Scanner-Test

Mit dem zweiten Auge sieht man leider doch nicht besser

Von Michael Spehr

Kein Ersatz für einen Filmscanner: der Perfection V750 Pro

Kein Ersatz für einen Filmscanner: der Perfection V750 Pro

11. Oktober 2006 Die neue Digitalkamera begeistert. Zurück zur herkömmlichen Fototechnik möchte man nicht. Aber was geschieht mit den alten Aufnahmen aus analogen Zeiten? In der Schublade liegenlassen oder digitalisieren? Wer einen Schatz aus Tausenden von Negativen oder Dias hütet, denkt über die Anschaffung eines Scanners nach. Günstige Flachbettscanner sind schon für weniger als 100 Euro zu haben. Mit einem zusätzlichen Durchlichtaufsatz kann man dann auch Dias oder Negative einlesen. Allerdings war bisher die Qualität dieser Kombis eher dürftig. Fachleute raten zu einem eigenen Filmscanner. Nun ist Epson mit seinem Perfection V750 Pro das Thema noch einmal neu angegangen - und hat für sein 800-Euro-Gerät gleich den begehrten Eisa-Preis der European Imaging and Sound Association als „Europäischer Scanner des Jahres“ geholt. Wir haben uns das große (50 × 30 × 12 Zentimeter) und 6,6 Kilogramm schwere Gerät einige Zeit angesehen.

Die dicke Haube fällt beim Einrichten als erstes auf. Wird der Epson als Flachbettscanner genutzt, verbirgt eine weiße Abdeckung die Leseeinheit des Durchlichtaufsatzes. Die Software ist schnell installiert. Im Lieferumfang befinden sich neben den Twain-Treibern von Epson auch EZ Color für die Verwaltung von Farbprofilen und die professionelle Scansoftware Silverfast AI von Lasersoft Imaging (für deren Inbetriebnahme leider eine Zwangsregistrierung mit privaten Daten erforderlich ist). Ein gedrucktes Benutzerhandbuch gibt es nicht. Der Anschluß an den PC erfolgt wahlweise via USB 2.0 oder Firewire.

Epson schummelt bei den technischen Daten

Als Flachbettscanner eingesetzt, brachte der Epson ganz hervorragende Ergebnisse. Die optische Auflösung liegt bei maximal 4800 Punkten je Zoll, und der V750 Pro erreicht eine Farbtiefe von 48 Bit. Mit der ICE-Technik (Image Correction & Enhancement) des Unternehmens Applied Science Fiction werden Staub und Kratzer zuverlässig erkannt und beseitigt. Die Treiber von Epson überzeugen mit einer besonders einfachen Bedienung. Bei der Silverfast-Software hingegen ist der Leistungsumfang immens. Kurzum: Im Flachbettbetrieb gefällt der Perfection V750 Pro mit guter Qualität und hohem Arbeitstempo.

Will man die Durchlichteinheit nutzen, sind zunächst Umbauarbeiten erforderlich: die weiße Abdeckung entfernen und eine der vier Schablonen für die Aufnahme des Filmmaterials auswählen. Der Perfection verarbeitet 35-Millimeter-Film, gerahmte Dias, Mittelformat-Filme bis zu 6 × 20 Zentimeter und Großformat-Filme. Im Stapelbetrieb können bis zu zwölf gerahmte Kleinbilddias oder vier Filmstreifen eingelesen werden. Anschließend hat man wieder die Wahl zwischen der Epson- und der Silverfast-Software, und dann ist - je nach Auflösung und Material - erst einmal abzuwarten. Für das Scannen eines Dias mitsamt automatischer ICE-Bearbeitung kann man mit gut fünf Minuten rechnen.

Die optische Auflösung bei Filmvorlagen soll 6400×9600 Punkte je Zoll betragen. Gute Filmscanner haben nicht mehr zu bieten, und mehr ist aus analogem Material auch kaum herauszuholen. Indes schummelt Epson bei den technischen Daten: Real erreicht der Scanner 1900 Punkte je Zoll, wie die Messungen der Fachzeitschrift „Colorfoto“ ergaben. Auch hinsichtlich der Bildqualität wird bei Kleinbildaufnahmen das Niveau eines guten Filmscanners nicht erreicht. Im Vergleich mit dem Nikon Coolscan V ED sind die Unterschiede sofort sichtbar, und der Epson arbeitet zudem deutlich langsamer. Für den gelegentlichen Einsatz ist der Durchlichtaufsatz also brauchbar, ebenfalls für Mittel- und Großformatfotografen, aber ein Ersatz für einen eigenständigen Kleinbild-Filmscanner ist er nicht, wenn es um hohe Ansprüche geht.

Text: F.A.Z., 10.10.2006, Nr. 235 / Seite T2

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