte, und sie hat nicht kommentarlos erst einmal intern gespeichert, um gleich darauf vollen Speicher zu melden, weil gar keine Karte im Schlitz steckte. Glücklicherweise kann die G10 solchen Unfug überhaupt nicht. Sie hat mit ihrem Lithium-Ionen-Akku (7,4 Volt/1050 mAh) nicht gemuckt, und auch nicht beim unbeabsichtigten Einschalten mit dem ausfahrenden Objektivtubus. Ach ja, und der „unprofessionelle“ Lamellen-Vorhang (F.A.Z. vom 17. Januar) vor dem Objektiv schnurrt auf, schnurrt zu, als gäbe es überhaupt nichts anderes.

Leistungsvermögen in den Grenzen der Kompaktklasse

Die G10 bewährt sich als gute Allround-Kamera immer dann, wenn es darauf ankommt, die Ausrüstung wirklich überallhin mitnehmen zu können, um notfalls einhändig aus dem Handgelenk heraus zu fotografieren. Sie bietet nicht die Bildqualität wie eine wesentlich voluminösere, aber etwa gleich teure Spiegelreflex der Einsteigerklasse (um 450 Euro). Die 14,7 Megapixel großen Bilder, das bei 28 Millimeter (Kleinbildäquivalent) und Lichtstärke 1:2,8 beginnende, mit optischer Bildstabilisierung bis 140 Millimeter reichende Objektiv, ein – bei ausreichend hellen Lichtverhältnissen – flotter Autofokus, gleichzeitige Rohdaten- und Jpeg-Speicherung sowie voller Zugriff auf alle fotografischen Parameter, das ist unvollständig umrissen ein Leistungspaket, das den allermeisten Aufnahmesituationen und Bildanforderungen gerecht wird.

Freilich bleibt das Leistungsvermögen der G10 in den Grenzen der Kompaktklasse. Das bei niedrig eingestellter Empfindlichkeit hervorragende Auflösungsvermögen des vor allem im Tele-Bereich erfreulich verzeichnungsarmen Objektivs wird schnell eingetrübt: Canon-typisch greift die Rauschunterdrückung früh ein und bügelt schon ab ISO 200 mit den unerwünschten Graupeln auch so manches Detail weg.

Im Alltag lernt man etliches zu schätzen

Das ist ein Thema, über das die Pixelzähler in einschlägigen Internetforen sich anhand der beliebten Vergleichsfotos aus Testlabors endlos ereifern können, um eine Kamera gegen die andere auszuspielen. Wenn man um diese Art der Bildbearbeitung in der Kamera weiß, lässt sich die einerseits körnige, andererseits zum Pastellartigen neigende Weichheit bei höheren ISO-Empfindlichkeiten durchaus als gestalterisches Mittel einsetzen.

Im Alltag lernt man neben der Robustheit der Kamera etliches zu schätzen: die flinke Belichtungskorrektur, auch wenn sie eine zweite Hand voraussetzt; den raschen Zugriff auf Empfindlichkeitseinstellung, Weißabgleich (bei uns unter der Direktwahltaste als Umschaltung zu Kunstlicht), Messfeldgröße, Messcharakteristik, Blitz und Makromodus. Nicht zuletzt gefällt, dass die Powershot G10 nicht zu klein ist, auch europäisch dimensionierte Finger finden die Bedienelemente sicher.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Pardey

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Immer für eine Antwort gut! Das FAZ.NET-Software-Portal bietet Ihnen intelligente Software-Lösungen. Schauen Sie vorbei unter www.faz.net/software

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche