Von Peter Thomas
08. Oktober 2006 Megapixel. Es muß 1999 gewesen sein, daß dieses Wort zum ersten Mal auf unserer neuen Kamera stand. Zwei Megapixel. Das gab die zwei Millionen Bildpunkte an, aus denen der Sensor bestand und mit denen die Bildinformationen gesammelt wurden. Megapixel. Der Klang dieser Maßeinheit kam uns irgendwie bekannt vor. Richtig: Schon beim Computer wurden im Lauf der stürmischen Evolution die Bytes nicht mehr in Tausenderschritten gezählt, sondern nach Millionen.
Bis zu 17 Millionen Pixel
Heute fotografieren wir mit Kameras, die Bilder mit bis zu 17 Millionen Pixel liefern. Das ist bei niedriger Empfindlichkeit noch gut für Abzüge bis 70 auf 100 Zentimeter: Bei Größtformaten steht der Betrachter ja nicht gerade mit der Nase am Fotopapier, oder? Wo die Meßlatte in dieser Diskussion wirklich liegt, das zeigen Arbeiten wie die Abzüge von Gerhard Launer. Der Luftbildfotograf belichtet seine aus dem Fenster einer Cessna gemachten Aufnahmen im Format 100 auf 160 Zentimeter aus: scharf bis zum Zehntelmillimeter, Zeichnung ist noch in den feinsten Schattierungen, selbst aus wenigen Zentimeter Entfernung sind keine Artefakte oder Farbränder zu sehen. Das Wolkenfeld bei Sonnenaufgang auf einem dieser Fotos hat einen Kontrastumfang, der uns alle Klischees über das Digitalbild überdenken läßt.
Schwedische Bilderfänger für 23.900 Euro
39 Millionen Pixel lautet das Geheimnis, erklärt Luftfotograf Launer. Auf das Rezept der größtmöglichen Datenmenge hat er schon in analogen Zeiten gesetzt. Mittlerweile braucht Launer dicke Festplatten, denn der Würzburger ist auf die Digitalkamera H2D39 von Hasselblad umgestiegen. Der Sensor dieses Fotoapparats mißt 1800 Quadratmillimeter - mehr als doppelt so groß wie ein Kleinbildnegativ. Mit diesem Chip kratzt die H2D39 vernehmlich an der Schwelle zu 40 Millionen Pixel. Im Paket mit dem 80-Millimeter-Normalobjektiv kostet der schwedische Bilderfänger netto 23 900 Euro. Also keine Kamera für den Massenmarkt. Aber Hasselblad weist mit diesem Boliden in die Zukunft der digitalen Fototechnik: Wo es nicht um die Ästhetik des klassischen Films, sondern allein um die physikalische Bildqualität geht, werden auch die letzten Bastionen analoger Fotografie bald fallen.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.10.2006, Nr. 40 / Seite V16
Bildmaterial: F.A.Z.