Fotografie

Aus dem Lager der langen Tüten

Von Hans-Heinrich Pardey

31. Dezember 2007 Wozu braucht der Mensch eine Digitalkamera mit einem Objektiv, dessen Brennweitenbereich erst beim Achtzehnfachen der Anfangsbrennweite endet? Tut es ein Zehnfach- oder Zwölffach-Zoom nicht auch? Man muss sich das wieder mal ins Kleinbildformat umrechnen: In der Fujifilm Finepix S8000 fd und der Olympus SP-560 UZ steckt ein Objektiv, das mit 27 Millimeter als echtes Weitwinkel beginnt und nach stufenlos surrendem Herausfahren mit 486 Millimeter als satte Telebrennweite endet. In der guten alten Zeit war so etwas ein Rohr, das wir im Lederköcher wie ein Blasinstrument mit uns trugen.

Olympus, wo man als Erste ein Achtzehnfach-Zoom in der fürs Reisen noch ausreichend kompakten und dem aktuellen Modell ziemlich gleichenden SP-550 UZ hatte (F.A.Z. vom 17. April), spielt in seiner Werbung verbal mit der Zudringlichkeit solch eines Super-Zooms: „18 × closer. 18 × wilder.“ Netter Hinweis auf Safari-Fotografie etwa im Duisburger Zoo oder Sportfotografie auf Schalke: „Von den Fußballspielern im Stadion bis zur weit entfernten Blaumeise in der Baumspitze“ - mehr als diese in der Tat unterschiedlich schön scharf heranholbaren Motive scheint den Marketingleuten auf Anhieb nicht einzufallen.

Der Vorteil der Superzoomobjektive

Lassen wir die Scharen derer beiseite, die ihre nicht mal ordentlich sechs Meter weit ausleuchtenden Blitze in die dunkle Weite der Stadionnächte hinausfeuern. Es gibt etwas, was diese Superzoomobjektive tatsächlich besser können als ihre kürzeren Kollegen: die Trennung von Vorder- und Hintergrund. Wegen der Kleinheit der Sensoren - bei diesen beiden Kameras sind es 1/2,3-Zoll-CCD mit effektiv 8 Megapixel - müssen fest eingebaute Objektive notorisch kurzbrennweitig sein. Tatsächlich sind es hier 4,7 bis 84,2 Millimeter. Das bringt zwangsläufig mehr Tiefenschärfe mit sich, was erwünscht sein kann.

Zum Beispiel bei einem Porträt möchten wir aber dessen Schärfepunkt vom verschwimmenden Hintergrund lösen. Für diese Aufgabe eignen sich beide Kameras sehr gut. Man muss nur noch ein wenig weiter als ohnehin gut zurücktreten. Während die Weitwinkelperspektive, die sie bieten, sich noch im Rahmen des längst Gewohnten bewegt, gelingen mit offener Blende und weit ausgefahrenem Zoom echte Teleansichten: Nicht nur ist das Entfernte herangeholt, sondern der Vordergrund steht knackig scharf vor einer wie verwischt gemalten Kulisse.

Olympus überzeugt mit Material und Machart

Selten haben wir zwei Kameras in der Hand gehabt, die sich, angefangen von den Abmessungen bis hin zum Grundvorrat ihrer Funktionen, so ähnlich in die gleiche Nische zu schmiegen schienen: Gewiss, die Olympus wirkt schon von Material und Machart des Gehäuses her wertvoller. Mit einem bei rund 320 Euro beginnenden Internetpreis ist sie nur noch wenig teurer als die Finepix (290 Euro bei Versendern im Internet). Beide sind für Rechtshänder echte Einhand-Kameras, beide haben einen 2,5-Zoll-Monitor (230.000 Bildpunkte) und einen Sucher, beide bieten Bildstabilisierung durch Sensor-Bewegung, Gesichtserkennung, eine bei reduzierter Bildgröße bis ISO 6400 reichende Empfindlichkeit, 1/2000 Sekunde als kürzeste Verschlusszeit.

Im Detail erweist sich die Olympus dann als die besser ausgestattete Kamera, nicht nur mit mehr Motivprogrammen, sondern mit prädikativem Autofokus, zahlreichen Bildbearbeitungsmöglichkeiten und als vielleicht deutlichstem Unterscheidungsmerkmal der Rohdatenspeicherung (RAW). Bei der - wie bei ihrer in der Kamera nicht als zwingend anzusehenden Bearbeitung - zeigt sich eine wiederum beiden Kameras gemeinsame Eigenschaft: Sie sind nicht gerade Sprinter; das zögerliche Vorfahren des Objektivs in Arbeitsposition kann genauso nerven wie die Gedenksekunde, die vor dem Ausschalten eingelegt wird.

Finepix gefällt durch Unkompliziertheit

Die Finepix als die erkennbar einfachere von beiden gefällt genau durch diese Unkompliziertheit: Sie lässt sich besser am tiefer ausgeformten Griff halten, ihre Tasten auf dem Gehäuse erhielten durch weniger Design ausreichend große Abstände, die Menüs sind von der bei Fuji

gewohnten Übersichtlichkeit. Beide Kameras kommen - das ist unbedingt lobenswert - mit gewöhnlichen AA-Akkus aus; die Fuji verarbeitet außer xD- auch SD/SDHC-Karten. In der guten Bildqualität sind sich beide Kameras wiederum sehr ähnlich.



Text: F.A.Z., 24.12.2007, Nr. 299 / Seite T2
Bildmaterial: Hersteller

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