Von Wolfgang Tunze
23. Oktober 2009 Das Feld jener zwergwüchsigen Mobil-Kopfhörer, die den Beinamen In-Ear tragen, weil ihre Besitzer sie direkt in die Gehörgänge stopfen, haben wir in den vergangenen Monaten hinreichend beackert. So wird es Zeit, sich wieder einmal mit der eher klassischen Spezies auseinanderzusetzen, die nach alter Väter Sitte die Ohrmuschel von außen abdeckt. Am Kriterium der Reisetauglichkeit halten wir gleichwohl fest - aus gegebenem Anlass: Sennheiser bringt derzeit mit seinem MM 450 Travel genannten Modell eine Neuheit in die Läden, die für arrivierte Vielflieger und Bahncard-Nutzer geradezu maßgeschneidert scheint. Wir hatten das Gerät (Preis um 300 Euro) im Reisegepäck dabei.
Hörkapseln mit einem Durchmesser von etwa sechs Zentimetern und ein Einsatzgewicht von 105 Gramm reihen den tönenden Begleiter irgendwo zwischen den klassischen HiFi-Hörern und den typischen Unterwegs-Modellen ein. Immerhin lässt er sich zusammenfalten, um in seinem mitgelieferten Täschchen nicht allzu viel Platz zu beanspruchen. Und dass er nicht eben federleicht geriet, hat mit seinem elektronischen Innenleben zu tun. Trotzdem trägt er sich selbst im Dauereinsatz angenehm, dank seiner weichen Kunstlederpolster am Stahlbügel und an den Kapseln.

Der MM 450 Travel taugt gleich noch als Headset
Der neue Sennheiser kann, wie beliebige andere Modelle, über ein ansteckbares Kabel Kontakt zum Musiklieferanten halten. Seine eigentliche Mission aber ist die Drahtlosigkeit: Über Bluetooth-Funk empfängt er, was multimediataugliche Smartphones wie das iPhone musikalisch von sich geben, und weil Bluetooth auch das Telefonieren unterstützt, taugt der MM 450 Travel gleich noch als Headset: Meldet sich ein Anruf, genügt ein Druck auf eine große, zentrale Taste an der rechten Hörkapsel, um dem Musikprogramm eine Pause zu verordnen und das Gespräch anzunehmen. In den Hörer eingebaute Mikrofone sorgen dafür, dass der Sprachverkehr in beide Richtungen funktioniert.
Zur gegebenen Zeit lässt sich das Gespräch mit einem weiteren Tastendruck beenden. Die Musik spielt dann automatisch weiter. Zusätzliche Winzig-Tasten schalten von Musikstück zu Musikstück, lösen schnellen Vor- und Rücklauf aus und justieren die Lautstärke. Damit nicht genug: Der kompakte Sennheiser hat auch noch einen Noisegard genannten elektronischen Geräuschkiller an Bord, der dröhnenden Turbinen und ratternden Fahrgestellen den Schrecken nehmen soll. Trotzdem sind mitmenschliche Dialoge möglich: Die Talkthrough-Funktion schaltet die Außenwelt auf Tastendruck über die Mikrofone zu.
Die Stromzelle reicht für mindestens acht Stunden Hörgenuss
Zur Stromversorgung dient ein Akku, der über ein USB-Kabel geladen wird. Der Clou: Die für mindestens acht Stunden Hörgenuss ausreichende Stromzelle ist mit einem Handgriff austauschbar, macht also auch gern einem Reserve-Akku Platz und lässt sich am Ende ihres Lebenszyklus leicht ersetzen. Vor dem ersten realen Funkeinsatz verlangt das sendende Smartphone sogenanntes Pairing, eine Prozedur der wechselseitigen Erkennung der beteiligen Geräte. Die geht etwas umständlich von der Hand, entfällt aber vor allen Folge-Einsätzen. Mit dem iPhone sind Überraschungen möglich: Erst vom Betriebssystem 3.0 an versteht sich der Apparat auf das Bluetooth-Profil A2DP, das die Übertragung von Stereo-Musik erschließt. Immerhin: Das Telefonieren klappt auch mit älteren, noch nicht aktualisierten iPhone-Modellen. Die sichere Bedienung verlangt ein bisschen Übung, nicht nur, weil man die Tasten am Ohr erfühlen muss: Sie sind auch mehrfach belegt und lösen, je nach Dauer des Drucks, ganz unterschiedliche Funktionen aus. Ohne Bedienungsanleitung also geht zunächst einmal gar nichts.
Und der Klang? Wir haben ihn zunächst am Kabel ermittelt und dabei nebenher festgestellt, dass der Sennheiser in dieser Anschlussart nicht besonders laut agiert. Am iPod reicht der Pegel gerade eben - was der Gesundheit des Gehörs durchaus zugutekommt. Im Funkbetrieb sorgt der eingebaute Verstärker für satte Lautstärkereserven. Das Klangbild des Sennheiser ist ausgesprochen gefällig und unaufdringlich, mit wohldosierten, fast zurückhaltenden und dennoch sauberen Höhen, schönen, vollen Grundtönen und beachtlich tiefen, trockenen und kompakten Bässen. All das kommt dem genussvollen Hören auf längeren Reisen entgegen. Die Bluetooth-Übertragung beeinträchtigt die Dynamik und Klarheit nur in geringem, durchaus tolerablem Umfang. Und der Geräuschdämpfer schafft zwar nicht jeden Radau, macht das Hören aber dennoch viel angenehmer, ohne den Klang zu mindern. Kurzum: Als Reisebegleiter wäre uns der talentierte Sennheiser jederzeit willkommen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hersteller