Von Wolfgang Tunze
07. August 2008 Wer seine Musik nur noch im iTunesLaden kauft, der ist für den Rest der Hardware-Welt verloren: Abspielalternativen zum iPod scheiden dann letztlich aus. Für alle anderen gilt: Auch andere Mütter haben schöne Töchter, darunter auch solche, die sich ähnlich gut mit der Windows-Welt vertragen wie die Apple-Jukebox mit der Software-Umgebung aus dem Macintosh-Lager. Eine der Alternativschönheiten stammt von Philips und schmückt sich mit dem Familiennamen Gogear.
Den flachen Multimedia-Player gibt es in verschiedenen Versionen mit 4, 8 oder 16 Gigabyte Speicher, eine besonders luxuriöse Modellvariante hat außerdem noch eine Bluetooth-Funkstation an Bord, um die Musik drahtlos an mit passenden Empfängern ausgerüstete Autoradios, HiFi-Anlagen oder Kopfhörer zu übertragen.
Der erste Pluspunkt geht an Philips
Wir haben uns mit dem Einsteigermodell der aktuellen Gogear-Baureihe näher befasst, einem Multimedia-Zwerg der 4-Gigabyte-Klasse mit der Typenbezeichnung SA5245. Er legt den Vergleich mit dem iPod Nano nahe, den es ebenfalls als 4-Gigabyte-Version gibt. Der erste Pluspunkt geht schon mal an Philips: Der Gogear-Player ist schon für 100 Euro zu haben, Apple verlangt für den Einsteiger-Nano 39 Euro mehr.
Der nächste Pluspunkt: Das sieben Zentimeter messende Philips-Display ist um zwei Zentimeter größer als das Sichtfenster des iPod, löst allerdings ebenfalls nur 320 mal 240 Pixel auf. Die Punktwertungen für Gehäusemaße und Gewicht gehen klar an Apple: Der Nano ist drei Zentimeter kürzer, drei Millimeter flacher und mit knapp fünfzig Gramm nur halb so schwer wie das Philips-Aggregat - für besonders bewegliche Zeitgenossen ist das vielleicht schon ein tragendes Kriterium.
Was können die Apparate? Beide spielen neben MP3 auch das iTunes-Format AAC, der Philips verträgt Letzteres allerdings nur, wenn es keinen Kopierschutz hat. Außerdem versteht sich der Gogear auf Windows Media Audio - auch in kopiergeschützter Form. Musik aus einem Online-Shop mit Microsoft-Technik läuft also klaglos. Bildarchive laden beide Geräte im üblichen jpg-Format. Filme zeigt das Philips-Modell in Windows Media Video (WMV) oder in MPEG-4; mitgelieferete Konvertierungs-Software kann passende Dateien für unterwegs erstellen. Der Apple-Wicht bevorzugt den Video-Standard H.264, hier hilft Quicktime bei der Konvertierung.
Klar und großzügig gestaltete Menüs
Für die Zwischenwertung ergibt sich ein Patt: Die Philips-Formate passen besser zur Windows-Welt, die des Nano fügen sich nahtlos in die Mac-Umgebung ein. Dies gilt auch für die Software zur Verwaltung und zum Überspielen der Mediendateien: Was iTunes für den iPod besorgt, erledigt der Windows Media Player für das Philips-Kästchen. Es gibt aber noch einen nennenswerten Unterschied: Das Gogear-Modell meldet sich als USB-Massenspeicher am Computer. Man kann es folglich per Drag and Drop mit Daten aller Art beladen, etwa mit Powerpoint-Präsentationen zum Mitnehmen. Sogar Musik-, Bild- oder Videodateien lassen sich so von Hand in die passenden Ordner schieben. Deshalb funktioniert der Gogear im Prinzip auch an Mac-Rechnern, allerdings nicht ganz so komfortabel.
Weitere Pluspunkte sammelt der Philips mit seiner Diktierfunktion und seinem eingebauten UKW-Radio, das sogar Mitschnitte erlaubt. An der Bedienung des Philips gibt es nichts auzusetzen. Klar und großzügig gestaltete Menüs erleichtern die Navigation, der Universal-Tastenring funktioniert fast so narrensicher wie das bewährte Click-Wheel von Apple.
Ein Klangverbesserer an Bord
Besonders gespannt waren wir auf die klanglichen Leistungen des Gogear. Denn die gesamte Gerätefamilie hat einen Fullsound genannten Klangverbesserer an Bord, der behutsam nachhelfen soll, wo die Audio-Komprimierung Brillanz, Stereokanaltrennung und Dynamik eingeschänkt hat. Zusätzlich gibt es noch eine Extraportion Bass. Tatsächlich funktioniert diese Klangpolitur sehr gut - unaufdringlich, nie übertrieben oder künstlich und doch effizient, auch als probates Mittel, die typischen Klanggrenzen der üblichen Ohrhörer zu erweitern.
Im Philips-Fall bringt das mitgelieferte Innenohr-Exemplar bereits gute Anlagen mit: Der Hörer klingt sehr frisch, differenziert fein und präzise, braucht allerdings elektronische Bassunterstützung: In den Tiefenregionen schwächelt er hörbar. Alles in allem erweist sich der Gogear als eine gute, preisgünstige iPod-Alternative für alle, die sich in der Windows-Welt heimischer fühlen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hersteller