Von Hans-Heinrich Pardey
21. April 2008 Ambitioniertes Digitalfotografieren setzt eine Spiegelreflexkamera voraus. Das hämmert die Industrie - mit Erfolg - den Käufern ein, seit dieser Bautyp besonders erschwinglich gemacht worden ist. Der Grund für das Werbetrommelfeuer ist ganz einfach: Die Hersteller verdienen ihr Geld mit den Wechselobjektiven. Die gibt es zu der Bridgekamera Fujifilm Finepix S100FS allerdings nicht. Sie hat fest eingebaut ein neues Fujinon 1:2,8-5,3/7,1- 101,5 mm mit optischer Bildstabilisierung. Das aus 13 Elementen in zehn Gruppen samt einer asphärischen Linse und einer mit hohem Brechungsindex aufgebaute Drehzoom reicht damit von 28 bis 400 Millimeter Kleinbildbrennweite.
So, wie sie aus der Schachtel kommt, ist diese Kamera buchstäblich eine Wucht: ein Kilogramm, das gut ausgewogen von einer (rechten) Hand zu halten ist; ein solides Kunststoffgehäuse, das einen das Knarzen und die Anmutung einer S9600 oder S6500 vergessen lässt. Niemand braucht sich der S100 schämen, wenn er meint, er müsse eine professionelle Kamera herzeigen. Da gibt es bei dieser hier bestimmt keine Rückfragen.
Eine erstaunliche Rauscharmut
Sie hat einen neuentwickelten 2/3-Zoll-CCD-Sensor - für die an dieser Stelle immer laut mitzählenden Fans: einen Supper CCD HR der achten Generation mit 11,1 Megapixel. 2/3 Zoll als Diagonalen-Maß, das ist eindeutig weniger Sensorfläche, als sie eine Spiegelreflex bietet. Aber im Verein mit dem Real Photo Prozessor III wird doch bis zu der noch bei voller Bildgröße einzustellenden Empfindlichkeit von ISO 3200 eine erstaunliche Rauscharmut erreicht. Die noch höheren Empfindlichkeiten ISO 6400 und 10.000 gehen einher mit einer Reduzierung der Bildgröße auf 6 und 3 Megapixel.
Befeuert nicht mehr von AA-Akkus, sondern von einem eigenen 1150-Milliampèrestunden Lithium-Ionen-Block, fährt die S100 so gemächlich hoch, dass man 21, 22 sagen kann, bis sie voll da ist. Der Hauptschalter hat nur noch zwei Stellungen, was gut ist. Für die Wiedergabe von Aufnahmen gibt es eine eigene Taste an der Rückfront. Dorthin hätten wir uns neben der ISO-Taste, die hinter dem Auslöser sitzt, auch den Zugang zum Weißabgleich und vielleicht noch eine frei wählbare Funktion unter einer gemeinsamen Taste gewünscht. Doch Fuji ist bei der S100 nicht nur von den zwei Schächten für Speichermedien der S9600 zugunsten nur eines Schachts für xD- und SDHC-Karten abgegangen, sondern auch von der F-Taste.
Nicht nur eine Spielerei
Gerade die hätte nun zur S100 besonders gut gepasst, steht doch der Zusatz FS für Filmsimulation: Nachdem man sich auf die erste von drei Menüseiten zum Thema Aufnahme begeben hat, stehen einem außer den Optionen Weich und Porträt zwei Fuji-Filme zur Auswahl: der Allrounder Provia und der farbsatt-samtige Velvia. Das lässt sich manuell weiter differenzieren, und es ist nicht nur eine Spielerei, was da aus dem Spitzenmodell Finepix S5Pro als Besonderheiten zur S100 heruntergereicht wird.
Nicht in jedem Fall geschieht das 1:1: In der S100 ist der gesteigerte Dynamikumfang nicht durch Extrapixel des Sensors wie bei der S5Pro realisiert Die Automatik, die man durch Einstellen von 100, 200 und 400 Prozent korrigieren kann, ist neben dem deutlich schneller als in der S9600 gewordenen Autofokus wohl die Funktion, die sich am stärksten positiv auf die Bildergebnisse auswirkt: Auch bei höherer Empfindlichkeit tiefe Schatten, aber keine ausgefressenen Lichter, auch auf geringste Distanz keine überblitzten Bilder.
Mehr Kamera braucht kein Mensch
Je mehr man sich mit der S100FS beschäftigt, desto deutlicher wird: Für eine Nicht-Spiegelreflex von ihrer Qualität sprechen abgesehen vom Preis, der sich im Internet auf die 500-Euro-Marke zubewegt, eine ganze Reihe von Gründen: Sie ist leise - und imitiert allenfalls auf Wunsch die bauartbedingte Geräuschkulisse einer Spiegelreflex. (Beim Porträtieren haben wir die Situation erlebt, dass es entspannend auf das Modell wirken kann und deshalb nützlich ist, wenn es ordentlich klack macht - aber sonst?) Man hat mit einem Gegenstand seine ganze Fotoausrüstung bei sich - kein Objektivwechsel, weil man ein wenig weiter, als das Standardobjektiv reicht, zoomen will. Staub und Abstauben des Sensors sind kein Thema.
Live View - sehen, was der Sensor sieht und abbilden wird - ist kein Extra, sondern der Normalfall - im verbesserten Sucher wie auf dem kippbaren Monitor (2,5 Zoll, 230.000 Bildpunkte). Dass man mit einer Bridgekamera auch Bewegtbilder aufnehmen kann, ist manchem sicher wichtig: Wir haben es in unserer Betrachtung völlig außen vor gelassen. Genauso wie die diversen Motiv-Modi, von denen es allein für die Landschaftsfotografie vier verschiedene gibt, nicht zu reden von der Möglichkeit, eigene Einstellungen in zwei Speichern abzulegen, Rohdaten zu speichern, Serien zu belichten, mit der verbesserten Gesichtserkennung zu arbeiten oder wirklich flink durch die gemachten Aufnahmen zu blättern. Kurz und gut: Mehr Kamera braucht kein Mensch.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: FAZ.NET-Andreas Brand, Pardey
