Von Wolfgang Tunze
11. November 2008 Lautsprecher, so haben es uns die HiFi-Altvorderen beigebracht, sollten sich im Wohnzimmer mit gestandener Korpulenz, mit ganzheitlichem Zugriff auf das Musikgeschehen und mit profundem Bass Respekt verschaffen. Eigentlich gilt diese Maxime ja bis heute, aber die modernen Zeiten verlangen eben auch ihren Tribut an das Spielerische, das Zierliche, das Dekorative und das Originelle. Solche Zielkonflikte haben bei Elac, einem Lautsprecher-Hersteller mit norddeutscher Erdung und wertkonservativer Grundausrichtung, immer wieder mal zu überraschenden Lösungen geführt. Die jüngste sieht aus, als wollte sie gleich den ganzen Katalog zeitgemäßer Anforderungen abarbeiten.
Das Konzept ist keineswegs neu: Die beiden Stereo-Lautsprecher delegieren die gesamte Bassübertragung an einen gemeinsamen Boxenwürfel und kommen deshalb mit knappen Abmessungen aus. 2.1 heißt die eingängige Technik-Formel für diese Konfiguration. Bemerkenswert ist aber, wie radikal Elac dieses Rezept umgesetzt hat: Die 301 genannten Stereo-Satelliten ragen kaum mehr als zwölf Zentimeter in die Luft, und der passende Bassist, Microsub 2010 genannt, geht mit seinem 22-Zentimeter-Vertikalmaß noch nicht einmal als Dreikäsehoch durch. Damit empfiehlt sich das Trio, das auch auf den gemeinsamen Namen Micromagic 2.1 hört, fürs Bücherregal, fürs Fensterbrett oder für den Schreibtisch.
Keine Nebengeräusche auf gläsernem Regalboden
Aber kann es dort auch mit erwachsener Stimme aufspielen? Im Inneren der kleinen Lautsprecher steckt jedenfalls respektable Technik. Die beiden Satellitenboxen etwa, jeweils 1,2 Kilogramm schwer, arbeiten als echte Zwei-Wege-Konstruktionen mit magnetisch abgeschirmten Chassis. Das Bass-Klötzen lässt zwei Tieftonmembranen mit dem Durchmesser einer CD schwingen, und zwar im "Push-Push/Pull-Pull"-Betrieb: Beide schwingen gleichzeitig nach außen und nach innen. So arbeitet der Lautsprecher vibrationsfrei, sorgt also nicht einmal auf einem gläsernen Regalboden für Nebengeräusche. Durch Öffnungsschlitze über der Boden- und unter der Deckplatte entlässt der Quader den Ton nach außen.
Das Bass-Paket birgt auch die gesamte Verstärkerelektronik für die eigenen Chassis und die beiden Satelliten; 80 Watt Dauerleistung gibt der Hersteller an. Eine weitere Elektronik-Dreingabe macht das Ensemble besonders interessant: Ein eingebautes Bluetooth-Modul nimmt die Musik drahtlos von geeigneten Zuspielern entgegen, zum Beispiel von Notebooks oder Tisch-Computern mit iTunes-Musiksammlungen, von Mobil-Telefonen mit MP3-Abteilungen oder von speziellen MP3-Playern, die einen Bluetooth-Sender haben. Einzige Voraussetzung für den Drahtlos-Transfer: Die Sendegeräte müssen das Bluetooth-Audio-Profil A2DP unterstützen.
Den Subwoofer als bunten Zauberwürfel
Das komplette, in Aluminium-Gehäuse gewandete Ensemble ist souverän verarbeitet, mitgeliefertes Zubehör erlaubt die Wandmontage der Satelliten, je nach Einrichtung kann man zwischen schwarzer und weißer Lackierung wählen. Wer es ganz extravagant mag, kann den Subwoofer als bunte Cube Edition ordern: Elac baut eine limitierte Auflage nach dem Vorbild des Zauberwürfels, des legendären 3D-Puzzles aus den 80er Jahren.
Und wie klingen Elacs Boxenzwerge? Das kommt darauf an, könnte man sagen, denn die kleine Anlage bietet Gestaltungsspielräume: Ein Schalter auf der Rückseite legt fest, ob der Tieftöner bis 60, bis 120 oder bis 180 Hertz arbeiten soll. Ein Pegelregler dosiert seine Lautstärke im Verhältnis zu den Satelliten, und ein weiterer Drehknopf gibt die Gesamtlautstärke vor. Wir erzielten mit der 120-Hertz-Einstellung die besten Ergebnisse und hatten einfach Spaß mit den drei Knirpsen. Denn sie tönen nicht nur mit verblüffend kräftigen, sondern auch mit schönen Stimmen: Das Tieftönerchen sorgt für ordentliche und sogar erstaunlich präzise Bässe, die Stereo-Satelliten spielen frisch und mit beachtlicher Würdigung der natürlichen Klangfarben.
Gewiss, die Mikro-Elacs schütteln die Musik nicht so lässig aus dem Ärmel wie große Standboxen. Dennoch wachsen sie musikalisch über ihre physische Größe deutlich hinaus. Aus berufsbedingter Neugier haben wir den Tieftöner dann auch mal mit Flachbild-Fernsehern kombiniert, die ihrer Natur nach wenig Luft für große Töne haben. Auch hier bewährt sich der kompakte Bassist: als echte Bereicherung des akustischen Parts, nicht zuletzt, weil er sich gut an seine Mitspieler anpassen lässt. So sind die 900 Euro, die der Subwoofer solo kostet, gut angelegt, ebenso wie die 1400 Euro, die der Händler für das komplette Dreigestirn verlangt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hersteller, Wolfgang Tunze