Bildbearbeitung

Diese Software macht die Fotos schön

Von Michael Spehr

Vorher-Nachher: Oben das Original, unten das entzerrte Bild

Vorher-Nachher: Oben das Original, unten das entzerrte Bild

15. Mai 2007 Aus guten Fotos bessere machen: Das hört sich an wie Zauberei, funktioniert aber tatsächlich mit moderner Bildbearbeitungssoftware. Wer im Raw-Format fotografiert und die Dateien anschließend mit dem Raw-Konverter des Photoshop öffnet, kennt die vielen Möglichkeiten, die sich dann erschließen. Mit einer Nachkorrektur von Weißabgleich, Farbtemperatur oder Helligkeit lassen sich wunderbare Ergebnisse erzielen. Aber mit passender Software geht noch mehr: Das französische Unternehmen DxO Labs (www.dxo.com) ist mit wissenschaftlicher Akribie dabei, die kleinen und großen Probleme von Kameras und Objektiven einfach „wegzurechnen“.

Zunächst wird durch das Vermessen von Kamera und Objektiven ein individuelles Profil der Hardware erstellt. Mit den Exif-Daten (Exchangeable Image File Format), die in jedes Bild eingewoben sind, ermittelt die Software anschließend, mit welcher Brennweite, Blende und ISO-Einstellung das Foto aufgenommen wurde. Nun können die Mängel der Hardware beseitigt werden: Distorsionen (Verzeichnungen) werden ebenso wie Vignettierungen (Lichtabfall zum Bildrand), Randunschärfen und Bildrauschen herausgerechnet. Ferner werden Belichtung, Farbe, Kontrast, Weißpunkt und Schärfe korrigiert und unterbelichtete Bildbereiche etwas aufgehellt. Das alles hört sich nach Hexerei an, aber die Ergebnisse überzeugen. Neben dem Photoshop ist die DxO-Software das Standardwerkzeug vieler Berufsfotografen.

Fragwürdige Maxime

Es ginge auch “zu Fuß“: Original (oben) und Resultat

Es ginge auch "zu Fuß": Original (oben) und Resultat

Wir nutzen es seit Version 3, und im Dauereinsatz zeigt sich, dass mehr als 90 Prozent aller Aufnahmen davon profitieren. Die hier abgebildeten Fotos stammen vom Hersteller und zeigen die Unterschiede zwischen Original und Bearbeitung natürlich extrem deutlich. Insbesondere ist das Herausrechnen von Verzeichnungen bei Weitwinkelobjektiven spektakulär. Bei den eigenen Fotos sind die Effekte nicht so aufsehenerregend. Aber im Vergleich von Vorher und Nachher sieht man doch deutliche Verbesserungen. Die besten Resultate erzielt man übrigens bei Aufnahmen im Raw-Format.

Aktuell ist die Version 4.2 für Windows XP, Vista und den Mac, und da hat sich einiges getan. Nach wie vor kauft man eine Variante für ein Kameramodell. Es werden die wichtigsten Spiegelreflex von Canon, Nikon und Konica Minolta unterstützt und ein Dutzend Kompaktkameras. Bei den Spiegelreflex sollte man vorab auf der Internetseite nachsehen, ob die eigenen Objektive dabei sind. Denn ohne die Objektivdaten kann die Software nichts korrigieren. Und zu allem Überfluss kommt DxO Optics Pro in drei Varianten: „Starter“ für 64 Euro richtet sich an den Besitzer einer Kompaktkamera und verarbeitet keine Raw-Dateien. „Standard“ für 124 Euro arbeitet mit den Spiegelreflexkameras der Einsteigerklasse zusammen, und wer eine besonders gute Ausrüstung hat, muss die sonst identische Version „Elite“ für 250 Euro nehmen: Wer sich eine teure Kamera leisten kann, zahlt mehr Geld für die Software, lautet die fragwürdige Maxime. Auch die komplizierte Kaufabwicklung via Internet und die Zwangsregistrierung sind zu kritisieren. Die Software hat derzeit eine englische Bedienungsoberfläche, das Handbuch gibt es nur als PDF-Datei (in deutscher Sprache).

Etwas enttäuschendes Photoshop-Plugin

Ist dann endlich das Paket installiert, zeigt sich DxO Optics 4.2 in schickem Gewand: Der Arbeitsbereich wurde grundlegend umstrukturiert. Nun sieht man links Laufwerke und Ordner, kann rechts die Bilder zur Bearbeitung auswählen, und es erscheint unten eine kleine Vorschau der Auswahl. Dass man jeden Vorgang eigens als „Projekt“ speichern muss, ist ziemlich lästig, und die Bedienung könnte insgesamt etwas einfacher sein. Auch nervt im Dauereinsatz, dass regelmäßig Programm-Updates im Umfang von 100 Megabyte zu laden sind. Aber dann geht es endlich los: Der Reihe nach werden alle Fotos abgearbeitet. Man kann vorher etliche Parameter festlegen, etwa ein Feintuning der verschiedenen Einstellungen wie Farbtemperatur, Schärfe und Bildgeometrie vornehmen.

Aber in der Praxis sind die vorgegebenen Werte für die meisten Fotos genau richtig, und im Dauereinsatz lässt man DxO einfach die Bilder in einem Verzeichnis bearbeiten, mit neuem Namen ausgeben und vergleicht dann hinterher, ob einem das Original oder die DxO-Fassung besser gefällt. Version 4.2 arbeitet etwas schneller als die Vorgängerin, indes ist bei 100 Aufnahmen noch immer eine längere Kaffeepause angesagt. Schade, dass die Software nicht die verbleibende Bearbeitungszeit angibt. Bei der Ausgabe der Fotos kann man übrigens Raw-Dateien im JPG- oder DNG-Format speichern lassen. Etwas enttäuschend ist jedoch das neue Photoshop-Plugin. Es heißt zwar Plugin, aber wer unter den Zusatzmodulen sucht, wird nichts finden. Vielmehr lässt sich DxO über das Dateimenü (Import) aufrufen, und dann startet das Programm so, wie es auch auf dem Desktop läuft. Es gibt also keine echte Photoshop-Integration.

Es geht auch „zu Fuß“

Im praktischen Einsatz mit der Nikon D70s waren jedoch die Ergebnisse hervorragend, insbesondere bei Raw-Aufnahmen. Fast jedes Bild gewann durch die nachträgliche Bearbeitung. Die tonnenförmigen Verzeichnungen in der Bildmitte, die besonders bei geometrisch exakten Strukturen auffielen, waren beseitigt. So gut wie alle Bilder hellte DxO ein bisschen auf, weil die Nikon sehr zurückhaltend belichtet. Auch damit waren wir durchweg einverstanden. „Abgesoffene“ dunkle Bildpartien wurden restauriert sowie Kontrast und Schärfe auf sinnvolle Werte eingestellt. Neu sind Funktionen für eine differenzierte Anpassung von Farbwiedergabe und -abstimmung.

Auch bei der nachträglichen Belichtung hilft die Software

Auch bei der nachträglichen Belichtung hilft die Software

Damit kann man beispielsweise ein Digitalfoto so aussehen lassen, als ob es analog mit einem Ektachrome-Film aufgenommen wäre. Mit dem Mehrpunkt-Farbabgleich lassen sich sehr schnell bis zu vier Farben für das gesamte Bild ändern. Und damit ist klar: Man kann natürlich diesen und andere Tricks von DxO Optics Pro auch „zu Fuß“ mit dem Photoshop anwenden, sofern entsprechende Kenntnisse vorhanden sind. Nur muss man dann jedes Bild eigens „in die Hand nehmen“, während DxO die Nachbearbeitung in einem Rutsch und automatisch erledigt. Für den anspruchsvollen Fotografen ist die französische Software also trotz ihrer kleinen Mängel sehr empfehlenswert.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.05.2007, Nr. 18 / Seite V16
Bildmaterial: Hersteller

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