Von Wolfgang Tunze
04. August 2006 Wenn es um High-Definition-Camcorder in reisetauglichen Formaten geht, dann hat Sony mit seinen beiden Modellen HDR-HC1E und HDR-HC3E dem Rest der Branche, der eben erst beginnt, sich mit dem Thema zu befassen, den Schneid abgekauft. Jetzt will der Hersteller seinen Vorsprung noch weiter ausbauen: mit den beiden für September angekündigten HD-Modellen HDR-UX1E und HDR-SR1E.
Beide sollen, ebenso wie die zwei bereits etablierten Aufnahmemaschinen, mit 1080 Zeilen filmen, nur diesmal ganz ohne Kassettenband. Der HDR-UX1E setzt auf eine acht Zentimeter große DVD als Bildspeicher, der HDR-SR1E wird mit einer eingebauten, 30 Gigabyte großen Festplatte arbeiten.
Neue Kompressionsverfahren
In beiden Fällen brauchen die Geräte neue Kompressionsverfahren, um auf akzeptable Spielzeiten zu kommen. Sie verbergen sich hinter dem Kürzel AVCHD, einem Standard, den Sony gemeinsam mit Panasonic entwickelt hat. AVCHD-Camcorder nehmen mit dem besonders effizienten Video-Kompressionsverfahren MPEG-4 AVC/H.264 auf. Mit demselben Verfahren also, das auch HDTV-Fernsehprogramme auf überschaubare Datenmengen eindampft. Den Ton kodieren sie entweder als zweikanalige PCM-Signale oder mit 5.1-Kanälen in Dolby Digital - mithin als echten Heimkino-Surround-Sound.
Die beiden neuen Sonys können mit unterschiedlichen Datenraten filmen; als beste Qualität bieten sie die Aufnahme mit zwölf Megabit je Sekunde an. Auf einem Zweischicht-Rohling vom Typ DVD+R Double Layer verewigt der HDR-UX1E in diesem Aufnahmemodus 27 Minuten, der Festplattenapparat HDR-SR1E schafft etwa fünfeinhalb Stunden.
AVCHD-Standard findet Unterstützung
Der AVCHD-Standard wird bereits von Canon, Pioneer, Samsung und Sharp unterstützt. In diesem Format bespielte DVDs lassen sich nicht mit konventionellen DVD-Playern wiedergeben. Sony und Panasonic wollen aber künftig AVCHD-konforme DVD-Player und Blu-ray-Abspielgeräte auf den Markt bringen. Auch die Playstation 3 soll AVCHD-Videokonserven wiedergeben können.
AVCHD spezifiziert sogar die Videoaufnahme mit Festspeichermedien wie der SD-Card. Panasonic favorisiert die kleine Chipkarte schon jetzt als Aufnahmemedium für winzige Camcorder, die in Standard-Auflösung filmen. So ist es nur wahrscheinlich, daß der Hersteller zur Funkausstellung ähnliche Video-Zwerge zeigen wird, die nach AVCHD-Manier in feinster High-Definition-Auflösung drehen.
Text: F.A.Z., 01.08.2006, Nr. 176 / Seite T2